Gesundheitssystem überlastet

Arztpraxen am Limit: Hausärzteverband fordert Sofortmaßnahmen wie bei Corona-Pandemie

Isabel Pogner
Isabel Pogner

Online-Redaktion

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30.12.2022, 11:05 Uhr
Die Wartezimmer der Arztpraxen sind Ende Dezember voll, das medizinische Personal am Limit. 

© Patrick Pleul, NN Die Wartezimmer der Arztpraxen sind Ende Dezember voll, das medizinische Personal am Limit. 

Im Winter 2022 ist Corona nicht mehr die größte Belastung für das Gesundheitssystem. Erreger anderer Atemwegsinfekte halten die Hausärzte und Kliniken auf Trab, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI).

In der letzten Woche des Jahres grassieren in Deutschland mehr Atemwegserkrankungen als in den Vorjahren zum Höhepunkt der Grippewellen. Das erklärt das RKI im Wochenbericht zu respiratorischen Erkrankungen. Über 80 Prozent der Patienten kommen mit Influenza zum Hausarzt, 15 Prozent mit Respiratorischen Synzytialviren (RSV) und aktuell nur fünf Prozent mit SARS-CoV-2. Bei den Kindern nimmt die Zahl der Erkrankten etwas ab, bei alten Menschen steigt sie an.

Generell liegen die Atemwegserkrankungen seit vielen Wochen auf einem hohen Niveau. Um die neun Millionen Menschen leiden zurzeit an einer Atemwegserkrankung - das seien deutlich mehr als in den Vorjahren, erklärt das RKI. An Corona sind aktuell nur bis zu 700.000 Menschen erkrankt. Zusätzlich belasten bakterielle Infektionen der Atemwege das Gesundheitssystem: "Die Zahl von Gruppe-A-Streptokokken-Infektionen und Pneumokokken-Infektionen wird voraussichtlich weiter zunehmen", erklärt das RKI.

Die Rate der Atemwegserkrankungen liegt in Deutschland aktuell deutlich höher als in den Jahren zuvor.

Die Rate der Atemwegserkrankungen liegt in Deutschland aktuell deutlich höher als in den Jahren zuvor. © RKI

Die Mediziner arbeiten am Limit. "Das Arbeitspensum, das die Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Praxisteams derzeit stemmen müssen, ist vergleichbar mit dem während der Hochzeiten der Coronapandemie", sagt Nicola Buhlinger-Göpfarth, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes dem Spiegel. Außerdem gibt es auch beim medizinischen Personal viele krankheitsbedingte Ausfälle. Buhlinger-Göpfarth warnt: "Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten an der Belastungsgrenze."

Der Deutsche Hausärzteverband fordert deshalb "Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung". Die müssten ähnlich aussehen wie die, "die während der Corona-Pandemie von der Politik ergriffen wurden. Wir dürfen jetzt keine Zeit mehr verlieren, sonst wird es immer schwieriger, eine gute Versorgung aufrechtzuerhalten.", sagt Vorsitzender Markus Beier. Das bedeutet: Hausärzte sollen ihren Mehraufwand vergütet bekommen. Außerdem hält der Verband es für unsinnig, dass Eltern ab dem ersten Tag, an dem das Kind krank ist, ein Attest vorzeigen müssen. Das bereite den Ärzten nur zusätzlich Arbeit. Deshalb fordert der Verband: "Es sollte kurzfristig eine Regelung geschaffen werden, die eine Krankmeldung von Kindern ohne ärztliches Attest für mindestens drei Tage ermöglicht." Zudem sollte es wieder telefonische Krankschreibungen geben, fordert der Verband.