Podcast mit Günther Koch

Die "Stimme Frankens" hat nichts von ihrer Schärfe verloren

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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2.6.2022, 15:49 Uhr
Die Radioreporter-Legende Günther Koch war zu Gast im Podcast "Horch amol".

© Grafik: Redaktionsservice Die Radioreporter-Legende Günther Koch war zu Gast im Podcast "Horch amol".

80 Jahre und kein bisschen leise(r). Wer Reporter-Legende Günther Koch Fragen stellt, bekommt klare Ansagen. Das betrifft nicht nur seinen Herzensverein 1. FC Nürnberg, sondern GüKo, wie er gerne genannt wird, findet auch deutliche Worte zum Profifußball an sich oder zu "seiner" Partei, der SPD.

So hält sich beispielsweise sein Bedauern über den Nicht-Aufstieg des Club in engen Grenzen. Am Ende habe der Mannschaft die "Begierde und die Unbekümmertheit" gefehlt, so Günther Koch im Podcast "Horch amol". Beides sei gleichermaßen nötig, um am Ende in der zweiten Liga ganz oben zu stehen. Gleichzeitig konstatiert die Stimme Frankens, dass der Club noch lange nicht reif ist für die "Geschäfteliga". Das Credo von Günther Koch lautet, dass der Fußball in der ersten Bundesliga "kaputt" ist und nur noch von geschäftlichen Interessen bestimmt wird.

Ein eingetragener Verein, wie der 1. FC Nürnberg, ist ihm deutlich lieber, als die ausgegliederten GmbHs, die unweigerlich ins Spiel kommen, wenn es die großen Summen geht, die im Profifußball inzwischen die Regel und nicht die Ausnahme sind. Für ihn ist es auch kein "fränkisches Understatement", wenn er davon spricht, dass in den unteren Ligen noch "ehrlicher Fußball" gespielt wird und er keineswegs etwas gegen eine hart umkämpfte Partie gegen Heidenheim oder Sandhausen einzuwenden hat.

Im übrigen erkennt Koch im angeblichen Minderwertigkeitskomplex und der Bescheidenheit der Franken, ein cleveres Verhalten. "Er weiß genau, wo seine Grenzen sind", sagt Günther Koch und weiter: "Der Franke ist so echt und so liebenswert, weil er nicht ins große Schaufenster will, vor allem, wenn er weiß, da sind sofort Sprünge im Schaufenster."

Die Stimme Günther Kochs schwillt erneut an, wenn die Sprache auf den Bau eines neuen Stadions kommt. "Es wird auf die lange Bank geschoben", ärgert er sich. Die widerstrebenden Interessen auf dem Gesamtareal - Koch nennt neben dem Fußball den "Automobilsport, Immobiliengeschäfte und Erinnerungskultur" als Beispiele - seien dafür verantwortlich, dass "wir nicht vorankommen". Die Entscheider seien hier gefragt, die sich aber um klare Aussagen drücken würden und deshalb das Projekt von Jahr zu Jahr verschoben wird.

Doch nicht nur der Fußball beschäftigt Günther Koch. Bei der SPD ist er seit Jahrzehnten aktiv und nennt die Kooperation mit der CSU "das Dümmste, was die SPD in Nürnberg machen konnte". Aus seiner Sicht ist es keine Kooperation, sondern eine "Quatsch-Koalition", die ausschließlich der CSU Nutzen bringt. Eine echte Aufarbeitung der "massiven Klatsche" bei der Kommunalwahl habe es beim Bezirkstag der Nürnberger SPD nicht gegeben, so Koch.

Bei den Sozialdemokraten vermisst er die Diskussionen und Auseinandersetzungen der früheren Jahre. "Alles zu glatt, zu freundlich, zu nett und auch hilflos", lautet seine Kritik am momentanen Zustand der Partie. "Da ist die CSU viel cleverer", so Kochs Analyse. Die Christsozialen seien inzwischen gut vernetzt und "schöpfen den Rahm ab",

Hoffnung macht ihm allerdings die Ablehnung der SPD für eine Bewerbung um die Landesgartenschau. "Das ist Tralala", so Günther Koch. Es gebe tatsächlich zu wenig Grün in der Stadt, aber dennoch sei die Bewerbung nur eine Ablenkung von vielen, wichtigeren Projekten, die angepackt werden sollten.

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