Erlanger Oberärztin erklärt

Licht und laute Geräusche: Warum das bei Migräne eine Qual ist

Birgit Heinrich, magazin@vnp.de
Birgit Heinrich

Magazin am Wochenende

E-Mail zur Autorenseite

13.5.2022, 17:00 Uhr
Jede vierte Frau zwischen 30 und 40 Jahren leidet unter Migräne-Attacken.

© Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa Jede vierte Frau zwischen 30 und 40 Jahren leidet unter Migräne-Attacken.

Eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und auch Gerüchen ist eine typische Begleiterscheinung bei einer Migräne. Um dies erklären zu können, muss man die Verarbeitung von Reizen in den Sinnesorganen und dem Gehirn und auch die Veränderungen im Gehirn während einer Migräneattacke genauer betrachten.

Sinneseindrücke wie Sehen, Hören und Riechen entstehen im Zusammenspiel von Sinnesorgan und Gehirn. Lichtreize werden zum Beispiel über das Auge aufgenommen und dann über spezialisierte Nervenbahnen an die für das visuelle System zugehörige Hirnrinde des Gehirns weitergeleitet, wo letztendlich der Sinneseindruck "Sehen" entsteht. In ähnlicher Weise werden auch alle anderen Sinneseindrücke verarbeitet.

Frau Dr. Britta Fraunberger, Oberärztin des Schmerzzentrums des Universitätsklinikums Erlangen

Frau Dr. Britta Fraunberger, Oberärztin des Schmerzzentrums des Universitätsklinikums Erlangen © Michael Rabenstein/Uni Erlangen

Bei der Migräne handelt es sich um eine genetische, komplexe Funktionsstörung des Gehirns, die attackenförmig über Stunden bis hin zu einigen Tagen auftritt. Dabei wird von den genetisch veränderten Nervenzellen spontan der Impuls für eine Entzündung ausgelöst. Im Folgenden kommt es dann zu entzündlichen Veränderungen an den Gehirngefäßen, den Hirnhäuten und den kleinen Nervenfasern im Kopf und an der Gesichtshaut. Auch die Nervenbahnen, die für das Sehen, Hören und Riechen verantwortlich sind, werden von diesem Prozess erfasst.

Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen

Die Betroffenen entwickeln sehr starke Kopfschmerzen, oft Übelkeit und Erbrechen und werden empfindlicher gegenüber Außenreizen. Einige Betroffene erleben bereits im Vorfeld der Migränekopfschmerzen eine sogenannte Aura, bei der es ebenfalls zu Störungen der visuellen Reizverarbeitung im Gehirn kommt. Sie berichten von Sehstörungen in Form von verschwommenem Sehen, Lichtblitzen oder einem deutlich eingeschränkten Blickfeld.

Neben einer medikamentösen Behandlung führen die Betroffenen meist eine Reizabschirmung durch (Rückzug in ein verdunkeltes und ruhiges Zimmer), mit der sie die Migräneattacken gut behandeln können. In einer Untersuchung konnte kürzlich gezeigt werden, dass gedämpftes und rein grünes Licht bei einer Wellenlänge von 530 Nanometern sich sogar lindernd bei Migränekopfschmerzen auswirkte. Eventuell kann diese Beobachtung mittelfristig auch zur Behandlung von Migräne genutzt werden in Form von speziellen Brillen oder Glühbirnen.

Keine Kommentare