Jahr der Weichenstellungen

Startschüsse für den Wandel des Stadtbilds von Erlangen

Stefan Mößler-Rademacher, Leiter der Lokalredaktionen Erlangen und Herzogenaurach
Stefan Mößler-Rademacher

Erlanger Nachrichten, Leiter der Lokalredaktionen Erlangen und Herzogenaurach

E-Mail zur Autorenseite

13.1.2022, 06:00 Uhr
Einst Zentrale der Firma Siemens in Erlangen: Der

Einst Zentrale der Firma Siemens in Erlangen: Der "Himbeerpalast". © Matthias Mildner

"Poetisch, sensibel und funktional" - der Lob des Expertengremiums für die Zukunft eines Wahrzeichens von Erlangen, das sich demnächst radikal verändern wird, ist euphorisch. Kurz vor Weihnachten präsentierte der Freistaat Bayern die Umbaupläne für die ehemalige Siemens-Zentrale in der Innenstadt von Erlangen. Nach dem Ankauf des "Himbeerpalastes" wird darin das Geisteswissenschaftliche Zentrum (GWZ) Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entstehen.

Das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg beschreibt den Anbau eines Glasbaus so: „Durch die Platzierung eines sich über sieben Geschosse erstreckenden ,Bücherregals` und die damit einhergehende Aufwertung des grünen Nordhofes zu einem durchgrünten Innenhof erhält der Himbeerpalast auf beeindruckende Weise einen neuen Ort für Geist und Seele.“

Den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für den Umbau des Gebäudekomplexes gewann das Leipziger Büro von Schulz und Schulz.

Den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für den Umbau des Gebäudekomplexes gewann das Leipziger Büro von Schulz und Schulz. © Harald Sippel, NN

Mit Blick auf derzeit laufende oder vorbereitete Bauvorhaben spricht die Erlanger Stadtspitze bereits von einer "Achse der Wissenschaft" zwischen Schlossgarten und Werner-von-Siemens-Straße. Auch für das Schloss, in dem sich der Sitz der Uni-Verwaltung befindet, wurden zum Jahreswechsel auch endlich vom Freistaat Gelder in Aussicht gestellt.

Neue Heimat

Bei FAU-Kanzler Christian Zens ist die Vorfreude groß: „Unsere Philosophische Fakultät und der Fachbereich Theologie können derzeit, etwa mit einer weiteren, gerade eingeworbenen Humboldt-Professur, eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Erfolgen verzeichnen – mit dem erfolgreichen Abschluss des Architektenwettbewerbs für den Himbeerpalast sind nun auch die Weichen für eine neue räumliche Heimat gestellt. Sie rücken damit noch mehr in die Mitte der Stadtgesellschaft.“

"Wir freuen uns, dass eine Entwicklung in die Wege geleitet wurde, die die Menschen in die Stadt bringt“, sagt Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik mit Blick auf den Umzug der Siemens AG in den SiemensCampus und die Neustrukturierung der FAU-Gebäude in der Innenstadt. Wichtig ist die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - mit schnellen Wegen zum Südgelände und weiter nach Nürnberg. Dafür soll in ein paar Jahren die Stadt-Umland-Bahn (StUB) sorgen.

Auch für diese Erweiterung des Öffentlichen Nahverkehrs gab es wichtige Entwicklungsschritte: 2021 wurde mit der Entwurfsplanung begonnen. Heftig diskutiert wurde dabei von Umweltschützern und Bürgern die Brücke über den Regnitzgrund in Erlangen. Hier wurde bereits das Vergabeverfahren abgeschlossen.

Am Ende wird in Sachen StUB aber der Bürger das letzte Wort haben: Die Stadtregierung aus CSU und SPD hatte 2020 in ihrer Kooperationsvereinbarung beschlossen, dass nach Abschluss der Planungen und der dann prognostizierten Kosten sowie der Streckenführung der Stadt-Umland-Bahn ein Ratsbegehren/Ratsentscheid durchgeführt wird, um ein weiteres Bürgervotum einzuholen.

"Bessere Verzahnung"

Wie wichtig die StUB für die Universität ist, betont Uni-Präsident Joachim Hornegger bei jeder Gelegenheit. Nicht zuletzt für den neuen Standort der bislang in Nürnbergs Süden ansässigen Erziehungswissenschaften, die in den kommenden Jahren näher an Erlangen heranrücken. Das Vorhaben soll im Norden der Stadt Nürnberg und in Laufweite der künftigen Stadt-Umland-Bahn verwirklicht werden. "Die beiden Universitätsstädte Erlangen und Nürnberg erfahren dadurch eine noch bessere Verzahnung", heißt es in der Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums.

Eine Neuerung im Erlanger ÖPNV gibt es bereits seit 1. Januar: Die "Klinik-Linie", die die Innenstadt vom Individual-Verkehr entlasten soll, ist 2022 kostenfrei.

Erleichterung herrscht am Wirtschaftsstandort Erlangen darüber, dass der Weltkonzern Siemens zwar seine Gebäude in der Innenstadt peu a peu räumt, aber fleißig im Süden baut. Der SiemensCampus entwickelt sich auch durch Restaurants, Hotels und andere Firmen zu einem florierenden Stadtteil.

1 Kommentar