Intendanz

Stadttheater Fürth: Wer wird Müllers Nachfolge antreten?

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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12.1.2022, 20:00 Uhr
Hier wird eine Stelle frei: Im Stadttheater räumt Werner Müller Ende 2023 nach dann 33 Dienstjahren den Chefsessel. Bis Juli entscheidet sich, wer am Hallplatz das Ruder übernimmt.

Hier wird eine Stelle frei: Im Stadttheater räumt Werner Müller Ende 2023 nach dann 33 Dienstjahren den Chefsessel. Bis Juli entscheidet sich, wer am Hallplatz das Ruder übernimmt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Gesucht: eine „kreative Persönlichkeit mit umfassenden künstlerischen und organisatorischen Leitungserfahrungen“. Was sie leiten soll? Das Stadttheater. 36 Mitmenschen trauen sich das zu.

Am 31. Dezember endete die Bewerbungsfrist, nun steht fest: Elf Frauen und 25 Männer gehen ins Rennen um die Nachfolge von Werner Müller. Ein Procedere, das nicht nur der neue Kulturreferent Benedikt Döhla (SPD) "aufregend" finden dürfte, denn den letzten Wechsel auf dem Chefsessel der wichtigsten Fürther Kulturinstitution gab es vor sage und schreibe 32 Jahren. In dieser Zeit kamen und gingen drei Päpste, drei Fürther Oberbürgermeister und 21 SpVgg-Trainer. Lauter schiefe Vergleiche, versteht sich; doch im Durchschnitt verweilen, und damit zum ernsten Teil des Themas, Theaterintendantinnen und -intendanten rund sechs Jahre an einem Ort.

Nicht so Werner Müller. Der gebürtige Schweinfurter, aktuell 64 Jahre alt, kam seinerzeit als bundesweit jüngster Theaterchef, als dienstältester geht er, wie mehrfach berichtet, am 31. Dezember 2023. Der oder die Neue tritt am 1. November an, es wird also eine zweimonatige Übergangsphase geben.

Was Döhla, der die Bewerbungs- und Vorstellungsphase koordiniert, im Mail- und Postfach vorfand, stimmt ihn hoffnungsfroh. Viele jüngere Kandidaten mit ausgefeilten Konzepten seien darunter, lässt er sich entlocken, auch Bewerber "mit Fürth-Bezug", also kreative Persönlichkeiten, die das Haus bereits kennen. Hausinterne Bewerbungen gab es nicht.

"Relativ erfreulich"

36, das sei Döhla zufolge "eine erfreuliche Zahl". Eine "relativ erfreuliche Zahl", lässt der amtierende Intendant wissen. War die Resonanz auf die Ausschreibung in überregionalen Medien und Fachzeitschriften im November zunächst sehr verhalten, so habe es zwischen den Jahren einen großen Schub Bewerbungen gegeben. 36? Fürth ist kein Ausreißer, weder nach oben noch nach unten. Im Bereich zwischen 30 und 50 bewegt sich die Bewerber-Anzahl mit Blick auf Theater-Leitungspositionen in aller Regel. Zum Vergleich zwei aktuelle Beispiele: René Heinersdorff, der im Sommer 2023 die Intendanz der Landesbühne Rheinland-Pfalz übernimmt, setzte sich gegen 39 Konkurrentinnen und Konkurrenten durch. Unter 50 Bewerbern machte Regisseur Rudolf Frey das Rennen, zur Spielzeit 23/24 übernimmt er in Bozen.

Derzeit sind Döhla, der im Ausschreibungstext ausdrücklich auf die Fortsetzung des Fürther Drei-Säulen-Modells – Eigenproduktionen, Koproduktionen, Gastspiele – verwies, und seine Mitarbeiterin mit der Detail-Lektüre der Unterlagen befasst. Der Plan des Referenten lautet, "zwischen sechs und neun Bewerber" zu Gesprächen einzuladen, voraussichtlich an drei Terminen zwischen März und Mai. Zu diesen Gesprächen kommen die Mitglieder der Findungskommission zusammen.

Zu den zehn Damen und Herren gehören neben Mitgliedern der städtischen Verwaltungsgremien Döhla und Müller, Kulturamtschefin Gerti Köhn, Stadttheater-Verwaltungschef Thomas Reher sowie Theatervereinschef Peter Hauser. Drei Stadträte von SPD, CSU und Grünen haben beratende Funktion. Der Kandidat, der die deutlichste Mehrheit des Gremiums findet, wird dem Stadtrat vorgeschlagen, der bis Juli seinen Beschluss fassen wird.

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