Kind als Schutzschild?

Corona-Demo in Schweinfurt: Polizeigewerkschaft spricht von "Akt der Unmenschlichkeit"

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Anne Kleinmann

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27.12.2021, 15:30 Uhr
Bei den Protesten gegen Corona-Maßnahmen waren am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schweinfurt mehrere Menschen verletzt worden.

© Josef Lamber, dpa Bei den Protesten gegen Corona-Maßnahmen waren am zweiten Weihnachtsfeiertag in Schweinfurt mehrere Menschen verletzt worden.

Hunderte Teilnehmer drängten sich am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Innenstadt von Schweinfurt zusammen. "Ein Spaziergang" sollte es sein, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Angemeldet war das Ganze nicht. Die Stimmung war bei einigen gereizt. Am Ende lautete die traurige Bilanz: Mehrere gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte, verletzte Teilnehmer, darunter sogar ein Kind.

Dementsprechend scharf fielen nach den Vorfällen auch die Reaktionen aus: Der Bezirksvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Unterfranken Thorsten Grimm sprach von "einer brandgefährlichen Entwicklung". Und: "Ein Kind als Schutzschild zu missbrauchen, ist ein Akt der Unmenschlichkeit und das muss das Jugendamt auf den Plan rufen", so Grimm.

Auch der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft Jürgen Köhnlein kritisierte, dass Eltern ihre Kinder mit auf derartige Demonstrationen nehmen: "Das geschieht leider zum reinen Selbstzweck und mit vollem Kalkül der Eltern", sagte er. "Für mich ist dieses unverantwortliche Handeln von Erziehungsberechtigten ein Fall für das Jugendamt". Er betonte: "Kleine Kinder haben auf Demos nichts zu suchen."

Laut der Mitteilung der Polizei Unterfranken hatte eine Frau samt ihres Kindes zusammen mit anderen Teilnehmern versucht, eine Polizeiabsperrung zu überwinden. Um sie daran zu hindern, setzten die Beamten - nach mehrfacher Androhung - unter anderem Pfefferspray ein. Dabei kam auch das vierjährige Kind mit einer Pfefferspraywolke in Kontakt. "Das Kind hatte kurzfristig eine Augenreizung, wurde aber direkt von unseren Einsatzkräften behandelt und war nach wenigen Minuten wieder beschwerdefrei", so ein Sprecher der Polizei Unterfranken auf Anfrage. Bleibende Verletzungen habe es nicht.

Fall wurde Jugendamt gemeldet

Dass Kinder auf Demonstrationen mitgebracht werden, sei indes nicht selten, so der Sprecher weiter. "Teilweise wird sogar in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, Kinder mitzubringen", denn die Maßnahmen der Polizei werden damit eingeschränkt: So würden selbstverständlich gegen Kinder keine polizeilichen Maßnahmen getroffen. Was die Polizeibeamten dürften und was nicht, sei genau im Polizeiaufgabengesetz geregelt. "Wenn dann Personen mit Kindern bei Demonstrationen polizeiliche Beschränkungen nicht einhalten, so wie am Sonntag, ist das für die Kollegen eine Herausforderung."

Gegen die Frau, die am Sonntag mit ihrem Kind auf der Demonstration war, wurde Anzeige erstattet. Außerdem, so der Polizeisprecher weiter, wurde der Vorfall dem Jugendamt gemeldet. Weitere Teilnehmer, die die Beamten bei der Demonstration angegriffen hatten, sollen zudem noch am Montag in einem beschleunigten Verfahren ihr Urteil vor dem Amtsgericht Schweinfurt bekommen. Insgesamt nahm die Polizei acht Personen fest und leitete gegen 44 Personen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

Generell sei der Großteil der Teilnehmer aber friedlich gewesen, teilte der Sprecher der Polizei mit und betonte: "So verhalten sich normalerweise auch die Eltern, die Kinder zu Demonstrationen mitnehmen. Eskaliert es irgendwo, ziehen sie sich meistens aus dem Geschehen zurück." Während der Demonstration hatte die Polizei alle Teilnehmer, mehrfach gebeten, "sich deutlich von Krawallmachern und Straftätern abzugrenzen".

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