Tierische Eifersucht

Sie wollen ein zweites Haustier? Darauf müssen Sie achten!

Volontärin beim Verlag Nürnberger Presse
Jana Vogel

Volontärin Online-Redaktion

E-Mail zur Autorenseite

10.4.2022, 16:20 Uhr
Beim ersten Kennenlernen ist oft eine große Portion Skepsis dabei: Ein kleiner Britischer Langhaar-Kater beäugt einen großen Perser-Kater (Symbolbild).

© imago images/blickwinkel, NNZ Beim ersten Kennenlernen ist oft eine große Portion Skepsis dabei: Ein kleiner Britischer Langhaar-Kater beäugt einen großen Perser-Kater (Symbolbild).

Manchmal geht eine versuchte Familiengründung auch schief. Vor einigen Jahren habe sie einmal ein Paar als Klienten gehabt, die mit ihren jeweiligen Katzen zusammenziehen wollten, erzählt Birgit Kieffer vom Tierpsychologischen Zentrum Fürth. Doch die beiden Tiere hatten sich über Jahre hinweg nur angefeindet. Die eine wohnte oben in der Wohnung, die andere unten, und keine wollte im selben Raum sein wie die andere. Am Ende musste sich die Familie damit arrangieren, dass jede der beiden Katzen ihr eigenes Revier behielt.

Katzen sind keine Einzelgänger

Doch so muss es nicht immer enden. "Es ist eine falsche Interpretation, dass Katzen Einzelgänger sind", meint Birgit Kieffer. Gerade wenn die Besitzer den ganzen Tag auf Arbeit sind, tut es Katzen gut, einen Gefährten zuhause zu haben. Ob aus einem zweiten Haustier aber tatsächlich ein Spielgefährte wird, ist wie beim Menschen oft eine Charakterfrage.

"Es gibt Tiere, die vom Charakter sehr aufgeschlossen sind, und andere, die immer erstmal misstrauisch reagieren", erklärt die Tierpsychologin. Bei Katzen erkenne man das als Halter oft schon, wenn man ein Tier holt und im neuen Zuhause erstmals die Transportbox öffnet. Manche Katzen beginnen sofort mit der Erkundung der Wohnung, andere trauen sich eine Stunde lang nicht aus der Box hervor.

Ein guter Indikator kann auch die Rasse sein. Während es bei der normalen Hauskatze eine Bandbreite an Persönlichkeiten gibt, neigen beispielsweise Siamkatzen oder Bengalen zu einem sehr lebhaften Charakter. Die meisten Maine-Coon und Perserkatzen sind dagegen eher ruhige und gemütliche Tiere mit wenig Interesse an wilden Spielen. "Wenn man zwei so verschiedene Rassen zusammenbringt, geht es gnadenlos schief. Ein Perser wäre mit einer lebhaften Bengalkatze völlig überfordert", sagt Kieffer.

Junges und altes Tier passen oft nicht zusammen

Eine deutlich kleinere Rolle spielt das Geschlecht, zumindest sofern beide Tiere kastriert sind. Einen großen Altersunterschied sollte man dagegen eher vermeiden. "Wenn ich zwei alte Katzen mit 14 oder 15 Jahren habe und eine davon stirbt, tue ich der Überlebenden keinen Gefallen, wenn ich ein junges Tier dazu hole", warnt Tanja Schnabel, Leiterin des Tierheims Nürnberg. Zumeist will das ältere Tier eher seine Ruhe haben, während die junge Katze von Natur aus lebhaft ist und die Welt erkunden will. Eine Möglichkeit könnte dann sein, gleich zwei Kätzchen ins Haus zu holen, die dann miteinander spielen und toben, schlägt Birgit Kieffer vor.

Auch bei Hunden verhält es sich ähnlich. Zwar können und dürfen sie wie Katzen alleine gehalten werden, sind aber natürlicherweise Rudeltiere. Auch als Hundebesitzer sollte man dessen Persönlichkeit gut kennen. Man könne beispielsweise beobachten wie das eigene Tier reagiert, wenn Freunde mit Hund zu Besuch kommen, ob es etwa dem tierischen Gast das eigene Spielzeug anbietet, rät Tanja Schnabel.

