Neuer Partner für Hymer-Camper und Tochtermarken

Wohnmobilfahrer müssen sich umstellen: Als Basis-Fahrzeug nun Ford statt Fiat

Reiseredakteur Matthias Niese
Matthias Niese

Magazin am Wochenende / gute reise

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14.1.2022, 08:21 Uhr
Ein Ford Transit als Kastenwagen-Basis für ein Hymer-(Etrusco)-Wohnmobil

© Lorenzo Mennonna, NNZ Ein Ford Transit als Kastenwagen-Basis für ein Hymer-(Etrusco)-Wohnmobil

Ausgerechnet der europäische Marktführer Hymer aus Oberschwaben mit seinen vielen Untermarken setzt auf Ford als neuem strategischem Partner. Das ist im Markt der Campingfahrzeuge eine kleine Revolution, denn Ford saß mit 7 Prozent nur in der Nische für Basisfahrzeuge. Besitzer von Wohnmobilen und die, die es werden wollen, sollten aufhorchen, denn ganz viele werden bald nicht (mehr) Fiat, sondern Ford fahren.

Die Ford-Werke in Köln und die Erwin Hymer Group (EHG) im baden-württembergischen Bad Waldsee haben einen Rahmenvertrag über die Lieferung von leichten Nutzfahrzeugen der Baureihen Ford Transit und Ford Transit Custom als Basisfahrzeuge für Freizeit- und Reisemobile abgeschlossen.

Zur Erwin Hymer Group gehören auch die Reisemobil- und Caravanmarken Buccaneer, Bürstner, Carado, Crosscamp, Compass, Dethleffs, Elddis, Eriba, Etrusco, Hymer, Laika, LMC, Niesmann+Bischoff, Sunlight und Xplore, zudem die Vermietgesellschaften Crossrent, McRent und rent easy. Das ist geballte Marktmacht, die sich ein gehöriges Stück vom bisherigen Hauptlieferanten Fiat abwendet, der aber nach wie vor Fahrzeuge liefern wird.

Ford hat sich viel Beachtung bei Campern erarbeitet

Ford ist der führende Hersteller von leichten Nutzfahrzeugen in Europa, war aber im Segment der Reisefahrzeuge bislang eher in der Nische. Mit tollen Campingbussen wie dem Ford Transit Custom Nugget, die u.a. in Partnerschaft mit dem Ausbauer Westfalia prodziert werden, hat sich die Marke aber viel Beachtung in der Branche erarbeitet. Das trägt nun offensichtlich Früchte.

Nun wird also laut Pressemitteilung die Basis der Fahrzeuglieferanten für die verschiedenen Marken erweitert - ein Grund ist auch die Halbleiter-Krise, die die EHG so mildern will. "Als Teil von Thor Industries, dem weltweit größten Hersteller von Freizeitfahrzeugen, sieht die EHG in der Kooperation auch einen Vorteil darin, dass Ford als weltweit agierender Konzern die Transit-Baureihe nicht nur in Europa produziert, sondern auch in Nordamerika und in China", schreibt Hymer.

Palette vom Urban Camper bis zum großen Reisemobil

Konkret geht es bei der Kooperation um Ford Transit-Kastenwagen und Tiefrahmen-Fahrgestelle und um Ford Transit Custom-Kombis, die als Basis für Camper Vans, Teilintegrierte und Alkoven-Wohnmobile der EHG Marken zum Einsatz kommen. Die Basisfahrzeuge werden im Ford-Werk in Kocaeli/Türkei produziert und ab 2022 bis 2024 ausgeliefert.

Ein Ford Transit Nugget Custom mit Klappdach - ideal auch als Hauptfahrzeug, da niedrig und kompakt.

