Vorstoß der Grünen Jugend

Vapiano-Gebäude in Fürth: Eine Chance für Subkultur?

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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11.5.2022, 16:00 Uhr
„Wir sehen das Vapiano-Gebäude als Chance für ein kulturelles Zentrum“, sagen junge Grüne. Dem Investor hingegen steht der Bau im Weg.

„Wir sehen das Vapiano-Gebäude als Chance für ein kulturelles Zentrum“, sagen junge Grüne. Dem Investor hingegen steht der Bau im Weg.

Fürth fehlen Räume und Treffpunkte für junge Menschen: Vier Jahre ist es schon wieder her, dass die "Aktion Protestgarten" sehr öffentlichkeitswirksam auf diesen Missstand aufmerksam machte. Und obwohl die Stadtspitze ihnen sofort Recht gab, obwohl sich die jungen Leute seit 2018 nach Kräften für ihre Anliegen engagieren, sogar den Verein "Soziokultur Fürth" gründeten, wurden bis heute keine Orte gefunden, an denen Musikprobenräume eingerichtet werden können oder das ersehnte selbstverwaltete Zentrum, mit Platz für Sub- und Jugendkultur.

Der historische Lokschuppen an der Stadtgrenze soll in Zukunft zwar soziokulturell genutzt werden – allerdings als Zentrum für alle Generationen. Regelmäßige Veranstaltungen bis in die Nacht, wie es sich die jungen Fürther wünschen, hält die Stadt hier nicht für möglich. Sie fürchtet Lärmbeschwerden der Anwohner.

"Fürth wird zu wenig von subkulturellen Räumen geprägt"

Die Abrisspläne für das verwaiste Vapiano-Gebäude an der A73 nimmt die Grüne Jugend (GJ) Fürth, Jugendorganisation der Grünen, nun zum Anlass, das Problem wieder in den Fokus zu rücken: "Fürth wird zu wenig von subkulturellen Räumen geprägt", heißt es in einer Pressemitteilung. Selbstverwaltete Zentren, die Raum für Ausstellungen, Konzerte, Partys, Vereine bieten, seien dringend nötig.

"Junge Menschen in Fürth zieht es in die Nachbarstädte", sagt GJ-Sprecher Moritz Tauer. Um dem entgegenzuwirken, brauche es Räume, wo sie zusammen "feiern und wirken können", auch ohne "Konsumzwang". Die Möglichkeit, sich zu treffen, Kultur zu leben, ohne dass man etwas zahlen muss, sei "sozial wesentlich für eine lebenswerte Stadt".

Die Grüne Jugend drängt darauf, das Augenmerk auf freigewordene Bauten zu legen: "Berichte über einen geplanten Abriss des nun länger leerstehenden Vapiano-Gebäudes zeigen, dass Forderungen nach kulturell sinnvoll genutzten Räumen wieder lauter werden müssen." Der Bau habe das Potenzial, ein Zentrum für junge Menschen zu werden.

Die Nürnberger Ecoloft Gruppe, der das Grundstück gehört, hat derweil andere Pläne. Sie will Wohnungen und eine Kita errichten. Die Aussicht, dass hier ein Hochhaus mit 17 Stockwerken entstehen könnte, hat die benachbarte historische Kriegerheimsiedlung schon in Sorge versetzt.

"Da ist einiges vorstellbar"

Das Vapiano-Gebäude, erst vor sieben Jahren nach den Entwürfen des preisgekrönten Südtiroler Architekten Matteo Thun errichtet, soll der neuen Bebauung weichen. Zunächst stand ein Abriss im Raum, was bei der Stadt und parteiübergreifend in der Lokalpolitik Bedauern auslöste. Inzwischen denkt Ecoloft darüber nach, den Glasbau ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Ein Unternehmen aus Franken zeigte offenbar Interesse.

Die Grüne Jugend hat die Stadtratsfraktion der Grünen an ihrer Seite: "Ein Gebäude dieser architektonischen Qualität, das an dieser Stelle auch entscheidend das Stadtbild prägt, sollte nicht leichtfertig für einen weiteren beliebigen Wohnblock geopfert werden", betont die Fraktion auf ihrer Internetseite. "Ob Begegnungsstätte, Jugendzentrum, Ateliers, Treffpunkt für Jung und Alt – an dieser Stelle ist Einiges vorstellbar." Genauso wie in der denkmalgeschützten Essigfabrik an der Erlanger Straße, die der Besitzer verfallen ließ.

Da beide Immobilien nicht der Stadt gehören, ist ihr Einfluss begrenzt. Die Grünen aber beklagen etwas Grundsätzliches: "Vorausschauende und nachhaltige Stadtentwicklung ist in Fürth immer noch alles andere als selbstverständlich." Stadtrat Felix Geismann: "Stadt – das ist mehr als ein Haufen von Häusern mit Schlafplätzen. Bei allem berechtigten Interesse an günstigem Wohnraum müssten auch Objekte erhalten und geschaffen werden, die eine kulturelle, kleingewerbliche und soziale Infrastruktur ermöglichen, die mit dem Wachstum unserer Stadt Schritt hält."

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