Zum Jubiläum

Bemerkenswerte Festschrift des Erlanger Kammerorchesters

Cora Uitting

Erlanger Nachrichten

14.1.2022, 14:30 Uhr
Bester Dinge auch nach 75 Jahren: Das Erlanger Kammerorchester präsentiert sich gut gelaunt in seiner heutigen personellen Zusammensetzung.
 

Bester Dinge auch nach 75 Jahren: Das Erlanger Kammerorchester präsentiert sich gut gelaunt in seiner heutigen personellen Zusammensetzung.   © privat, NN

In der Regel begehen Orchester ihre Jubiläen mit großen, glanzvollen Konzerten, die für Musizierende und Publikum gleichermaßen zu unvergesslichen Erlebnissen werden.

Dem Erlanger Kammerorchester (EKO) ist es in Zeiten der Pandemie zum großen Bedauern nicht möglich gewesen, sein 75-jähriges Bestehen in einem derartigen Rahmen zu feiern. Die Mitglieder dieses Liebhaberorchesters, das seit Jahrzehnten auf semi-professionellem Niveau musiziert, entschieden sich daher, auf diese 75 Jahre des kontinuierlichen Zusammenspiels im Rahmen einer Festschrift zurückzublicken und sie zu dokumentieren.

Echte Zuneigung

In dieser Festschrift ist ein Stück Erlanger Zeitgeschichte zusammengefasst, das kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs am 14. Dezember 1945 mit einem Konzert unter der Leitung des Dirigenten Erich Limmert im Logensaal beginnt (der Programmzettel ist tatsächlich erhalten und abgebildet). Allein die Grußworte der Erlanger Oberbürgermeister, aktuell und ehemalig, der Bürgermeister der Erlanger Partnerstädte, des Landesverbandes Bayerischer Liebhaberorchester, des Grafen Paul von Schönborn-Wiesentheid (die Sommerkonzerte des EKO in Schloss Pommersfelden sind alljährlich musikalische Höhepunkte), dazu auch die Grüße internationaler Solisten und Partner-Ensembles zeugen von der großen Wertschätzung, ja, echten Zuneigung, die man dem Erlanger Kammerorchester seit langer Zeit entgegenbringt.

Im Oktober 1946 war das Erlanger Kammerorchester mit einem Sinfonie-Abend zu Gast im „Staedtischen Redoutensaal“.
 

Im Oktober 1946 war das Erlanger Kammerorchester mit einem Sinfonie-Abend zu Gast im „Staedtischen Redoutensaal“.   © Kammerorchester, NN

Bei aller Detailfreude wunderbar übersichtlich ist die Entwicklung des EKO unter seinen jeweils langjährigen musikalischen Leitern dargestellt. Es lässt staunen, wie lang manch eine Tradition schon gepflegt wird, zum Beispiel die Konzerte vor der Orangerie im Schlossgarten, auf Schloss Pommersfelden oder im Redoutensaal.

Ein Stück Erlanger Zeitgeschichte: Abgedruckt in der Festschrift ist auch der Programmzettel des ersten EKO-Konzerts am 14. Dezember 1945 im Logensaal.
 

Ein Stück Erlanger Zeitgeschichte: Abgedruckt in der Festschrift ist auch der Programmzettel des ersten EKO-Konzerts am 14. Dezember 1945 im Logensaal.   © Kammerorchester, NN

Sehr interessant sind auch die Berichte über Konzertreisen unter anderen in die Erlanger Partnerstädte Rennes, Eskilstuna und Wladimir, bei denen die Musiker durchaus auch Botschafter-Funktion ausübten. Ein großer Teil der Festschrift gibt den aktiven Musikern Raum darzulegen, wie wertvoll, wie unverzichtbar ihre Mitgliedschaft in diesem Klangkörper für sie ist.

Auch offen für anderes: Das Erlanger Kammerorchester präsentierte im März 2015 in der Ladeshalle gemeinsam mit Schülern der Erlanger Musikschulen und Gymnasien das Jugendkonzert „Wenn der Vater mit dem Sohne“.
 

Auch offen für anderes: Das Erlanger Kammerorchester präsentierte im März 2015 in der Ladeshalle gemeinsam mit Schülern der Erlanger Musikschulen und Gymnasien das Jugendkonzert „Wenn der Vater mit dem Sohne“.   © Rainer Windhorst, NN

Einmal mehr wird hier klar, dass ein Orchester aus vielen einzelnen Menschen besteht, die zusammenfinden, um gemeinsam Musik zu schaffen, zu erleben und zum Genuss für andere zu machen.
Ausführliche Interviews mit Ulrich Kobilke und Mathias Bock beschreiben das Orchester aus der Perspektive des Dirigentenpults, es gibt Bilder aus sieben Jahrzehnten, auf denen man „alte“ Bekannte erkennt, und ein überaus unterhaltsames Kapitel mit „Erlebnissen und Begebenheiten“ illustriert aufs Schönste, was den Mitgliedern des Erlanger Kammerorchesters für immer im Gedächtnis bleiben wird.

Egal, wie geordnet der Orchesterfundus im Archiv gewesen sein mag: Hier ist ein Werk entstanden, das in jeder Hinsicht tief beeindruckt. Das Layout, edel, luftig und klar, ist Plattform für vielseitige, wohlstrukturierte Inhalte, die auch Nicht-Musikanten fesseln und informieren können. Ein intensiver Genuss für Geist und Seele!

Auf der Internetseite des Ensembles unter www.erlanger-kammerorchester.de kann die komplette Festschrift gelesen werden. Außerdem ist dort ein kleines Video zu sehen mit einer Vorrede des Dirigenten Mathias Bock und mit Bildern aus der 75-jährigen Orchestergeschichte, die mit Mitschnitten aus Konzerten der letzten Jahre unterlegt sind.

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