Bis zu 350 Euro Jahresprämie

THG-Quote: Geld verdienen mit dem Elektroauto

Ulla Ellmer

E-Mail

26.12.2021, 18:42 Uhr
Auch die Besitzer von Elektroautos können sich ihre CO2-Ersparnis zertifizieren lassen und weiterverkaufen.

© ampnet/Bosch Auch die Besitzer von Elektroautos können sich ihre CO2-Ersparnis zertifizieren lassen und weiterverkaufen.

THG: Was steckt dahinter?

Ausformuliert stehen die drei Buchstaben für „Treibhausgas“. Am 25. Mai hat der Bundestag das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgas-Minderungsquote“ beschlossen. Es verpflichtet die Kraftstoffanbieter dazu, die CO2-Emissionen durch Otto- und Dieselkraftstoffe bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent zu senken. Dies soll in verschiedenen Schritten erfolgen.

Was ist das Ziel?

Die verkehrsbedingten CO2-Emissionen zu reduzieren. Klimaschonende Antriebe wie Elektromobilität sollen gefördert werden, gleichzeitig will man den Aufbau von Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff und Biokraftstoffe (synthetische e-Fuels) forcieren.

Wie soll das erreicht werden?

Zunächst, indem die Mineralölunternehmen dazu verpflichtet werden, nurmehr eine bestimmte Menge CO2 zu emittieren. Überschreiten sie dieses Limit, müssen sie für jede nicht eingesparte Tonne CO2 eine Strafzahlung leisten. Diese Strafzahlungen, so das Kalkül des Gesetzgebers, werden auf den Kraftstoffpreis umgelegt, der somit steigt – bis der Endverbraucher irgendwann auf eine alternative und kostentechnisch attraktivere Antriebsform umsteigt.

Wie kommt der THG-Quotenhandel ins Spiel?

Mineralölunternehmen, die ihre Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) nicht erfüllen, können Strafzahlungen umgehen, indem sie Emissionsrechte von Dritten erwerben. Ab 2022 dürfen auch die Besitzer von Elektroautos solche Zertifikate verkaufen. Das soll ihnen einen zusätzlichen Anreiz geben, zur Elektromobilität zu wechseln.

Welche Fahrzeughalter können THG-Quoten verkaufen?

Nur die von rein batterieelektrischen Autos (BEVs). Hybride, Plug-in-Hybride und mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenmodelle fallen nicht unter die Regelung.

Das Fahrzeug kann gekauft, finanziert oder geleast sein. Der Zertifikate-Verkäufer muss allerdings als Halter im Fahrzeugschein stehen. Und: Auch wer eine Ladestation (Wallbox) betreibt, darf THG-Quoten verkaufen.

Muss der Strom grün sein?

Nein. Ob das E-Auto mit „grünem“ oder konventionell erzeugtem Strom betankt wird, ist für die Teilnahme am THG-Quotenhandel unerheblich.

An wen wird verkauft?

Letztlich sind zwar Mineralölunternehmen oder Betreiber großer Kohlekraftwerke die Abnehmer der THG-Quoten. Weil sich Aral, Shell & Co. aber nicht dem Klein-Klein zigfacher Vertragsverhandlungen aussetzen wollen, treten Vermittler auf den Plan. Sie kaufen den Elektroauto-Besitzern ihre Quotenscheine ab, bündeln sie und verkaufen sie dann „en gros“ an die großen Unternehmen weiter. Finden lassen sich solche Vermittlungsplattformen im Internet, sie heißen beispielsweise Carbonify, Emobia, Maingau Energie, Smartificate oder The Mobility House, auch die N-Ergie fungiert als Partner.

Was muss der Verkäufer tun?

Die Anmeldung auf einer der Plattformen erfolgt unter Angabe des Namens, der Anschrift und der Kontodaten. Ergänzend ist ein Scan oder Foto des Fahrzeugscheins (Zulassungsbescheinigung Teil I) nötig.

Wie viel lässt sich verdienen?

Der Erlös aus dem Verkauf der THG-Quoten wird als Jahresprämie ausbezahlt, vorher zieht der Vermittler eine Provision ab. Die Höhe der verdienten Summe ist marktabhängig, wird also von Angebot und Nachfrage bestimmt. Eine Vorhersage ist deshalb nicht ganz einfach zu treffen. Fachleute gehen von Beträgen zwischen rund 75 und 350 Euro aus – „Tendenz steigend“, wie der Auto Club Europa (ACE) prognostiziert.

Keine Kommentare