„Welttournee“ mit Strom

Hyundai Ioniq 5: 1100 Kilometer mit dem Elektroauto

22.9.2022, 15:31 Uhr
Hyundai Ioniq 5: Mal schnell nach Kalifornien.

© Hyundai Hyundai Ioniq 5: Mal schnell nach Kalifornien.

Wer würde nicht mal gerne nach Ägypten, Brasilien und Norwegen reisen? Schon denkt man bei einer solchen „Welttournee“ an lange Flugreisen zu mehr oder weniger exotischen Zielen rund um den Globus. Aber Moment mal: Die gesamte Reise in knapp drei Tagen. Wie soll das gehen?

Doch, das klappt - sogar mit dem Auto! Genauer gesagt, mit einem reinen Stromer, dem Hyundai Ioniq 5. Der Clou dabei: Die Zwischenziele mit Namen wie Kalifornien und Brasilien liegen alle im Norden Deutschlands.

Unsere rund 1100 Kilometer lange Fahrt führte über ausgedehnte Etappen, häufig auf Autobahnen, streckenweise über Landstraßen, nur selten unterbrochen von den obligatorischen Stopps an Schnellladesäulen. Das Navigationssystem machte es möglich, die passende Stromsäule entlang der Fahrtroute zu finden. Passt prima, nur wünschen wir uns, dass vom Navi für den angepeilten Ladepunkt auch die Leistung der Säule angegeben wird. Hier müssen geeignete Apps helfen.

Ägypten kann auch in Deutschland auf dem Weg liegen.

Ägypten kann auch in Deutschland auf dem Weg liegen. © Hyundai

Wir starten mit dem Vollzeitelektriker in Frankfurt, konkret mit dem heckgetriebenen Ioniq-Modell, das sich der stärkeren Batterie in der noch aktuellen Ausführung (72,6 kWh) bedient. Auf der ersten, langen Etappe von Frankfurt über Kassel ins Emsland verbraucht der Südkoreaner - zurückhaltend gefahren - nur 16,1 kWh pro 100 Kilometer. Um es klar zu sagen: Unterwegs wollten wir keineswegs zum Verkehrshindernis werden. Für uns sollte es einerseits ein Praxistest sein und keine ausgesprochene Sparfahrt. Andererseits sind "Vollgas"-Fahrten für uns tabu gewesen. Wie sparsam der Ioniq 5 mit dem Strom umgehen kann, zeigt ein anderes Team, das unseren Verbrauch wohl um etwas mehr als zwei kWh unterbot. Unsere Fahrt verläuft durchaus zügig: Für die knapp 500 Kilometer brauchen wir rund fünf Stunden mit zwei kurzen Fahrtunterbrechungen, darunter ein vorsorglicher Halt an einer Schnellladestation.

An der Stromsäule rangieren wir das Heck des E-Autos passend rückwärts. Nun wird das Ladekabel eigentlich recht simpel am Fahrzeug angeschlossen und die Ladekarte an das Bedienfeld der E-Säule gehalten. Autoelektronik und Stromsäule kommunizieren noch ein bisschen und schon geht es los. Mit bis zu 200 kWh Ladeleistung am Charger lädt die Batterie des Ioniq in rund 25 Minuten von etwa 35 Prozent auf gut 80 Prozent. So wird mit der 800-Volt-Technik ähnlich schnell geladen wie bei einem Porsche Taycan. Um auf der sicheren Seite zu sein, haben wir uns als Puffer eine Restkapazität von rund 35 Prozent (statt der empfohlenen 20 Prozent) gesetzt, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Es gibt inzwischen reichlich Ladestationen.

