Zahlen für Bayern

Neue Bevölkerungsprognose: Fürth wächst, Bamberg schrumpft

Arno Stoffels
Arno Stoffels

Region und Bayern

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8.1.2022, 15:53 Uhr
München bleibt beliebt, in der Landeshauptstadt könnte die Bevölkerung bis 2040 besonders stark anwachsen.

München bleibt beliebt, in der Landeshauptstadt könnte die Bevölkerung bis 2040 besonders stark anwachsen. © Tobias Hase, dpa

Bayerns Attraktivität zeigt sich für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auch beim Bevölkerungswachstum. Deshalb sei das Ziel, überall im Freistaat für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen, weiterhin wichtig. "Daran wird festgehalten", so Herrmann.

So soll es über den Ausbau der Infrastruktur und mit zunehmender Digitalisierung in den nächsten 20 Jahren gelingen, ein "übermäßiges Wachstum" der Bevölkerung in Ballungsräumen wie München eher zu begrenzen und beispielsweise in Nordostoberfranken, dem nördlichen Unterfranken und den Gebieten entlang der Grenze zu Tschechien anzukurbeln, so Herrmann.

Erhebliche Unterschiede

Mit Blick auf die von Herrmann im Bayerischen Landesamt für Statistik mit Sitz in Fürth vorgestellten Ergebnisse der neuen regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2040 wird klar, dass die Politik in den nächsten Jahren hier noch viel zu tun haben wird.

So steigt die Einwohnerzahl Bayerns nach den Prognosen der Experten von 13,14 Millionen Personen Ende 2020 kontinuierlich auf rund 13,66 Millionen an. Das sind 518 000 Personen mehr und entspricht einem Wachstum der Bevölkerung des Freistaats von 3,9 Prozent.

Gewinne durch Zuwanderung

Der Zuwachs werde dabei auf vorausberechnete Wanderungsgewinne aus anderen Bundesländern, vor allem aber aus dem Ausland in alle kreisfreien Städten und Landkreisen zurückzuführen sein. "Die Geburten gleichen die Sterbefälle nicht aus“, so Herrmann.

Doch während sich für größere Städte und angrenzende Landkreise ein überdurchschnittliches Wachstum ergibt, sind in manchen ländlichen Gebieten trotz Wanderungsplus stagnierende oder rückläufige Bevölkerungszahlen zu erwarten.

So wird der bevölkerungsmäßig mit Abstand größte Regierungsbezirk Oberbayern bis 2040 rund 5,05 Millionen Einwohner haben, eine Steigerung von 6,9 Prozent oder 327.000 Menschen.

Alleine für die Stadt München wird mit einem Zuwachs von 122.000 auf dann 1,61 Millionen Einwohner gerechnet.

Stagnierende Zahlen

Für Mittelfranken wird insgesamt hingegen nur eine "stabile" Bevölkerungsentwicklung vorausgesagt. So soll die Einwohnerzahl Mittelfrankens nach den jüngsten Berechnungen von 1,78 Millionen im Jahr 2020 auf 1,82 Millionen Menschen im Jahr 2040 ansteigen. Das entspricht einem leichten Plus von 2,3 Prozent beziehungsweise etwa 40.000 Personen.

Das größte Bevölkerungswachstum weisen in Mittelfranken nach der neuen Vorausberechnung dabei die Stadt Fürth (+6,0 Prozent) und der Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim (+4,4 Prozent) auf, dicht gefolgt vom Landkreis Erlangen-Höchstadt (+4,3 Prozent).

Eine lediglich stagnierende Bevölkerungsentwicklung werden für die Städte Nürnberg (+0,2 Prozent), Erlangen (+1,8 Prozent) und den Landkreis Fürth (-0,2 Prozent) erwartet.

Klarer Rückgang

In Oberfranken wird die Bevölkerungszahl hingegen nach der aktuellen Vorausberechnung um etwa 37.000 Personen oder 3,5 Prozent 1,02 Millionen Einwohner zurückgehen.

Das ist zwar weniger als noch vor ein paar Jahren prognostiziert, trifft aber nach wie vor in erster Linie die grenznahen Landkreise.

Für die kreisfreie Stadt Bamberg (-1,5 Prozent) sowie die Landkreise Coburg (‑2,1 Prozent), Bamberg (+1,0 Prozent) und Forchheim (+1,3 Prozent) wird in Zukunft eine annähernd konstanten Bevölkerungsentwicklung angesetzt.

Ähnliches Bild

Ein ähnliches Bild bietet sich für Unterfranken. In den Landkreisen Main-Spessart, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Hassberge ist mit einem deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahl zu rechnen.

Insgesamt wird die Bevölkerung Unterfrankens von aktuell 1,32 Millionen Einwohnern bis zum Jahr 2040 um etwa 19.000 Personen zurückgehen.

Noch ungleichmäßiger sind Zuwachs beziehungsweise Rückgang der Bevölkerung im Regierungsbezirk Oberpfalz.

Neumarkt profitiert

Stadt und Landkreis Regensburg wachsen laut der Experten beispielsweise um 3,7 beziehungsweise 5,3 Prozent, der angrenzende Landkreis Neumarkt steigt nach den Berechnungen um 7,8 Prozent in der Bevölkerungszahl.

Für den nördlichen Landkreis Tirschenreuth wird hingegen ein Rückgang der Bevölkerung um etwa 7,1 Prozent veranschlagt.

Einher mit der Veränderung der Einwohnerzahl geht auch ein Wandel der Altersstruktur, so Herrmann. So wird die Zahl der ab 65-Jährigen in Bayern bis zum Jahr 2040 um 771.000 auf 3,49 Millionen zunehmen.

Weniger junge Menschen

Gleichzeitig sinkt im Freistaat der Anteil der Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren gegenüber dem Jahr 2020 um 410.000 Personen auf 7,58 Millionen.

Somit kommen laut der Vorausberechnung im Jahr 2040 dann 46 Personen im Ruhestandsalter auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. 2020 lag dieser Wert noch bei etwa 34 zu 100 Personen. Entsprechend steigt auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Bayern: Von heute 44 auf dann 45,5 Jahre in den nächsten zwei Jahrzehnten.

Doch auch hier gibt es große regionale Unterschiede. So werden die Einwohner der Stadt München bis zum Jahr 2040 das bayernweit niedrigsten Durchschnittsalter (42,1 Jahre) haben.

Zum Vergleich: Im Landkreis Kronach wird der Altersdurchschnitt nach den Prognosen dann bei 50 Jahren liegen.

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