Erlangen und Umgebung

2G oder 2G plus in bayerischen Restaurants und Cafés? Stimmen aus Gastronomie und Gewerkschaft

11.1.2022, 05:55 Uhr
Wie geht es in Bayern weiter, welche Corona-Regelung wird künftig beim Besuch von Restaurants und Cafés gelten? Die Entscheidung soll voraussichtlich am Dienstag, 11. Januar 2022, fallen. 

Wie geht es in Bayern weiter, welche Corona-Regelung wird künftig beim Besuch von Restaurants und Cafés gelten? Die Entscheidung soll voraussichtlich am Dienstag, 11. Januar 2022, fallen.  © Arne Dedert/dpa

Die Entscheidung für oder gegen 2G plus in der bayerischen Gastronomie gibt Ministerpräsident Markus voraussichtlich am Dienstag, 11. Januar, bekannt - und Besitzer und Beschäftigte in der Gastronomie werden dann wissen, ob es bei "Geimpft und genesen" , also 2G, bleibt oder ob dann auch im Freistaat, wie fast bundesweit, künftig strengere Corona-Regeln gelten. Nach dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss benötigen nämlich Geimpfte und Genesene für den Zugang zu Restaurants, Cafés, Bars oder Kneipen einen aktuellen Negativtest. Geboosterte sind weiterhin von der Testpflicht ausgenommen.

Wenn es nach Marco Altmann ginge, dann bliebe es so, wie es die Bestimmungen bisher vorsehen: "Mein Wunsch wäre, dass wir es so lassen, wie es ist, das wäre die normale Regelung, die für die Gastronomie am wenigsten umsatzschädlich ist", sagt der Inhaber und Geschäftsführer der Altmanns Stube am Erlanger Theaterplatz.

Denn noch gebe es viele Ungeboosterte, die dann für einen Restaurantbesuch extra einen Schnelltest vorlegen müssten: "Doch", fragt der Gastronom rhetorisch, "wer macht das schon, wenn man mal einfach kurz essen gehen möchte?" Zu einer besonderen Gelegenheit, wie etwa Geburts- oder Hochzeitstag, seien die Besucher wohl bereit, sich vorher um einen Test zu kümmern, aber für einen schnellen Restaurantbesuch wohl kaum.

Restaurant mit Alleinvertretungsmerkmal

Altmann selbst ist auf spontane Besuche in seinem Lokal nicht angewiesen, hat sie noch nicht einmal (mehr) im Programm, er setzt auf Event-Küche mit fest gebuchten (Themen-)Veranstaltungen: "Wer zu uns kommt, macht das ganz bewusst und reserviert dafür oft Wochen im Voraus", berichtet er, "daher haben wir auch weiterhin eine 100-prozentige Auslastung". Seine Gäste sind so gut wie alle geimpft und geboostert, die Pandemiebestimmungen tragen sie auch mit Blick auf die eigene Gesundheit mit. "Alle sind zufrieden, deshalb sollte es bei 2G bleiben", sagt Altmann, "das ist für unsere Branche einfach das Beste - und da spreche ich vor allem für die Kolleginnen und Kollegen, die nicht so ein Alleinvertretungsmerkmal haben wie wir, sondern für Betriebe wie die Pizzeria um die Ecke."

Gleich zwei Standorte im Stadtgebiet hat das Restaurant Tio: in den beiden Filialen am Röthelheimpark und in der Innenstadt gibt es neben vielen anderen Spezialitäten Pizza und Pasta. "Eine 2G-plus-Regelung wäre sehr viel schwieriger, denn ob von von den Kunden auch ein zusätzlicher Schnelltest so einfach akzeptiert wird, bezweifle ich", sagt eine Mitarbeiterin, die im Zentrum die Lokal-Leitung innehat. Die Folgen, vermutet sie, wären wohl ein Gästerückgang, Umsatzeinbußen und womöglich die Kündigung von studentischen Hilfskräften. "Jetzt haben wir nach den vorherigen Lockdowns endlich wieder welche und müssten sie dann wieder ausstellen", sagt die Leiterin.

