Im Museum für Kommunikation

Ein Einblick in die Geheimnisse des Sportjournalismus

Fadi Keblawi

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7.7.2023, 12:41 Uhr
Ein netter Abend in Nürnberg: Böller, Böhm und Röckl müssen nicht arbeiten.

© böhm Ein netter Abend in Nürnberg: Böller, Böhm und Röckl müssen nicht arbeiten.

Wie man scheitert wissen, die Menschen in Nürnberg und um Nürnberg herum. Zumindest wissen sie das, wenn sie sich für Fußball interessieren, weil der ortsansässige Fußballverein in dieser Disziplin sehr regelmäßig die erstaunlichsten Kunststücke aufführt.

Manchmal aber wird das Scheitern abgesagt. Dann, zum Beispiel, wenn Fabian Schleuseners Fußspitzentor in der 96. Minute von Ingolstadt den Sturz in die Drittklassigkeit verhindert. Oder, um den Club mal Club sein zu lassen: Wenn 2006 im zweiten Spiel der WM-Vorrunde David Odonkor in der ersten Minute der Nachspielzeit einfach losrennt und Oliver Neuville aus einem 0:0 ein 1:0 macht.

Ein Scheitern wäre dieses 0:0 nicht gewesen, das 1:0 aber machte aus einer Heim-WM das Sommermärchen. Das Scheitern hatte sich in dieser 91. Minute verlagert. Weg von denen, die Fußball spielen, hin zu denen, die über Fußball schreiben.

Hans Böller saß 2006 auf der Tribüne. Bis zur 91. Minute hatte er da einen sehr schönen 0:0-Text geschrieben, der mit Abpfiff die Redaktion erreichen sollte. Er kam nie an. Neuvile traf - und Böller? Schrieb alles neu.

Das erzählte Böller auf dem Nürnberger Digitalfestival im Gespräch mit Sebastian Böhm. Es ging um die tagesaktuelle Arbeit von Sportredakteuren. Die kann kompliziert sein, hat Schleusener bewiesen, hat auch Neuville bewiesen. Man darf sich nicht vom "Spielstand täuschen lassen", sagte Böller. Und sprach auch über andere Schwierigkeiten des Live-Schreibens. Kleiner Geheimnisverrat: "Die erste Halbzeit sehen wir noch."

In Dortmund spielte dann im neuen Text die erste Halbzeit gar keine Rolle mehr - die zweite eigentlich auch nicht. Er wollte einfach "nur beschreiben", was Neuville und Odonkor ausgelöst hatten. Ein Sommermärchen nämlich. Das war es an diesem Abend im Museum für Kommunikation vielleicht nicht der Fall, ein schöner Abend war es trotzdem. Am Ende gab es für Böller und Böhm den größten Applaus und den schönen Siegerpokal beim Reporter-Slam von nn.de.

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