Zu wenig Kapazitäten

"Die Nachfrage ist brutal": Ansturm auf die Fürther Testzentren

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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27.11.2021, 20:00 Uhr
Abstrich vor dem Anpfiff: Herbert Scheidel findet die 2Gplus-Regelung richtig. Alles andere wäre momentan nicht sicher, wenn so viele Menschen zusammenkommen, sagt er. Vor dem Ronhof stand ein Testbus bereit.

© Ron Hübner, NN Abstrich vor dem Anpfiff: Herbert Scheidel findet die 2Gplus-Regelung richtig. Alles andere wäre momentan nicht sicher, wenn so viele Menschen zusammenkommen, sagt er. Vor dem Ronhof stand ein Testbus bereit.

"Leider ausgebucht". "Leider ausgebucht". "Leider ausgebucht". Wer momentan versucht, kurzfristig online einen Schnelltest-Termin in Fürth zu reservieren, scheitert mit großer Wahrscheinlichkeit. Die Test-Infrastruktur ist längst noch nicht hochgefahren. Viele Apotheken und private Anbieter hatten mit dem Abstrich-Nehmen ja aufgehört, als der Sommer die vielen Lockerungen brachte.

Jetzt werden sie überrannt, auch die Malzböden- und die Ronhof-Apotheke von Anna Klein. "Ein Wahnsinn!", sagt sie. Die Termine, die sie online freischaltet, sind im Handumdrehen vergeben. Auch das Telefon steht nicht mehr still in den Apotheken, die noch testen, weil die Leute versuchen, doch noch reingeschoben zu werden - manche freundlich, manche verzweifelt, einzelne mit der Drohung, dass man sie andernfalls als Kunden verlieren würde.

Eine furchtbare Situation sei entstanden, sagt Klein. Alle brauchen einen Test - alle würden gegeneinander ausgespielt, weil die Kapazitäten nicht ausreichen: die Ungeimpften gegen die Geimpften, Kinder, die sich freitesten lassen müssen, gegen Erwachsene, die ständig Tests für die Arbeit brauchen, Menschen, die weiter zum Schwimmen, Bouldern oder ins Fitnessstudio gehen wollen, gegen die, die ins Kino wollen. Oder ins Pflegeheim. Oder ins Stadion.

Beide sind dreifach geimpft

Klein berichtet von einem Mann, der seinen Vater im Krankenhaus besuchen möchte. Das ist seit einer Woche nur noch in Ausnahmefällen möglich - und nur mit negativem Schnelltestnachweis, selbst wenn man geimpft oder genesen ist. "Er stellt sich jetzt eine Stunde vor die Ronhof-Apotheke", in der Hoffnung, dass ein Platz frei wird, weil jemand nicht zum Termin kommt. "Und das ist das Positivste, was er heute gehört hat."

Auch in anderen Fällen fühlt Klein mit. Beispiel: Eine ältere Frau will ihren Mann im Heim besuchen, beide sind drei Mal geimpft. Einen Test benötigt sie trotzdem - und die Option, dass man unter Aufsicht einen Selbsttest macht, bietet das Heim nicht an.

Jedes Kind, das Bauchweh hat, brauche inzwischen einen negativen Test, um wieder in die Schule gehen zu können. "Wie soll das aktuell funktionieren?", fragt sich Klein. De facto entstehe eine Lockdown-Situation. Sie wurde schon gefragt, ob man für den 23. Dezember einen Termin reservieren kann. Kann man bei ihr nicht. Sie schaltet Termine nur für die kommenden Tage frei. Aktuell versucht sie, mehr Tester zu bekommen, um mehr Zeiten anbieten zu können. "Wir tun, was in unserer Macht steht."

"Die Nachfrage ist brutal", bestätigt Michael Langer, Geschäftsführer des Medic-Center Nürnberg, das an der Schwabacher Straße eine Teststation betreibt. Dort ging es zuletzt sehr ruhig zu - seit Mittwoch hat sich das geändert. Da verschärfte Bayern seine Corona-Regelungen, dazu wurde 3G bundesweit in Bussen und Bahnen eingeführt. Seit kurzem sind Bürger-Schnelltests zudem wieder gratis. Wie viele Gratis-Tests jedem zustehen, ist recht schwammig geregelt: "Mindestens einer pro Woche", heißt es in der Verordnung, abhängig von den Kapazitäten. In der Regel gibt es derzeit noch keine Beschränkung.

Seit Mittwoch sei's ein furchtbarer Ansturm, sagt auch Stefanie Hertlein aus der Bavaria-Apotheke, ebenfalls in der Schwabacher Straße. "Die Leute rufen an, um uns mitzuteilen, dass die Terminreservierung auf unserer Homepage nicht funktioniert - aber es ist tatsächlich alles ausgebucht." Getestet wird hier, wie in den meisten Apotheken, nur mit Anmeldung. Am Mittwoch hatte Hertleins Internetseite, die sonst rund 100 bis 120 Aufrufe am Tag hat, 900 Aufrufe.