Im Tio: "Viele Kunden bedanken sich für genaue Kontrollen"

Mit der bislang gültigen Verordnungen könnten alle, Beschäftigte und Besucher, sehr gut leben. "Wir haben viele Kundinnen und Kunden, die sich bei uns für die genauen Einlasskontrollen, die Sicherheitsmaßnahmen und die Abstandsregelungen bedanken", erzählt die Frau. "Sicherheit ist für alle wichtig", so leitende Tio-Mitarbeiterin, "für die Gäste und die Mitarbeiter".

Abstandsregelungen werden freilich auch bei Christian Pöllmann vom Landhotel Drei Kronen in Adelsdorf eingehalten. "Dafür haben wir genügend Platz und das ist auch wichtig." Für 2Gplus in der Gastronomie dagegen hat er kein Verständnis. Sowieso ärgere es ihn kolossal, wenn immer von DER Gastronomie die Rede sei. "Das ist doch so vielschichtig", findet er, angefangen bei Gastronomie in der Stadt und auf dem Land oder Gastronomie, wo man nur schick essen oder feiern gehe.

Logische Lösung gewünscht

Am meisten aber kritisiert Pöllmann die unlogischen Regelungen. "Eine geboosterte Person kann doch genauso infiziert sein und darf ohne Test rein, während eine lediglich doppelt geimpfte Person noch zusätzlich einen Test machen muss." Er würde sich "eine geistig nachvollziehbare, logische Lösung" wünschen. Zudem gibt er zu bedenken, dass sich viele - auch Geboosterte - inzwischen Gedanken machen, weil man immer wieder höre, wie gefährlich doch die Gastronomie sei. Das verunsichere alle, eben auch Geboosterte. "Zwischen kommen können und tatsächlich kommen liegen dann auch nochmal Welten."

Doch Pöllmann will nicht nur jammern. "Es gab doch in Deutschland schon viel verzweifeltere Situationen. Und wir müssen wohl lernen, mit dem Virus zu leben." Er hofft noch, dass Bayern sich tatsächlich für einen gemäßigteren Weg entscheidet, immerhin lebe Bayern viel von der Gastronomie und Hotellerie. Und auch insgesamt denkt er positiv, freut sich nach eigener Aussage auf das kommende Frühjahr und den Sommer und "dass ich dann endlich wieder mit meinem Team rennen kann".

Doch Schutz und Sicherheit sind nun mal in Pandemie-Zeiten das A und O. Das betont auch Regina Schleser, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) - und genau deshalb spricht sie sich für 2G plus aus. Es werde damit weiterhin zu Umsatzeinbußen und Kurzarbeit kommen, räumt sie ein, was wiederum schlecht für die Betriebe und damit die ohnehin oft in prekären Arbeitsverhältnissen stehenden Beschäftigten. Um die finanziellen Einbußen abzufedern, fordert die Gewerkschafterin, dass das Kurzarbeitergeld und die Aufstockung auf 80 oder 87 Prozent auch über den 31. März hinaus fortgeführt werden müsse. Für viele Beschäftigte im Gastgewerbe reiche das wegen der niedrigen Einkommen jedoch nicht aus, sagt Schleser. Daher müsse es jetzt ein Mindestkurzarbeitergeld geben.

Den wirtschaftlichen Nachteilen stünde jedoch der große Gesundheits-Vorteil entgegen: "Die Mitarbeitenden profitieren mit 2G plus durch den Gesundheitsschutz auf jeden Fall", sagt sie Gewerkschafterin, "es ist schon eine gefährliche Sache, wenn weiterhin eine Ansteckungsgefahr besteht, denn die Übertragung läuft ja über Aerosole und wenn mehrere Menschen über einen längeren Zeitraum ohne Maske zusammensitzen, ist eine Gefahr durchaus vorhanden".

Und noch etwas kritisiert Schleser: "Ausgerechnet jetzt will Söder aus den bundeseinheitlichen Regelungen ausscheren, obwohl er einheitliches Handeln doch selbst immer anmahnt und fordert - das sollten wir jetzt auch in Bayern machen."