Unterschiede im Freistaat

Franken und Oberpfälzer arbeiten seltener im Homeoffice als Oberbayern

23.6.2022, 16:55 Uhr
Deutsche Arbeitnehmer fühlen sich im Vergleich der großen Industrienationen seltener gestresst.

© Sebastian Gollnow/dpa Deutsche Arbeitnehmer fühlen sich im Vergleich der großen Industrienationen seltener gestresst.

Wer hat 2021 in Bayern im Home-Office gearbeitet? Das Landesamt für Statistik in Fürth hat dazu interessante Zahlen veröffentlicht: Je nach Region, Alter und Einkommenshöhe gibt es beträchtliche Unterschiede. Im vergangenen Jahr arbeitete jeder vierte abhängig Beschäftigte von zu Hause aus. Oberbayern weist mit 32 Prozent den höchsten Homeoffice-Anteil aus.

Laut Landesamt arbeiteten im Jahr 2021 rund 1,5 Millionen der über 6,1 Millionen abhängig Beschäftigten im Freistaat mindestens einen Tag in der Woche von zu Hause aus. Bei Männern betrug der Anteil 27 Prozent, bei Frauen waren es rund 22 Prozent. Das ergaben die neuesten Erkenntnisse aus dem Mikrozensus 2021. Beim Mikrozensus wird seit 1957 ein Prozent der Bevölkerung zu ihren Lebensverhältnissen befragt.

Die Befragung zeigt, dass bei älteren Beschäftigten Homeoffice weniger verbreitet war: „So erledigten nur 21 Prozent der 50- bis 65-Jährigen ihre beruflichen Aufgaben im Jahr 2021 zumindest teilweise von zu Hause aus. Demgegenüber waren es bei den 15- bis 34-Jährigen 25 Prozent und bei den 35- bis 49-Jährigen 29 Prozent“, betont Jochen Knöller, Referent für den Mikrozensus im Bayerischen Landesamt für Statistik.

Stark vom Bildungsabschluss beeinflusst

Bildung, Tätigkeitsart, Einkommen, Ort, Unternehmensgröße und Branche haben maßgeblich Einfluss. Die Möglichkeit, von zu Hause aus arbeiten zu können, ist nach den Ergebnissen der Befragung stark vom Bildungsabschluss beeinflusst. So lag der Homeoffice-Anteil der abhängig Beschäftigten mit einem niedrigen Bildungsabschluss bei sieben Prozent, mit einem mittleren Bildungsabschluss bei 14 Prozent und mit einem hohen Bildungsabschluss sogar bei 48 Prozent.

Das spiegelt sich auch in der beruflichen Tätigkeit wider. So hatten Arbeiterinnen und Arbeiter im 2021 nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit, ihren Beruf von zu Hause ausüben zu können: In dieser Gruppe betrug der Homeoffice-Anteil lediglich drei Prozent gegenüber 27 Prozent bei den Angestellten. Bei Beamtinnen und Beamten nutzten sogar 47 Prozent die Möglichkeit des Homeoffice.

Auch mit der Höhe des Einkommens wächst der Homeoffice-Anteil erheblich: Bei den abhängig Beschäftigten mit einem Nettomonatseinkommen von 1000 bis 2000 Euro lag der Anteil im Jahr 2021 bei zwölf Prozent, hingegen bei Personen, die 4000 Euro netto und mehr verdienten, bei 64 Prozent.

Im Stadt-Land-Vergleich zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede: In Städten lag der Homeoffice-Anteil bei 34 Prozent, in ländlichen Gebieten hingegen bei 20 Prozent und damit unter dem bayernweiten Durchschnitt von 25 Prozent.

Auch die Betriebsgröße hat einen Einfluss auf den Homeoffice-Anteil. Von den Beschäftigten in Betrieben bis 49 Personen waren im Jahr 2021 nur 16 Prozent der Beschäftigten mindestens an einem Tag in der Woche im Homeoffice. Betrachtet man hingegen Betriebe mit 500 Personen und mehr Beschäftigten lag dieser Wert bei 38 Prozent.

IT-Branche arbeitet kaum im Büro

Zudem zeigen sich große branchenspezifische Unterschiede. Den geringsten Homeoffice-Anteil hatten Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen. In diesem Arbeitsumfeld können sehr viele Tätigkeiten nicht von zu Hause aus erledigt werden, dementsprechend arbeiteten hier nur sechs Prozent der Beschäftigten ganz oder teilweise von zu Hause aus. Am höchsten war der Homeoffice-Anteil mit 65 Prozent im Bereich „Information und Kommunikation“.

Der Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltserhebung der amtlichen Statistik in Deutschland. Seit 1957 wird jedes Jahr ein Prozent der Bevölkerung zu ihren Lebensverhältnissen befragt. Dabei geht es um Themen wie Haushalt und Familie, wirtschaftliche Lage und soziale Teilhabe, Bildung und Beruf, Arbeitsweg, Kinderbetreuung, Wohnen und Gesundheit. Allein in Bayern werden jährlich rund 60 000 private Haushalte befragt. Damit unterscheidet er sich maßgeblich vom aktuell stattfindenden Zensus 2022, der ermittelt wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten.

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