Am ersten Tag, der uns ins Münster- und Emsland führt, legen wir einen Foto-Stopp am Ortschild "Ägypten" ein. Der nächste Tag bringt zunächst über "Norwegen" nach Bremerhaven zum BLG (Bremer Lagerhaus-Gesellschaft) Auto-Terminal, der Übersee-Verladestation. Hyundai und seine Schwestermarke Kia sind dort gute Kunden. Am Nachmittag folgt die Weiterreise vorbei an Bremen und Hamburg bis in die Nähe von Kiel mit Übernachtung nahe Plön. Hier können die Ortschilder von "Brasilien" und "Kalifornien" bestaunt werden. Unterbrochen wird die lange Etappe nur für jeweils etwa 25 Minuten von zwei Ladestopps, darunter an einer Autobahn-Raststätte und einer öffentlichen Power-Station vor der Tür eines Renault-Händlers, der in einem abgelegenen holsteinischen Dorf residiert. Immerhin gilt die französische Marke mit der Raute als Pionier bei der Elektro-Mobilität. Am dritten Abschlusstag geht es zügig über 120 Kilometer nach Hamburg, wo unsere "Welttournee" endet.

Dieses Brasilien hat ein deutsches Ortsschild.

Dieses Brasilien hat ein deutsches Ortsschild. © Hyundai

Mit dem überarbeiteten Modell, das Hyundai in den nächsten Wochen lanciert, wäre die Reise gewiss noch komfortabler abgelaufen. Die Pluspunkte nach dem Update: Die größere Batterie des Ioniq 5 speichert künftig 77,4 statt 72,6 kWh. In Kombination mit dem stärkeren Akku steigt die WLTP-Reichweite der 168 kW/229 PS-Version (ab 47.900 Euro) mit Heckantrieb und 19-Zoll-Rädern auf knapp über 500 Kilometer, was einem Plus von fünf Prozent entspricht. Die Leistung im Topmodell wird auf stolze 239 kW/325 PS angehoben, ein Plus von sieben Prozent. Den Stromverbrauch dieses Modells mit zwei E-Motoren und Allradantrieb gibt Hyundai mit 17,9 bis 19,2 kWh/100 km an. Es wird umfangreich ausgestattet ab 59.200 Euro angeboten. Das Einstiegsmodell mit kleiner Batterie und nur einem Elektromotor, der 125 kW/170 PS leistet (Stromverbrauch: kombiniert 16,7 kWh/100 km), steht ab 43.900 Euro in der Preisliste. Jürgen Keller, Hyundai-Geschäftsführer Deutschland, verspricht die Lieferung ohne Wartezeit, wenn ein vorkonfiguriertes Fahrzeug gewählt wird.

Nicht nur die Leistung des "E-CUV“ verbessert sich, sondern auch die Ausstattung: Optimiert wird die Federungs- und Dämpfungsabstimmung, um den Fahrkomfort zu erhöhen. Das Batterieheizsystem, das die Akkus vor dem Schnellladen auf die optimale Temperatur bringt, ist jetzt serienmäßig an Bord. Zum Aufpreis von 1300 Euro lassen sich kamerabasierte Außenspiegel ordern, die den Luftwiderstand verringern sollen. Ein erweitertes Assistenzpaket für Autobahnfahrt und die Notbremsfunktion an Kreuzungen steht für 1000 Euro parat. Sogar Strom ins Netz einspeisen zur Versorgung eines Haushalts kann der Ioniq 5 oder – das hat er uns demonstriert - abends zur Außenbeleuchtung mittels Lichterkette dienen. Nicht zuletzt sprechen die umfangreichen Garantien auf Fahrzeug und Hochvoltbatterie (jeweils acht Jahre) für den Hyundai-Stromer.

Norwegen ist nicht fern.

Norwegen ist nicht fern. © Hyundai

2023 kommt ergänzend zum Ioniq 5 der Ioniq 6 auf den Markt, eine Limousine mit coupéartigem Dach, einem cw-Wert von 0,21 und einer Reichweite von rund 600 Kilometern. Auch ein großes Luxus-SUV namens Ioniq 7 wird unter dem Label der neuen Hyundai-Submarke „Ioniq“ folgen.

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