Ihr Anspruch auf Entschädigung verfällt

600 Euro wegen Unwissenheit verschenkt: Holen Sie sich Ihr Geld von den Flugchaos-Airlines

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

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29.7.2022, 09:27 Uhr
 Check In Schalter in Terminal 2 - Der Flughafen Köln Bonn Airport Konrad Adenauer in Tagen des Flugchaos aufgrund von Engpässen in der Gepäckabfertigung 29.06.2022 Köln Wahn NRW Deutschland *** Check In Counter in Terminal 2 Cologne Bonn Airport Konrad Adenauer in days of flight chaos due to bottlenecks in baggage handling 29 06 2022 Cologne Wahn NRW Germany

© IMAGO/MARC JOHN, IMAGO/Marc John Check In Schalter in Terminal 2 - Der Flughafen Köln Bonn Airport Konrad Adenauer in Tagen des Flugchaos aufgrund von Engpässen in der Gepäckabfertigung 29.06.2022 Köln Wahn NRW Deutschland *** Check In Counter in Terminal 2 Cologne Bonn Airport Konrad Adenauer in days of flight chaos due to bottlenecks in baggage handling 29 06 2022 Cologne Wahn NRW Germany

Eine Umfrage, die das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Flightright Ende Juni 2022 unter 2047 Flugreisenden durchführte, ergab erschreckende Zahlen: Etwa zwei Drittel der Flugreisenden wissen nicht, dass Ihnen laut EU-Verordnung unabhängig vom Ticketpreis bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden oder einem Flugausfall eine Entschädigung von 250 bis 600 € von der Airline zustehen kann, wenn diese die Schuld trägt. Unwissenheit kann Sie also bares Geld kosten.

Sollte Ihr Flug ausfallen, haben Sie nämlich grundsätzlich immer einen Anspruch auf wahlweise Ticketrückerstattung oder eine Ersatzbeförderung, die ihnen die Airline anbieten muss. Kommen Passagiere mehr als drei Stunden später an ihr Ziel, können sie bis zu 600 Euro an Entschädigung von der Fluggesellschaft verlangen. Wird ihr Flieger direkt gestrichen, können sie ebenfalls einen Anspruch auf eine Entschädigung bis zu 600 Euro haben, wenn die Airline Flugreisende weniger als 14 Tage vor dem Abflug über die Annullierung informiert.

Insbesondere viele Flugreisende, die schon einmal von Flugverspätung von mehr als drei Stunden betroffen waren, scheint das gar nicht bewusst zu sein. So gaben fast die Hälfte der Befragten (48 %) an, keine Entschädigung gegenüber der Airline geltend gemacht zu haben.

Claudia Brosche, Fluggastrechtsexpertin bei Flightright, sagt: "Bei den Informationen über die Fluggastrechte besteht noch viel Aufholbedarf. Wir sehen da auch die Airlines in der Pflicht, diese Informationen mit den Flugreisenden zu teilen, anstatt diese zu verschleiern und das berechtigte Geld der Passagier:innen einzubehalten. Es kann nicht sein, dass trotz geltendem Recht die Airlines die Fluggastrechte verheimlichen. Die Airlines sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Flugreisenden über ihre Rechte zu informieren. Meist verstecken sie diese Informationen aber im Kleingedruckten oder klären gar nicht erst auf."

600 Euro Entschädigung, auch bei Tickets, die nur eine Euro gekostet haben

Auch bei Flugreisenden, die schon von einem Flugausfall oder Überbuchung betroffen waren, lassen mehr als ein Drittel (35 %) ihre Entschädigung und Rechte verfallen, schreibt Flightright-Expertin Brosche: "Die Umfrage zeigt sehr deutlich, dass viele Flugreisende ihre Rechte gegenüber den Airlines nicht geltend machen. Dabei sind besonders in diesem Chaos-Sommer viele Passagiere von Verspätungen und Flugausfällen betroffen. Vielen Flugreisenden ist nicht klar, dass der Anspruch auf bis zu 600 Euro Entschädigung auch dann besteht, wenn das Flugticket nur 1 Euro gekostet hat. Sich für seine Rechte einzusetzen, lohnt sich also auf jeden Fall", erklärt Brosche weiter.

"Viele Flugreisende kennen ihre Rechte nicht. So ist vielen zum Beispiel auch nicht bewusst, dass man sich im Falle eines Flugausfalls selbst ein Ticket kaufen und die neuen Ticketkosten von der Airline erstatten lassen kann, wenn die Airline keine Alternative anbietet. Wir verstehen den Ärger der Passagier:innen über die Airlines und zerplatzte Urlaubsträume nur zu gut und geben ihnen mit der Durchsetzung der Kosten des neuen, deutlich teureren Tickets die Sicherheit nach einem entspannten Sommerurlaub zurück", so Brosche abschließend.

"Flugärger": Mit App kostenlos Entschädigung berechnen

Die Flugärger-App der Verbraucherzentrale ist ein super Selbsthilfe-Tool, um Ansprüche bequem und kostenlos zu berechnen und bei der Airline geltend zu machen. Zur App heißt es: "Die Datenbank enthält alle weltweiten Flugverbindungen ab dem 1.5.2019, so dass die Flugdaten auf Basis der Flugnummer und des Datums automatisch ergänzt werden. Natürlich ist auch eine manuelle Eingabe der erforderlichen Flugdaten möglich."

Die Flugärger-App erledigt für Sie ganz flott und kostenlos die Forderung auf Schadenersatz. 

Die Flugärger-App erledigt für Sie ganz flott und kostenlos die Forderung auf Schadenersatz.  © dpa

Die App erzeugt ein Anschreiben, das die Nutzer per Mail oder Post versenden können. Automatisch öffnet sich das Mailprogramm des Nutzers mit dem Forderungstext und allen persönlichen Angaben. Es ist bereits an die Airline adressiert und muss nur noch abgeschickt werden. Alternativ lässt sich ein PDF erzeugen, um einen Brief an die Airline zu senden.

Wenn die Airline die Forderungen aus dem Anschreiben ablehnt oder nicht fristgemäß reagiert, kann der Nutzer sich an die zuständige Schlichtungsstelle wenden. Die App ermittelt automatisch, welche Schlichtungsstelle zuständig ist. Im Fall der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) werden zahlreiche Daten aus der App automatisch in das Formular der söp übernommen, so dass die Nutzer nicht alles doppelt eingeben müssen. Mit Hilfe eines Fristenweckers und einer Historien-Ansicht lässt sich dieser Prozess in der App organisieren.

Auch andere Ticketerstattungs-Services helfen hilft bei ersatzlosen Flugstreichungen, sodass Flugreisende nicht auf den kurzfristig gebuchten, viel höheren Kosten eines Ersatzfluges sitzen bleiben. Verbraucher können zum Beispiel über flightright.de/ticket einfach den alten und neuen Ticketpreis sowie weitere Falldaten eingeben. Sobald alle Daten und die digital übermittelte Unterschrift vorhanden sind, beginnt Flightright mit der Durchsetzung der Ansprüche.

Deutsche halten Flugreisen für unzuverlässig

Über ein Drittel (36 %) der Befragten hat laut Studie angegeben, Flugreisen derzeit für nicht zuverlässig zu halten. Als Gründe dafür nennen mit 26 Prozent die meisten der Befragten Flugausfälle oder Umbuchungen auf einen anderen Tag. 24 Prozent sehen die jetzigen Personalprobleme bei Airlines und Flughäfen als Grund für die Unzuverlässigkeit und 14 Prozent Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen als Ursache. Für neun Prozent ist das generelle Chaos an Flughäfen das Problem.

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