Hertlein hat das Angebot schon erweitert, fünf Stunden am Tag wurden jetzt Abstriche genommen, nächste Woche soll es noch mal etwas mehr sein. Zugute komme ihr, dass sie seit Mai durchgehend Schnelltests anbot und ihre Tester ihre Zeiten aufstocken konnten. Geplant wird in der Bavaria-Apotheke nur eine Woche im Voraus, denn: "Wer weiß, was der Regierung noch einfällt." Die Ungewissheit, wie es weitergeht, macht es auch den anderen Teststellen schwerer, Kapazitäten aufzubauen.

Angesichts der Nachfrage, die explodiert ist, planen Stadt und Landkreis Fürth, das Angebot der kommunalen Teststellen auszubauen, die BRK und AGNF in ihrem Auftrag betreiben. Momentan gibt es drei: in Fürth, Zirndorf und Stein. In den vergangenen beiden Tagen war der Andrang etwa am BRK-Katastrophenschutzzentrum in Atzenhof groß, manche mussten eine halbe oder Dreiviertelstunde warten, bis sie dran kamen. Am Donnerstagabend wurden 370 Tests in vier Stunden gemacht, berichtet Arthur Sieder, Katastrophenschutzbeauftragter des Fürther BRK, auf Nachfrage. Das war doppelt so viel wie vorgesehen, das Personal wurde kurzfristig aufgestockt.

Die kommunalen Teststellen in Stein und Fürth decken die Nachmittags- und Abendstunden ab. Das Personal, um auch vormittags zu testen, habe das BRK nicht, sagt Sieder, der weiß, dass manche ungeimpfte Beschäftigte gerne schon morgens um 6 Uhr den Test für die Arbeit machen würden.

Erst vor wenigen Tagen öffnete das Schnelltestzentrum im BRK-Katastrophenschutzzentrum im Golfpark Atzenhof. Am Donnerstag und Freitag war der Andrang schon enorm. Das Personal wurde aufgestockt.

Erst vor wenigen Tagen öffnete das Schnelltestzentrum im BRK-Katastrophenschutzzentrum im Golfpark Atzenhof. Am Donnerstag und Freitag war der Andrang schon enorm. Das Personal wurde aufgestockt. © NN, NN

Was den Ansturm an diesem Wochenende noch vergrößert: Kleeblatt- und Club-Fans, die am Samstag und Sonntag ins Stadion wollen, brauchen einen Testnachweis. Es gilt 2G plus. In der BRK-Teststelle in Atzenhof spürte man das schon am Freitagabend, der Andrang war enorm. 280 Testungen waren es Sieder zufolge allein in den ersten beiden Stunden. Am Samstagvormittag ging es so weiter, da waren es 302 Abstriche in zwei Stunden.

Vor dem Ronhof stand, wie schon am Freitagabend, am Samstag von 10 bis 14.30 Uhr noch mal ein Testbus bereit. Zunächst hieß es: Ohne Termin geht hier nichts. "Innerhalb von einer Stunde waren alle Termine ausgebucht", sagten Philipp Loebermann und Christian Overweg, Geschäftsführer von infect protect, die seit längerem auch in der Fronmüllerstraße einen Testbus betreiben. Vor Ort konnte dann vor dem Anpfiff doch noch der eine oder andere Kleeblatt-Anhänger spontan dazwischengeschoben werden.

Herbert Scheidel und Regina Albrecht hatten sich ihren Nachweis schon tags zuvor besorgt, auch sie hatten erst erfolglos mehrere Apotheken durchtelefoniert. Als Renter habe er zum Glück die Zeit dafür, erzählt Scheidel. Dass in den Fußballstadien 2G plus gilt, findet er "super". Alles andere wäre nicht sicher, wenn so viele Menschen zusammenkommen, meint er. Umso mehr jetzt, wo die neue Corona-Variante aus Südafrika Sorge bereitet. Es habe sich ja leider gezeigt, dass auch die Geimpften das Virus übertragen können.

Für den Bus in der Fronmüllerstraße sind die Termine bis einschließlich 2. Dezember ausgebucht, hier kann man bisher allerdings auch noch ohne Termin erscheinen. Auf ihrer Internetseite geben die Betreiber einen wertvollen Tipp: "Die aktuell sehr hohe Nachfrage an Schnelltests führt leider zu längeren Wartezeiten. Bitte planen Sie dies mit ein und ziehen sich warm an :)"

Einen aktuellen Überblick über die Teststellen in Fürth finden Sie hier.

Der Artikel wurde um 16:30 Uhr aktualisiert.