Coupé-Crossover auf Polo-Basis

VW Taigo: Der schräge Bruder des T-Cross im Fahrbericht

Ulla Ellmer

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16.9.2022, 19:50 Uhr
Wie der T-Cross wird auch der Taigo im spanischen Pamplona gebaut.

© Hersteller Wie der T-Cross wird auch der Taigo im spanischen Pamplona gebaut.

Wie er aussieht:

Der Anfangsbuchstabe gibt schon vor, welche Ecke des VW-Programms der Taigo bewohnt. Die der SUVs nämlich, die sonst noch Touareg, Tiguan, T-Roc und T-Cross heißen. Der T-Cross ist das kleinste Mitglied der T-Truppe, und der Taigo sein Coupé-Gefährte. Abgeleitet wurde das Duo vom Polo und basiert somit auf Volkswagens Kleinwagen-Plattform MQB-A0.

So viel zur familiären Situation. Wie alle VW-Modelle orientiert sich auch der Taigo optisch an einer sachlichen Kleiderordnung, jeglicher überflüssige Schnickschnack geht ihm ab, und genau das lässt ihn so wohlgeraten erscheinen. Den schrägen Rücken zieren ein schicker Spoiler, ein durchgehendes Leuchtenband sowie ein angedeuteter Unterfahrschutz, dazu gibt es rundum dezente dunkle Beplankungen.

Das Maßband zeigt 4,27 Meter an, das sind nicht unerhebliche 11 Längenzentimeter mehr als beim T-Cross und gleich 20 Zentimeter mehr als beim Polo.

Wie er eingerichtet ist:

Auch das Innenleben folgt der VW-typischen sachlichen Klarheit. Die Fahrinfos rückt ein großes Instrumentendisplay ins Blickfeld, fürs Multimediale oder die Bildgebung der scharfäugigen Rückfahrkamera (280 Euro) ist ein Touchscreen zuständig, auf dem Multifunktionslenkrad versammelt sich ein Ensemble gut zu bedienender Tasterchen, beispielsweise für die Konfiguration des Instrumentenlayouts, den Travel Assist (mehr dazu später) oder die Lautstärke. Letzteres Angebot nimmt man deshalb oft und gern in Anspruch, weil es zumindest beim Top-Infotainment keinen entsprechenden Drehknopf gibt und die Bedienung via Touchscreen nicht wirklich glücklich macht. Gleiches gilt für den Umgang mit der kleinen Klimatisierungs-Bedieneinheit – sie sieht zwar schick aus, aber eine ideale Lösung sind die fummeligen Slider nicht. Ein Head-up-Display bietet der Konfigurator nicht an.

Die Cockpitgestaltung orientiert sich an der des Polo.

Die Cockpitgestaltung orientiert sich an der des Polo. © Hersteller

Lob vergeben wir für die hellhörige und reaktionsschnelle Sprachassistenz, die kabellose Smartphone-Anbindung, die großen und bequemen Sitze sowie die tadellose Verarbeitung. Allerdings beherrscht verhältnismäßig viel Hartplastik den Innenraum - Abzug in der B-Note.

Wie viel Platz er hat:

Normalerweise muss die schöne Schräge der Coupé-Derivate mit Abstrichen in Sachen Raum bezahlt werden. Beim Taigo ist das nicht so. Trotz der abfallenden Dachlinie bleibt erstaunlich viel Luft über den Häuptern der drei Fond-Passagiere, auch an Beinfreiheit gebricht es ihnen nicht, und das 440 Liter große Gepäckabteil besitzt eine Größe, hinter der der T-Cross mit seinen 358 Litern zurückstehen muss. Anders sieht es beim maximal nutzbaren Wert aus, hier hat der T-Cross mit 1281 Litern (Taigo 1222 Liter) die Nase vorn, was seiner verschiebbaren Rückbank zu danken ist. Dem Taigo bleibt das variable Sitzmöbel verwehrt, ebenso wie die umklappbare Beifahrersitzlehne des Bruders. Eine elektrische Heckklappe gibt es für keinen der beiden.

Gut gefallen haben uns die vielen praktischen Ablagen, die Seitenfächer in den Türen müssen auch vor größeren Wassergebinden nicht kapitulieren.

Was ihn antreibt:

Ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 110 kW/150 PS, der seine Antriebskräfte grundsätzlich über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) an die Vorderräder weiterreicht. Das ist der Top-Antrieb im Taigo-Programm. Alternativ gibt es einen Einliter-Dreizylinder mit 70 kW/95 PS oder 81 kW/110 PS, der dann auch handgeschaltet zum Verkauf steht. Allradantrieb wird nicht angeboten.

Der Taigo ist immer als Fronttriebler unterwegs, mit Allradantrieb wird er nicht angeboten.

