Kommt ein Bürgerbegehren?

So will eine Bürgerinitiative in Erlangen die Bäume auf dem Gelände der Bergkirchweih retten

Eva Kettler

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9.1.2022, 06:00 Uhr
Derzeit sammelt eine im Dezember gegründete Bürgerinitiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren

Derzeit sammelt eine im Dezember gegründete Bürgerinitiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren "Bergbäume retten - mit Sicherheit!". © Harald Sippel, NN

Ein Film bringt das Anliegen der Anfang Dezember ins Leben gerufenen Bürgerinitiative „Bergbäume retten - mit Sicherheit!“ auf den Punkt und skizziert in drei kurzweiligen Minuten den Sachverhalt. „Unser Erlanger Berg - ein ganz besonderer Ort“: Mit diesen Worten beginnt das „Video von Wanda“, das inzwischen viele Erlangerinnen und Erlanger gesehen haben dürften.

Vor den Augen des Betrachters entstehen Zeichnungen, die von Erklärungen begleitet werden. Diese erzählen von dem „ganz besonderen Flair, dem Berg-Flair“, das - wie jeder Bergfreund weiß - nicht zuletzt den großen Bäumen zu verdanken ist, legen aber auch dar, wie aus Sicht der Bürgerinitiative vier Bäume erhalten werden könnten, die die Stadtverwaltung in Kürze entfernen will.

Denn der Weg am Westausgang des Berggeländes soll, laut Stadtratsbeschluss zur fünf Meter breiten Straße ausgebaut werden. Damit soll eine von vier Varianten für Flucht- und Rettungswege, die ein Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt entworfen hatte, umgesetzt werden.

Variante mit Schraubfundamenten

Die Bürgerinitiative führt jedoch ins Feld, dass mindestens eine weitere Variante möglich wäre, die bisher nicht in Betracht gezogen wurde und die die Einhaltung der Sicherheitsstandards und zugleich den Erhalt der Bäume ermöglichen würde.

Mit Schraubfundamenten und Schwerlastgittern würde in diesem Fall gearbeitet werden, die Umsetzung wäre deutlich günstiger als die im Moment von der Stadt angestrebte mit raumgreifenden Betonfundamenten. Zudem würde in diesem Fall eine zulässige Aufsplittung der erforderlichen Fluchtweg-Breite von fünf Metern auf mindestens zwei Fluchtwege erfolgen.

"Sollte sich etwas ergeben, was ein Umdenken möglich macht, würde das berücksichtigt werden", hatte Stadtrat und Bauausschuss-Vorsitzender Matthias Thurek im Oktober erklärt. Mit dem Straßenbau - avisierte Kosten: 263.000 Euro - begonnen werden soll nach damaligem Beschluss nach der Bergkirchweih 2022, die Bäume jedoch sollen noch diesen Winter gefällt werden.

Sachverständiger vor Ort

Deshalb steht auch die Bürgerinitiative, die sich der Rettung des alten Baumbestandes auf dem Bergkirchweihgelände verschrieben hat und dabei auch den Klimaschutz anmahnt, unter Zeitdruck. Voraussichtlich kommende Woche wird ein von der Initiative eingeladener Sachverständiger vor Ort sein. Dann wird es darum gehen, wie vorgegangen werden kann mit dem, was sich unter der Bodenoberfläche befindet.

Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Erlanger Stadtwerke hätten sich entgegenkommend gezeigt und Unterlagen zur Verfügung gestellt, ein Bodengutachten zeige, dass es sich beim Untergrund zum großen Teil um gewachsenen Fels handele, was von Vorteil für die Methode mit den Erdschrauben sei, freut man sich bei der Initiative. Um beim Verankern der Schraubfundamente die Wurzeln der Bäume nicht zu verletzen, werden diese über Schall gemessen.

Weitere Unterschriftensammlung

Knapp 2000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative momentan, „die Zeit drängt“, heißt es auf der Webseite www.bergflair-er.de, man sammle weiter und sei in den nächsten Tagen wiederholt auch im Stadtgebiet präsent.

Aus der Taufe gehoben wurde die Bürgerinitiative, wie berichtet, von der Hobby-Brauerin Petra „Willy“ Paulsen, unterstützt wird sie vom

Betreiber des an den Westausgang angrenzenden Entlas-Kellers, Vincenz Schiller, und dessen Vater Fritz Engelhardt.

Konstruktiv-kritische Begleitung des Wandels

Ziel der Initiative sei es, so schrieb Petra Paulsen in einem Gründungstext, „unter Berücksichtigung der erforderlichen Sicherheitsaspekte, die Bäume und damit auch das Flair des Berggeländes zu bewahren“.

Längerfristig will die Initiative einen Verein gründen, der den Wandel des Bergkirchweihgeländes im Laufe der nächsten Jahrzehnte konstruktiv-kritisch beobachtet und begleitet

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