Ein Ford Transit Nugget Custom mit Klappdach - ideal auch als Hauptfahrzeug, da niedrig und kompakt. © Julia Nimke, NNZ

Insbesondere die Ford Transit Custom-Baureihe - ein klassischer Campingbus mit Hoch- oder Klappdach und tollem Grundriss mit Küche im Heck und voller Raumbreite in der Mitte - ist sehr gefragt, da sich diese Fahrzeuge aufgrund ihrer Vielseitigkeit und der kompakten Abmessungen als alleiniges Fahrzeug im Haushalt eignen - viele schaffen ihr normales Auto ab und legen sich einen Campingbus zu. Mit Klappdach sind nicht nur die meisten Parkhäuser, sondern auch viele Parkplätze mit Höhenbeschränkungen für Fahrzeuge über 2,20 Meter weiterhin nutzbar.

Schon früher war Ford ein Hymer-Partner

In den frühen 1980er Jahren war der Ford Transit die Basis für das Hymercar – den ersten Campingbus der Marke Hymer. 2004 verständigten sich Ford und Hymer auf die Lieferung von Ford-Basisfahrzeugen für teil- und vollintegrierte Camper-Lösungen sowie für Alkoven-Umbauten.

Nun hat Ford offensichtlich mit den aktuellen Transit-Baureihen wieder eine überzeugende Lösung. Ford hat sich zudem sehr angestrengt, seine Nutzfahrzeuge für die anspruchsvolle Wohnmobilbranche und die Kunden attraktiv zu machen.

Darum stellt Fiat mit dem Ducato die meisten Womo-Basisfahrzeuge

Warum war ausgerechnet Fiat bei Wohnmobilen so erfolgreich, wo doch viele Deutsche Vorbehalte gegenüber italienischen Auto haben? Die Marke aus Turin, die den Transporter seit 1982 ausschließlich in Sevel in Süditalien produziert, wird sicher noch lange mit ihrem Ducato die meisten Basisfahrzeuge für Reisemobile stellen. Der Ducato ist hier bislang eine einzige Erfolgsgeschichte. Dafür gibt es einige gute Gründe:

So war die erste Generation des Fiat Ducato eine geniale Ingenieursleistung, eine technische Revolution mit Frontantrieb und modernem Quer-Frontmotor - die gesamte Fahrzeugtechnik passte ins Fahrerhaus, der Rest des Platzes blieb für Aufbauten frei verfügbar. Außerdem war der Ducato im Vergleich zur Konkurrenz etwa aus Deutschland viel leichter, weil ohne Kardanwelle und Differential an der Hinterachse. Der Womo-Fahrer kann viel mehr zuladen.

Fiat umschmeichelt Wohnmobilisten mit tollem Service

Dethleffs baute denn auch schon recht bald das erste Alkovenmobil auf den Ducato, es wurde ein Riesenerfolg und andere Hersteller folgten - die erhaltenen Modelle aus den 1980er Jahren sind heute echte Klassiker. Fiat sammelte also früh viel Erfahrung mit Wohnmobilisten und der Caravaning-Branche und umschmeichelte sie mit tollem Service (1800 Werkstätten im Netzwerk von "Fiat Camper Assistance") und Innovationen.

Der Klassiker unter den Womo-Basisfahrzeugen ist nach wie vor der Fiat Ducato, hier mit Familien-Grundriss Stockbett im Heck und Doppelbett im Alkoven.

Der Klassiker unter den Womo-Basisfahrzeugen ist nach wie vor der Fiat Ducato, hier mit Familien-Grundriss Stockbett im Heck und Doppelbett im Alkoven. © Matthias Niese, NNZ

Spätestens das aktuelle, mit Facelift seit 2006 noch immer gebaute Modell gilt als technisch ausgereift, das Chassis wurde speziell für die Branche gebaut. Außerdem ist der Ducato billig, weil die Marke hohe Rabatte an die Hersteller gibt und der Ducato an einem speziellen Band in Massen als Womo-Basis gebaut wird. Sein Alko-Fahrzeugrahmen lässt zudem zu, dass das Fahrzeug tiefer abgesenkt werden kann - Voraussetzung für einen (beheizbaren) Doppelboden und volle Wintertauglichkeit. Der Radstand kann zudem in 10-Zentimeter-Schritten verschoben werden, fast alle Grundrisse sind so möglich. (Quelle zum Fiat Ducato: www.promobil.de)

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