Historiendrama neu im Kino

"Die Königin des Nordens": Vollblut-Regentin in einer Männerwelt

30.12.2021, 10:31 Uhr
Eine Frau mit Autorität, Weitsicht und Verhandlungsgeschick: Trine Dyrholm als Margarethe I. von Dänemark in einer Szene aus

Eine Frau mit Autorität, Weitsicht und Verhandlungsgeschick: Trine Dyrholm als Margarethe I. von Dänemark in einer Szene aus "Die Königin des Nordens". © Splendid Film/dpa

Sie war die ungekrönte Königin Dänemarks: Margarethe I (1353-1412) gelang es nach Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen, Schweden und Norwegen in der "Kalmarer Union" zu vereinen.

In ihrem Historienfilm "Die Königin des Nordens" lässt die dänische Regisseurin Charlotte Sieling die Handlung im Jahr 1402 beginnen. Der Frieden, der Dänemark, Norwegen und Schweden zu neuem Wohlstand verholfen hat, ist durch eine mögliche Invasion deutscher Truppen bedroht.

Margarethe (Trine Dyrholm) überzeugt die Vertreter der verschiedenen Königshäuser und des Hochadels davon, eine gemeinsame Streitkraft zusammenzustellen, deren Abschreckungspotenzial groß genug sein müsse, um einen feindlichen Angriff zu verhindern. Darüber hinaus kündigt sie die Hochzeit ihres Adoptivsohnes Erik (Morten Hee Andersen) mit der minderjährigen englischen Prinzessin Philippa an, welche ein Militärbündnis mit dem mächtigen England besiegeln soll.

Doch mitten in die Verlobungsfeierlichkeiten und Hochzeitsverhandlungen platzt die Nachricht der Rückkehr von Margarethes tot geglaubtem, leiblichen Sohn Olav, der seinen Erbanspruch auf Thron und Krone reklamiert. Margarethe erkennt den Mann, der vorgibt achtzehn Jahre in deutschen Kerkern verbracht zu haben, nicht wieder.

Schwindler oder rechtmäßiger Herrscher?

In einer Anhörung soll geklärt werden, ob der Rückkehrer ein Schwindler oder der rechtmäßige Herrscher des nordischen Völkerbundes ist. Für Margarethe ist klar, dass sie ihr Lebenswerk und das Schicksal ihres Landes nicht in die Hände eines sichtbar in der Haft gebrochenen Mannes legen kann.

Dennoch kommen in ihr Zweifel auf, denn die Anzeichen häufen sich, dass der Zurückgekehrte tatsächlich ihr Sohn sein könnte. Gleichzeitig weiß sie, dass die plötzliche Freilassung aus einem deutschen Gefängnis kein Zufall sein kann und auch im Inneren des Hofes Feinde lauern, die ihre Macht bedrohen.

Äußerst spannend legt Regisseurin und Co-Autorin Sieling ihren Plot um politische Intrigen, Spionage und Diplomatie an und entfaltet auf der Leinwand ein kraftvolles Historiendrama um eine Königin, die sich auf forcierte Weise zwischen ihrer Rolle als Mutter und Herrscherin entscheiden muss.

Mütterliche Emotionen

Trine Dyrholm ist großartig als Vollblutregentin, die es gewohnt ist, sich mit Autorität, Weitsicht und Verhandlungsgeschick als einzige Frau in der Männerwelt durchzusetzen. Mit der Rückkehr des vermeintlichen Sohnes gerät ihre Margarethe in einen tiefen Gewissenskonflikt, den Dyrholm ohne Anflüge von Overacting transparent und nachvollziehbar macht. Es ist hier weniger die Machtgier als das tiefe Verantwortungsbewusstsein, das gegen mütterliche Emotionen antritt.

Gleichzeitig gelingt es Sieling, den Entscheidungsprozess der Regentin und dessen komplexes Intrigen-Umfeld als spannenden Polit-Thriller zu erzählen, in dem stets neue verschwörerische Aspekte und patriarchale Machtstrategien aufgedeckt werden. Das Kammerspiel in den düsteren Burggemäuern, in dessen nordisch-mittelalterliches Setting sich "Game of Thrones"-Fans zuhause fühlen können, öffnet sich immer wieder zu spektakulären Natur- und Landschaftsaufnahmen, die sichtbar für die große Kinoleinwand gemacht sind.

Die Geschichte um den "falschen Olav", dessen wahre Identität von der historischen Forschung nie eindeutig geklärt werden konnte, ist eine der lebhaftesten Erzählungen der nordischen Geschichtsschreibung. Als "Fiktion inspiriert von wahren Begebenheiten" porträtiert Film eine Regentin, die sich mit ganzer Kraft für den Erhalt von Frieden und Völkeraussöhnung einsetzte und so die politische Kultur im skandinavischen Raum über Jahrhunderte prägte. (120 Min)

In diesen Kinos läuft der Film.

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