Film-Satire

"Der Schein trügt" besticht mit Witz, Fantasie und Gedankenreichtum

16.12.2021, 10:41 Uhr
Goran Navojec als Stojan und Ksenija Marinkovic als Nada in einer Szene des serbischen Films

Goran Navojec als Stojan und Ksenija Marinkovic als Nada in einer Szene des serbischen Films "Der Schein trügt". © Neue Visionen Filmverleih/dpa

Es beginnt wie ein verrückter Traum: Kriegsflüchtling Stojan aus Serbien bekommt im Waschraum des Slums am Rande von Belgrad, wo er 1993 mit Frau und Tochter haust, einen Heiligenschein verpasst. Unübersehbar umstrahlt plötzlich ein Lichtkreis sein Haupt.Stojan will die Erscheinung loswerden. Laut einem Priester soll es helfen, wenn er sämtliche Todsünden begeht. Aber ob Völlerei oder Ehebruch: nichts funktioniert. Doch je widerwärtiger Stojan sich gebärdet, umso höher steigt er in der Gesellschaft auf.

Satirische Schärfe und tragisch-düsterer Humor

Regisseur Srdan Dragojevic setzt sich mit satirischer Schärfe und tragisch-düsterem Humor in drei Episoden um Stojan, dessen Familie und einige seiner Bekannten zum einen mit dem Missbrauch und Verfall von christlichen Werten auseinander, die über Jahrtausende gepriesen wurden. Zum anderen entlarvt er effektvoll die Methoden skrupelloser Politiker, die ihre Macht mit krimineller Energie erbeuten und festzurren. In Stojan (Goran Navojec) lässt sich so mancher Mächtige unserer Tage entdecken.

Die drei oft surreal anmutenden Storys reichen bis in die nahe Zukunft. Eine der Erzählungen beleuchtet die Verführungskraft von Bildern. Da mausert sich der Film in einigen starken Szenen zu einer düsteren Analyse heutiger Zustände in der sogenannten westlichen Welt.

Es wird deutlich, wie enorm die Gefahr ist, dass große Menschengruppen leicht manipulierbar sind, wenn sie mit Lug und Trug dazu gebracht werden, den Grundwerten der Demokratie zu misstrauen.

Spannung, Witz und übersprudelnde Fantasie

Das exzellente Schauspiel-Ensemble und eine virtuose Bildsprache prägen den Film wesentlich. Viele Momente begeistern mit geradezu versponnen anmutender Fabulierlust, andere mit derbem Humor und einige mit wohltuender Lebensweisheit.

Wie schon in seinem 2012 mehrfach auf der Berlinale und auf anderen Festivals ausgezeichneten Welterfolg "Parada" verzichtet der serbische Regisseur Srdan Dragojevic auf jegliches vordergründige Moralisieren. Er setzt auf Spannung und Witz und übersprudelnde Fantasie. Auf diese Weise wird sein Film ebenso unterhaltsam wie er zum Nachdenken anregt.

In diesen Kinos läuft der Film.

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