Corona und ein EU-Verbot

Erlanger Tätowierer bangen um ihre Existenz

Christoph Benesch
Christoph Benesch

Erlangen

E-Mail zur Autorenseite

14.1.2022, 12:16 Uhr
Es dauert etliche Stunden, bis der Tätowierer sein Werk auf der Haut vollendet hat. Umfragen zufolge trägt inzwischen jeder Vierte in Deutschland ein Tattoo.

Es dauert etliche Stunden, bis der Tätowierer sein Werk auf der Haut vollendet hat. Umfragen zufolge trägt inzwischen jeder Vierte in Deutschland ein Tattoo. © Torsten Hanspach

Herr Tomas, wie viele Farben betrifft die neue Richtlinie?
Eigentlich alle, außer Schwarz und Weiß und sämtliche Grautöne. Man kann sagen 99 Prozent des Spektrums, das die Tätowierer nutzen.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Für mich persönlich ist es gar nicht so schlimm, weil ich bestimmt 90 Prozent meiner Tattoos nur in Schwarz und Weiß mache. Aber sehr, sehr viele Kollegen trifft das massiv, für sie ist diese Richtlinie definitiv existenzgefährdend. Vor allem in Verbindung mit Corona. Wen die Pandemie noch nicht wirtschaftlich lahm gelegt hat, den schafft nun dieses Farbenverbot.

"Man kann auch mit den Farben auf Papier malen"

Mussten Sie kistenweise Farben nun wegwerfen?
Ich habe meine Farben entsorgt, ja. Aber ich hatte auch nicht so viele. Man kann sie theoretisch auch zum Zeichnen und Malen auf Papier nehmen, aber ich habe meine weggeräumt, ich kann sie ja jetzt nicht mehr nutzen.

Einige beliebte Tattoostile, etwa der Farbrealismus, wären ohne die beiden Pigmente Blau 15 und Grün 7 gar nicht mehr möglich, meinen Tätowierer.

Einige beliebte Tattoostile, etwa der Farbrealismus, wären ohne die beiden Pigmente Blau 15 und Grün 7 gar nicht mehr möglich, meinen Tätowierer. © Foto: Christophe Gateau/dpa

Was bedeutet das für bereits begonnene und noch nicht fertig gestellte Tattoos?
Es gibt Tattoos, an denen arbeite ich noch Jahre. Die liegen durch Corona jetzt erst einmal auf Eis. Diese muss ich jetzt noch einmal verschieben durch das Verbot. Ich habe auch schon Farben bestellt, die die EU erlaubt, aber die haben extrem lange Lieferfristen, weil sie gerade komplett vergriffen sind.

"Wir haben keine Lobby"

Für viele in der Branche bedeutet das Farbverbot ein Bangen um die Existenz.

Für viele in der Branche bedeutet das Farbverbot ein Bangen um die Existenz. © Foto: Amja Hinterberger

Es gibt eine Petition gegen dieses Verbot, haben Sie die unterstützt?
Nicht nur einmal, ja. Ich habe diese Petition weitergereicht, Werbung dafür gemacht - aber, wissen Sie, wir Tätowierer haben keine Lobby. Wir sind nicht einmal als Künstler bei der IHK anerkannt, sondern als Handwerker. Leider haben sich dementsprechend auch zu wenig Menschen an der Petition beteiligt, weil sie nicht betroffen sind oder keine Ahnung hatten, was das für uns bedeutet.

Muss man sich nun um "Tattoo Tomas" Sorgen machen?
Wegen des Farbenverbots eigentlich nicht. Aber wegen Corona schon. Sollte es noch einen Lockdown geben, dann ist es wirtschaftlich einfach nicht mehr haltbar. Die Staatshilfen haben gerade einmal gereicht, um die Miete zu bezahlen. Wir leben von Schulden, die wir machen dürfen - aber die müssen wir ja auch irgendwann einmal zurückzahlen.

1 Kommentar