Ältestes Gestüt der Welt

Urlaub für Pferdefans: Hier können Sie Dressurreiten wie bei Olympia

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

E-Mail zur Autorenseite

12.12.2021, 13:34 Uhr
Donnernde Hufe: Bei der

Donnernde Hufe: Bei der "eguada" verlassen die Stuten mit ihren Fohlen den Stall und laufen gemeinsam auf die Weide. © Eva Orttenburger

Schwungvoll und leichtfüßig trabt Caramello durch die Reithalle. Er kaut auf dem Gebiss und schnaubt entspannt, während mir der Schweiß den Rücken hinunterläuft. "Kürzere Zügel, inneres Bein, Oberkörper zurück", ruft Olympiateilnehmer Duarte Nogueira. Der Reitlehrer möchte das Beste aus mir und seinem Pferd herausholen.

Caramello ist ein 14-jähriger Lusitano-Hengst, sozusagen der Ferrari unter den Reitpferden. Er kostet 250.000 Euro und beherrscht alle Lektionen der schweren Klasse S in der Dressur. Zudem hat er eine reinrassige Abstammung für die Zucht. Ich bin eher Mittelklasse, reite zu Hause eine 20-jährige Stute, deren liebevoller Spitzname "Dicke" ist. Caramello dagegen ist eher Typ Adonis.

"Schulter vor, linker Schenkel zurück", lautet die nächste Anweisung, und das Pferd macht tatsächlich eine Traversale (Seitengang). Duarte Nogueira fordert noch mehr. Am Hufschlag angelangt, soll ich das Tempo drosseln und das Gewicht des Hengstes nach hinten verlagern. Die Tritte werden kürzer. Und tatsächlich: Caramello trabt plötzlich auf der Stelle - eine Piaffe, die schwierigste Übung in der Dressur. Das Adrenalin rauscht durch den Körper.

Unvergesslicher Ritt auf einem Top-Dressurpferd

Pferd und Reiter sind in diesem Moment eine Einheit. Caramello hat Vertrauen bekommen und schwebt mühelos weiter, erst Passage, dann starker Trab. Nur fliegen ist schöner. Im Galopp, der schnellsten Gangart, reiten wir noch eine Pirouette. Nach der Stunde sind die Beine wackelig. Der "Ritt mit dem Ferrari" war beeindruckend.

Caramello ist nur einer von über 40 Lusitano-Hengsten auf dem Gestüt "Alter Real" im Alentejo, zwei Autostunden von Lissabon entfernt. Im Jahr 1748 gründete der portugiesische König Dom Joao V. die Pferdezucht auf dem weitläufigen Anwesen, weil er seiner Frau imponieren wollte. Heute leben hier rund 300 Pferde. Sieben Bereiter bilden die Tiere aus, damit sie an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können.

Eine Reitstunde auf dem Gestüt kostet etwa 30 bis 40 Euro - je nach Dauer und Intensität. Auch Anfänger oder Kinder können ihre ersten Schritte auf einem Lusitano an der Longe machen. Hier werden der richtige Sitz und die Hilfengebung erklärt. Wer schon Reiterfahrung mitbringt, darf frei in der Halle reiten unter Aufsicht eines Lehrers. Die Pferde werden immer nach dem jeweiligen Können und Ausbildungsstand des Reiters ausgewählt.

Neben den Hengsten sind auch die Stuten mit ihren Fohlen eine besondere Attraktion auf dem Gestüt. Bei der "eguada" am Nachmittag verlässt die Herde den Stall und galoppiert samt Nachwuchs auf die Weide, wo die Pferde die meiste Zeit verbringen. Sie werden zwar regelmäßig von den vier hauseigenen Tierärzten überwacht, die Haltung ist jedoch sehr natürlich. Es kann passieren, dass am nächsten Tag ein frisches Fohlen, das auf der Weide zur Welt kam, neben seiner Mutter in den Stall läuft.

Auf der rund 800 Hektar großen Anlage gibt es neben dem Gestüt auch eine Landwirtschaftsschule, eine Pferdeklinik mit Labor, eine Falknerei sowie ein Hotel. Das einstige Gutshaus, ein Teil der Ställe sowie das Verwaltungsgebäude beherbergen 77 Zimmer und Suiten sowie einen Spa-Bereich mit Hallenbad und Sauna.

Selbst hier sind Pferdebegriffe omnipräsent. Bei der Satsanga-Anwendung "Ritual Dressage" wird Himalayasalz am ganzen Körper als Peeling aufgetragen. Im Anschluss folgt eine Massage mit weichen Pinseln zur Entspannung nach einer anstrengenden Reiteinheit. Übernachten kann man im Hotel tatsächlich in ehemaligen Pferdeboxen, deren Türen zur Dekoration neben den Eingängen angebracht sind.

Besonderheiten des Alentejo

Im Restaurant "Inevitavel" warten Köstlichkeiten aus der Alentejo-Küche auf hungrige Besucher. Neben Fisch, Oliven und Holzofenbrot wird hauseigener Wein serviert. Das Nationalgericht "Acorda" (Eintopf mit Brot und pochiertem Ei) gibt es in verschiedenen Varianten am Buffet. Besonders schmackhaft sind auch die portugiesischen Nachspeisen: Kleine Kuchen mit allerlei Nüssen oder "Serradura", ein cremiger Pudding.

Redakteurin Eva Orttenburger durfte die teuren Lusitano-Pferde reiten.

Redakteurin Eva Orttenburger durfte die teuren Lusitano-Pferde reiten. © Sonja Reis

Etwa 40 Autominuten von Alter do Chão entfernt liegt das Städtchen Marvao nahe der spanischen Grenze. Hier leben rund 100 Menschen, die meisten seit ihrer Geburt. Die Straßen bestehen aus holprigem Kopfsteinpflaster, die Häuschen stehen eng beieinander, dazwischen eine vollbehangene Wäscheleine. Hier erlebt man Portugal von seiner charmanten, bescheidenen Seite. Von der historischen Burganlage, die einst zur Sicherung der portugiesischen Grenze errichtet wurde, blickt man über die Weiten der Alentejo-Region, in der traditionell Kork, Wolle und Kastanien angebaut werden.

Die am dünnsten besiedelte Region des Landes

Die Region mit ihrer weitgehend unberührten Natur eignet sich auch zum Wandern, Radfahren oder zu einem Ausritt mit den Pferden. Vorbei an Olivenbäumen und Kuhherden geht es hinein in die unberührte Natur. Der Alentejo ist die am dünnsten besiedelte Region Portugals. Selbst an Straßen dauert es oft Stunden, bis ein Auto vorbei kommt. Während die Sonne am Horizont untergeht und es langsam kühler wird, lassen sich Vögel, Rebhühner und Rehe beobachten.

Mehr Informationen:

https://alterreal.pt/de

www.vilagale.com

Anreise:

Mit dem Flugzeug ab Frankfurt (Lufthansa/Tap Air Portugal)

Wohnen:

Vila Galé Collection Alter Real

Coudelaria de Alter - Tapada do Arneiro

7440-152 Alter do Chão

Beste Reisezeit:

März bis Mai oder September bis November. Im Sommer kann es über 40 Grad warm werden.

Diese Reise wurde von der Vila Galé Hotelgruppe und Pura Communications unterstützt.

Keine Kommentare