Auch Stoffwindeln boomen

Gesund und im Trend: Das Baby in der Tragejacke

31.8.2021, 17:38 Uhr
Sylvia Galster vom Geschäft

Sylvia Galster vom Geschäft "Wundervoller Start" in Fürth zeigt anhand einer Puppe, wie ein Baby unter einer erweiterbaren Jacke getragen werden kann. © Hans-Joachim Winckler

Wer mit Kind vor dem Bauch bei Wind und Wetter vor die Tür will, braucht eine Jacke. Doch mit Baby in der Tragehilfe passt keine so richtig. Und da kommt "Mamalila" ins Spiel. Das Label steht für Kleidungsstücke – in erster Linie Jacken –, die sich nach Belieben erweitern lassen. Dank mitgelieferter Einsätze, die mit Reißverschlüssen oder Knöpfen eingefügt werden, bieten sie genügend Platz für den Babybauch und später für Säugling und Kleinkind. Sie lassen sich nach Belieben vorne oder hinten unter der Jacke tragen.

Für die Kleidungsstücke des Altdorfer Familienunternehmens Mamalila muss etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Das zahlt sich allerdings nach den Worten von Firmengründerin Vicky Marx aus, denn dasselbe Kleidungsstück begleite die junge Mutter als schicke Umstandsjacke, als funktionale Trage- und als modische Lieblingsjacke über lange Zeit.

Auch für Männer

Die Inhaberin des Baby- und Kinderfachgeschäftes "Wundervoller Start" in Fürth, Sylvia Galster, führt vor, wie einfach es ist, das Kind auch auf dem Rücken geschützt und komfortabel zu tragen. Unter der Falte im Rückenteil der Tragejacke verbirgt sich ein stabiler langer Reißverschluss. Galster zieht ihn auf und zippt mit wenigen Handgriffen den Babyeinsatz ein. Dann setzt sie eine Puppe in die Trage, fixiert die Gurte am eigenen Körper, wirft die Jacke über, wobei der Kopf des Kindes, sprich der Puppe, automatisch durch die Öffnung rutscht, zieht den Reißverschluss ab Halsausschnitt ein Stück nach unten: fertig.

In der Mamalila Kollektion (neuerdings gibt es auch eine Tragejacke für den Mann) findet sich für jede Jahreszeit und jedes Wetter ein geeignetes Modell. Bei der Auswahl der Materialien achtet Marx auf Bioqualität, Wiederverwertbarkeit und darauf, dass sie umweltfreundlich, hautverträglich und absolut giftfrei sind.

Stoffwindeln sparen sogar Geld

Sein Kind am Körper zu tragen, ist nicht nur angesagt, es empfiehlt sich auch aus medizinischer Sicht. Die geringe Schwerkraftbelastung des kindlichen Schädels beugt der Abplattung des Hinterkopfes vor und verringert das Risiko einer Fehlstellung der Hüftgelenkpfanne (Hüftdysplasie).

Neben dem Tragen des Kindes erfährt auch das Wickeln mit Stoffwindeln eine Renaissance. Mit den Mullwindeln von einst, den einfach gewebten, unhandlichen 80 mal 80 Zentimeter großen Tüchern aus Baumwolle, haben die heutigen Stoffwindeln nur so viel gemein: sie sind wasch- und wiederverwendbar. "Damit zu wickeln ist einfacher als man denkt", betont Martina Frisch.

Stoffwindeln sind genaugenommen ein System bestehend aus Überhose, Saugeinlage und Windelhöschen, und die gilt es, an den Babypo zu bringen. Frisch beschäftigt sich seit 2004 mit dem Thema "Windeln". In ihrem Babyladen in Erlangen stapeln sich Stoffwindeln unterschiedlicher Designs und Materialien.

Die Erstausstattung schlägt je nach Stückzahl mit 350 Euro und mehr zu Buche. Bedürftige Eltern könnten unter Umständen einen Zuschuss von der Landesstiftung Mutter und Kind erhalten, heißt es beim Jobcenter. So oder so zahlt sich die Investition aus, wenn die Stoffwindeln richtig eingesetzt werden. Im Vergleich zu Wegwerfwindeln lassen sich damit über die gesamte Wickelzeit mehrere hundert Euro sparen. "Stoffwindeln sind so haltbar, dass sie bei den nächsten Kindern verwendet oder weiterverkauft werden können, was auch wieder Geld spart", weiß Frisch.

Nachwuchs wird früher trocken

Ein weiterer Vorteil: Es entsteht kein Müll, und Umwelt und Ressourcen werden geschont. Einwegwindeln machen hingegen geschätzt etwa zehn Prozent des deutschen Restmülls aus. Kompostieren kann man sie nicht. Bis eine Wegwerfwindel verrottet ist, vergehen laut Experten mehrere hundert Jahre.

Aus eigener Erfahrung und vielen Rückmeldungen ihrer Kunden kann Frisch berichten, dass Stoffwindelkinder zum Teil noch ehe sie zwei Jahre alt werden, trocken sind. Das liegt daran, sagt sie, dass die Kleinen bei Stoffwindeln die Nässe spüren können und ihnen der Zusammenhang mit dem Loslassen deutlich schneller bewusst wird.

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