"Hunde wollen ihre Ressourcen verteidigen", erklärt die Leiterin des Tierheims Nürnberg. "Dazu gehören ihr Futter und ihr Spielzeug, das kann auch der tolle Platz auf dem Sofa sein, oder eben der Mensch." Darauf solle man unbedingt achten, wenn man zwei zukünftige Familienhunde zum ersten Mal zusammenbringt. Das erste Treffen sollte auf neutralem Grund stattfinden, zum Beispiel beim gemeinsamen Gassigehen. Es sollten nicht zu viele Ressourcen in der Nähe sein und man selbst sollte sich als Besitzer herausnehmen, damit keine Eifersucht entsteht.

Auch Tiere sind eifersüchtig

Denn Neid und Eifersucht sind keine rein menschlichen Emotionen. Auch Katzen und Hunde werden ungern aus ihrer Rolle als Lieblingstier verdrängt. "Gegenüber anderen Tieren zeigen Katzen ihre Eifersucht oft durch aggressives Verhalten und Fauchen", weiß Birgit Kieffer. "Gegenüber Menschen, zum Beispiel dem neuen Lebenspartner, zeigt sich Eifersucht oft in Unsauberkeit. Vorzugsweise pinkeln Katzen ins Bett oder die Wäsche, also dorthin, wo der Partner oft ist."

Selbst wenn man eine charakterlich gut passende Katze auswählt, gibt es keine Garantie, dass das erste Haustier und der Neuling sich mögen. Mit dem richtigen Verhalten in der Gewöhnungsphase kann man aber viele Konflikte entschärfen. "Man sollte das neue Tier zunächst in einen separaten Raum mit eigenem Katzenklo und Spielsachen bringen, damit es sich dort einen Tag lang akklimatisieren kann", rät die Tierpsychologin.

Dann sollte man die beiden Katzen langsam zusammenbringen. Wichtig sei, dass das Ersttier weiter zuerst begrüßt und zuerst gefüttert wird. "Man muss ihm zeigen, dass es die Nummer Eins bleibt", so Kieffer. Wenn die Katze dennoch den Neuzugang anfangs anfaucht, sei das normal. Nur wenn die Tiere aufeinander losgehen, müsse man sofort dazwischen gehen. Als Faustregel gelte: "Spätestens nach einer Woche sollte das Gefauche aufhören."

Gibt es dann noch immer Probleme, sei es ratsam, sich möglichst schnell professionelle Hilfe zu suchen. Manchmal ist auch das nicht genug. Im Tierheim Nürnberg landen regelmäßig Tiere, bei denen das Zusammenleben nicht geklappt hat. Ob das daran lag, dass sich die Tiere nicht mögen, oder ob die Gewöhnung falsch angegangen wurde, sei aber schwer zu beurteilen, erklärt Schnabel.

Und immer wieder führt die tierische Familienzusammenführung auch zu ungeplanten Ergebnissen. "Ich habe ja selbst jahrelang Maine-Coon-Katzen gezüchtet", berichtet Birgit Kieffer schmunzelnd. "Einmal habe ich ein Kätzchen abgegeben an eine Familie, die schon einen Hund und eine Katze hatten. Nach vier Wochen kam der Anruf: Das ist total schief gegangen. Das Kätzchen ist jetzt der beste Freund des Hundes und die Katze ist völlig außen vor."

Wie Hund und Katze

Ob es eine gute Idee ist, Hunde und Katzen zu Gefährten zu machen, darüber streiten sich die Experten. "Hunde und Katzen sprechen eine andere Sprache", erklärt Kieffer. So sei beispielsweise das Schwanzwedeln beim Hund ein Zeichen von Freude, bei der Katze von Angespanntheit und Nervosität – und das könne leicht zu Missverständnissen führen. "Die Tiere müssen lernen, die Sprache des anderen zu verstehen", so die Tierpsychologin. Je jünger sie sich kennenlernen, desto besser funktionieren solche Tierfreundschaften meist.

"Das wird dennoch nie ein Ersatz für einen Partner der gleichen Art sein", warnt Tanja Schnabel. Katzen könnten mit Artgenossen viel besser spielen, als das selbst mit einem vertrauten Hund möglich sei. Ein zweites Haustier der gleichen Art sei daher immer vorzuziehen.