Vorwürfe gegen katholischen Geistlichen

Priester soll in Franken fünf Gemeindemitglieder missbraucht haben: Gibt es weitere Opfer?

22.9.2022, 13:10 Uhr
Im oberfränkischen Landkreis Kronach könnte sich der Missbrauchsskandal um einen bereits 2005 verstorbenen Geistlichen ausweiten. Äußerungen von Betroffenen lassen vermuten, dass es noch weitere Opfer gibt.

© Sven Hoppe/dpa Im oberfränkischen Landkreis Kronach könnte sich der Missbrauchsskandal um einen bereits 2005 verstorbenen Geistlichen ausweiten. Äußerungen von Betroffenen lassen vermuten, dass es noch weitere Opfer gibt.

Einem Priester aus dem oberfänkischen Landkreis Kronach wird sexueller Missbrauch von Gemeindemitgliedern in seiner Zeit als Pfarrer im Wallenfels vorgeworfen. Es geht um einen Zeitraum von 25 Jahren zwischen 1970 und 1995. Der beschuldigte Geistliche ist bereits 2006 verstorben, sodass keine strafrechtlichen Ermittlungen mehr möglich sind. Das Erzbistum Bamberg will die mutmaßlichen Straftaten nun aber aufarbeiten.

"Nach ernst zu nehmenden Hinweisen auf Fälle von sexuellem Missbrauch", wie es in einer Pressemitteilung der Diözese heißt, sind weitere Betroffene aufgerufen, sich zu melden. Die bisher bekannten Betroffenen waren oder sind zum Teil Mitglieder der Wallenfelser Gemeinde. Ihre Identität soll geschützt bleiben.

Laut Georg Kestel, Generalvikar des Erzbistums Bambergs, soll die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle mit aller Kraft betrieben werden. Als bereits ab dem Jahr 2006 nach dem Tod des Beschuldigten erste Vorwürfe durch die Meldung von Betroffenen bekannt geworden waren, habe die Erzdiözese Bamberg nach den bischöflichen Richtlinien gehandelt und entsprechende Anerkennungszahlungen geleistet. Auch Therapiekosten seien übernommen worden. Den Betroffenen solle soweit wie möglich Gerechtigkeit widerfahren, so Kestel. Auch in den Fällen, die künftig noch ans Tageslicht kommen sollten, können Therapiekosten übernommen werden.

Fünf Opfer sind bis jetzt bekannt

Fünf Opfer haben sich laut dem Bistum seit 2006 gemeldet. Äußerungen der Betroffenen lassen vermuten, dass es noch weitere Opfer geben könnte. Deshalb nun der Aufruf.

Der Leitende Pfarrer von Teuschnitz, Detlef Pötzl, sagte: „Die Aufarbeitung und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die geschehen sind, stellen uns vor große Herausforderungen und führen oft zur eigenen Sprachlosigkeit und zu einer Verunsicherung im Umgang miteinander. Gleichzeitig wollen wir den Opfern und Betroffenen gerecht werden.“ Betroffene können sich, auf Wunsch vertraulich, melden bei der Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Bamberg.