Der Taigo ist immer als Fronttriebler unterwegs, mit Allradantrieb wird er nicht angeboten. © Hersteller

Die Vokabel „Hybrid“ benötigen wir in unserem Fahrbericht nicht. Denn wie Polo und T-Cross fährt auch der Taigo gänzlich unelektrifiziert durchs Leben, der MQB-A0-Baukasten lässt nichts anderes zu. Dass sich beim 1,5 TSI im Teillastbereich zwei der vier Zylinder abschalten, muss als Spartechnik genügen.

Wie er sich fährt:

So, wie es sich für einen VW gehört. Nach Art des Hauses unproblematisch also, stets bestens beherrschbar und immer dieses gewisse Easy-Going-Gefühl vermittelnd, das nichts mit Larifari-Leichtigkeit zu tun hat, sondern einfach mit mühelosem und stressbefreitem Vorankommen. Ebenso sauber wie solide zieht der Taigo durch die Kurven und federt dabei fürsorglich. Wir empfehlen, den „Travel-Assist“ als Begleitung zu verpflichten, er hält Spur, Abstand und Geschwindigkeit, berücksichtigt dabei verlässlich Tempolimits und bremst am Ortseingang automatisch auf Innerortsgeschwindigkeit ab.

Ausreichend flott ist man mit dem kultivierten Turbo-Benziner unterwegs, insgesamt haben wir ihn als gelassen-souveräne und angenehm leise Antriebsquelle empfunden, die sich erst bei höherem Tempo eine kernigere Tonalität gestattet. Das DSG wechselt die Gänge ebenso aufmerksam wie diskret. Beim Anfahren auf nasser Fahrbahn kommt es allerdings vor, dass die Vorderräder etwas hilflos um Traktion ringen.

Was er verbraucht:

Die Werksangabe nennt optimistische 6,1 l/100 km. Ja, das geht, aber nur unter ziemlicher Mäßigung. Unser Schnitt lag bei 7,1 l/100 km, wobei wir den Taigo sogar überwiegend im Eco-Modus bewegt haben. Das Adjektiv „sparsam“ wollen wir da nicht in die Tastatur tippen.

Was er bietet:

Den 110 kW/150-PS-Vierzylinder gibt es ab zweitem Ausstattungslevel „Life“. Zum serienmäßigen Lieferumfang zählen unter anderem Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, Digital-Cockpit, Klimaanlage, Center-Airbag zwischen den Vordersitzen und Leichtmetallräder. Uns hat VW den Taigo als sportliches Topmodelle „R-Line“ geschickt, das unter anderem schmucke Aluräder in Galvano-Grau, Sitzheizung sowie das fabelhafte LED-Matrix-Licht mit dynamischer Fernlichtregulierung mitbringt.

Zwischen 30 und 210 km/h übernimmt der optionale "Travel Assist" das Lenken, Bremsen und Beschleunigen.

Zwischen 30 und 210 km/h übernimmt der optionale "Travel Assist" das Lenken, Bremsen und Beschleunigen. © Hersteller

Was er kostet:

Ab 29.275 Euro, der vergleichbar motorisierte und ausgestattete T-Cross kostet 35 Euro weniger. Unser Testwagen im R-Line-Trimm kam auf einen Grundpreis von 33.045 Euro. Zutaten wie Fahrprofilauswahl und elektronische Differenzialsperre, Travel-Assist, Fahrassistenzpaket, Soundsystem „beatsAudio“ oder das große Navi „Discover Pro“ ergaben einen selbstbewussten Preis von rund 39.000 Euro.

Was wir meinen:

Der VW Taigo ist ein erfreulich anzusehendes, geräumiges und fahrtechnisch ebenso solides wie souveränes SUV-Coupé, das sich als schöne Alternative zum T-Cross empfiehlt. Abgesehen von einigen Bedienschwächen ist nur der nicht eben niedrige Verbrauch als kritikwürdig einzustufen.

Die Daten des VW Taigo 1.5 TSI

Antrieb Ottomotor, Frontantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG

Hubraum 1498 ccm

Zylinder 4

Leistung 110 kW/150 PS

max. Drehmoment 250 Nm bei 1500 - 3500/min

Höchstgeschwindigkeit 212 km/h

Beschleunigung 0 - 100 km/h 8,3 sec

Normverbrauch WLTP 4,5 – 4,8 l S/100 km

Testverbrauch 6,1 l S/100 km

CO2-Emission 138 g/km

Schadstoffnorm Euro 6d-ISC-FCM

Energie-Effizienzklasse B

Länge 4,27 m

Breite 1,76 m ohne, 2,00 m mit Außenspiegeln

Höhe 1,52 m

Sitzplätze 5

Gepäckraum 440 bis 1220 l

Kraftstoff-Tank 40 l

Leergewicht 1298 kg

zulässiges Gesamtgewicht 1750 kg

Anhängelast 1200 kg (gebremst), 640 kg (ungebremst)

Stützlast/Dachlast 55 kg/75 kg

Versicherungs-Typklassen 12 (KH), 17 (TK), 18 (VK)

Preis ab 29.275 Euro

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