Rassistische Gewalt

"Nico" - Eine Geschichte von Trauma, Mut und Freundschaft

12.5.2022, 09:01 Uhr
Nico (Sara Fazilat, links) fasst an der Seite von Ronny (Sara Klimoska) wieder Mut.

© Darling Berlin/UCM.One/dpa Nico (Sara Fazilat, links) fasst an der Seite von Ronny (Sara Klimoska) wieder Mut.

Was für Auswirkungen kann ein rassistischer Übergriff auf einen Menschen haben? Dieser Frage geht die junge Regisseurin Eline Gehring in ihrem einfühlsamen und höchst emotionalen Spielfilmdebüt "Nico" nach. Ihre von der Deutsch-Perserin Sara Fazilat gespielte Titelfigur lässt mit aller Wucht spüren, welch schlimme Folgen Rassismus und Gewalt für den Körper und den Kopf haben kann.

"Hast du mich gerade geschubst oder was?!" – Mit einem Rempler auf dem Heimweg fängt alles an. Eigentlich war Nico zuvor eine fröhliche und selbstbewusste Frau, die Spaß am Leben hatte. Doch ein rassistischer Übergriff nach einer Party im Park ändert alles. Nico wird von einer Gruppe Männer, angeführt von einer aggressiven Frau, zusammengeschlagen und wacht in einem Krankenhaus auf – danach ist sie kaum wiederzuerkennen.

Karate als Ventil

Immer wieder wird Nico von Flashbacks geplagt, die sie an den Angriff erinnern. Die 180-Grad-Drehung von einer lebenslustigen, engagierten Altenpflegerin hin zu einer in sich gekehrten, ängstlichen und wütenden Frau zeigt, wie sehr sich Traumata auf Körper und Psyche auswirken können. Im Karate findet Nico eine Art Ventil für die eigenen Gefühle.

Doch obwohl das harte Training von Karate-Weltmeister Andy ihr etwas hilft, ihre Emotionen zu kanalisieren, wird schnell klar, dass sich derartige psychische Folgen nicht einfach wegtrainieren lassen. Nico verliert nach und nach die Verbindung zu sich selbst und ihrem alten Leben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Rosa (Javeh Asefdjah) und zu ihren Patientinnen und Patienten fängt an zu bröckeln. Erst als Nico auf die Mazedonierin Ronny (Sara Klimoska) trifft, entwickelt sie langsam wieder Vertrauen zu einem Menschen und stellt ihren eingeschlagenen Weg in Frage.

Einfühlsame Dialoge

"Nico" ist nicht nur das Spielfilmdebüt von Eline Gehring, sondern gleichzeitig die Abschlussarbeit von Hauptdarstellerin Sara Fazilat im Studium Produktion an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 2021 wurde Fazilat für ihre Rolle als Nico beim Filmfestival Max Ophüls Preis als "Bester Schauspielnachwuchs" ausgezeichnet. Sie schrieb ebenso wie Kamerafrau Francy Fabritz zudem am Drehbuch mit.

Mit "Nico" ist es dem Trio gelungen, Themen wie Freundschaft, Selbstermächtigung und Traumabewältigung einfühlsam und reflektiert umzusetzen. "Wir haben uns mit unserer Wut und Hilflosigkeit darüber auseinandergesetzt, dass bis heute Rassismus und Sexismus immer noch zu unser aller Alltag gehören", heißt es in einem gemeinsamen Statement. Mit ihrem packenden Debüt ist Gehring und ihren Drehbuchautorinnen ein mitreißender, humorvoller und reflektierter Film zu einem leider immer noch allgegenwärtigen Thema gelungen. (79 Min.)

In diesen Kinos läuft der Film.