Beauty-Expertin im Interview

Warum Deutschland Pionier in der Naturkosmetik ist

DATUM: 24.05.2017..RESSORT: Feuilleton Online ..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Diskussionsabend der Kulturredaktion im Josephs..mit Gästen - Mitarbeiterportrait; Portrait NN-Red. Birgit Ruf
Birgit Ruf

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27.12.2021, 05:55 Uhr
Der Trend in der Naturkosmetik geht zu festen Produkten.

© imago images/blickwinkel, NN Der Trend in der Naturkosmetik geht zu festen Produkten.

Frau Keith, ist Naturkosmetik gleich Naturkosmetik?
Julia Keith: Wenn ich von Naturkosmetik spreche, meine ich immer zertifizierte. Es gibt Labels wie Cosmos, Nature oder Demeter. Das sind die gängigsten in Deutschland. Dafür haben sich die Hersteller zusammengeschlossen und Kriterien festgelegt. Nichtsdestotrotz gibt es gute Gründe, nicht zertifiziert zu sein, zum Beispiel für kleine Hersteller. Denn solche Siegel kosten nicht nur Geld, dahinter steckt auch viel Bürokratie.

Beauty-Expertin Julia Keith aus Bamberg.

Beauty-Expertin Julia Keith aus Bamberg. © Julia Keith

Worauf sollte ich beim Kauf achten?
Keith: Ob ein Zertifikat drauf ist. Ansonsten die Inhaltsstoffe nachlesen. Aber die sind meist lateinisch. Da wird es für einen Laien schwierig. Apps wie Codecheck können eine erste Einschätzung vermitteln.

Welche Trends gibt es?
Keith: Einer der Top-Trends ist feste Kosmetik. Es gibt nicht mehr nur Haarseife oder Handseife, sondern auch feste Shampoos, Duschgels, Bodybutter, Hand- und Fußpflege.

Was ist der Vorteil?
Keith: Man spart Wasser bei der Herstellung und Plastik beim Verpacken. Ein normales Shampoo besteht zu ungefähr 85 Prozent aus Wasser. Wasser ist schwer, das schlägt sich im CO2 -Ausstoß beim Transport nieder. Ein festes Shampoo kann in einer Pappschachtel verpackt werden. Man kann es gut mitnehmen, es ist leicht und läuft nicht aus. Für viele bedeutet es auch eine neue Art des Anwendungsvergnügens.

Gibt es in dieser Branche derzeit auch Lieferengpässe?
Keith: Ja, Lieferketten sind unter Druck!

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
Keith: Es ist das Pionierland der Naturkosmetik. Weleda und Dr. Hauschka haben hier die Naturkosmetik nach vorne gebracht, als sich sonst noch niemand darum gekümmert hat. In den 1980ern kamen die Grünen und damit nochmal Pioniere wie Lavera oder Logona. Frankreich holt derzeit stark auf, aber auch Italien sowie Korea und Japan.

Ist Naturkosmetik per se teurer als konventionelle?
Keith: In anderen Ländern ja! In Deutschland nicht unbedingt. Das hat auch dazu geführt, dass Naturkosmetik hier so einen großen Marktanteil von rund zehn Prozent hat.

Wo ist bei Naturkosmetik in punkto Nachhaltigkeit noch am meisten Luft nach oben?
Keith: Bei der Verpackung. Auch bei den Inhaltsstoffen. Viele Firmen denken darüber nach, wie man grüne Biotechnologie einsetzen kann für die Herstellung von Rohstoffen.

Zum Beispiel?
Keith: Es gibt einen Wirkstoff aus Moos. Das wächst sehr langsam. Man müsste für große Produktionschargen unheimlich viel davon ernten. Eine Lösung ist, Moos im Labor zu kultivieren. In diese Richtung wird noch viel passieren.

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