Lange Suche geht zu Ende

Erziehungswissenschaften: Neue Heimat im Nürnberger Norden

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14.1.2022, 07:55 Uhr
Eine Standort für den Neubau der Erziehungswissenschaften könnte das ehemalig Schöller Areal an der Erlanger Straße sein.

Eine Standort für den Neubau der Erziehungswissenschaften könnte das ehemalig Schöller Areal an der Erlanger Straße sein. © Oliver Acker, NN

"Der Startschuss für eine neue Heimat der Erziehungswissenschaften ist damit gefallen“, erklärte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Konkret bedeutet das, dass das Projekt im Rahmen einer öffentlichen-privaten Partnerschaft verwirklicht wird: Ein Investor errichtet auf seinem Grundstück ein Gebäude nach den Vorgaben des Freistaats. Im Gegenzug wird das Gebäude für mindestens 20 Jahre fest angemietet. Nach dieser Zeit ist für den Freistaat eine Ankaufoption vorgesehen. Mit einer Einigung zwischen Freistaat und Bieter ist nach Ablauf der Bewerbungsfrist und anschließenden Vertragsverhandlungen voraussichtlich im Herbst 2022 zu rechnen.

Der Altbau ist am Ende

Damit geht eine siebenjährige Suche zu Ende, denn schon seit 2014 steht fest, dass das derzeitige Gebäude für die Erziehungswissenschaften in der Regensburger Straße 160 nicht mehr den technischen Anforderungen entspricht. Der Altbau soll instand gesetzt werden, so dass er bis 2026 genutzt werden kann. In diesem Jahr sollen die neuen Gebäude bezugsfertig sein. Der Neubau wird über eine Nutzfläche von 12000 Quadratmetern verfügen und möglichst schnell von Erlangen aus erreichbar sein, denn das Department Pädagogik der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg ist dreigeteilt: Das Institut für Erziehungswissenschaften und das Institut für Grundschulforschung sind in Nürnberg angesiedelt und sollen es auch bleiben. Das Institut für Pädagogik bleibt in Erlangen. Insgesamt studieren rund 5000 Studentinnen und Studenten in diesem Bereich.

Stadt-Umland-Bahn ist entscheidend

Dass der Neubau an der Erlanger Straße angesiedelt werden soll, liegt am Bau der Stadt-Umland-Bahn. Die Studierenden können dann schnell die beiden Standorte der Erziehungswissenschaften in Nürnberg und Erlangen erreichen. Der designierte Standort an der Erlanger Straße liegt in Laufnähe zur Stadt-Umland-Bahn.

Auch das Umfeld des Porsche-Zentrums bietet Platz für den Neubau der Erziehungswissenschaften.

Auch das Umfeld des Porsche-Zentrums bietet Platz für den Neubau der Erziehungswissenschaften. © Roland Fengler, NN

Für den Bestellbau soll zwischen der Kreuzung Bucher Straße/Nordring, im Radius von 400 Metern, und der Kreuzung Erlanger Straße/Marienbergstraße, in einem Radius von 500 Metern, Platz gefunden werden. Derzeit kommen im Bereich zwischen den beiden Kreuzungen nur drei Grundstücke in Frage. Im Norden, im Umfeld des Porsche-Zentrums, verfügt das Erlanger Unternehmen Sontowski und Partner über eine größere Fläche. Im südlichen Bereich kann Gerd Schmelzers Alpha-Gruppe ein Areal nördlich des Nordrings, eine ehemalige Schöller-Fläche von rund 50000 Quadratmetern, anbieten. Beide Firmen haben bestätigt, dass sie sie auch bewerben.

Bessere Verzahnung

Südlich des Nordrings gibt es eine weitere ehemalige Schöller-Fläche, die dem Deutschen Milch-Kontor in Bremen gehört. Nach einem Beschluss des Stadtrats darf es dort bislang nur eine Bebauung mit Gewerbe geben.

Die Eigentümer setzen aber auf Wohnbebauung, was den Grundstückspreis erheblich verteuern würde. Realistisch sind derzeit die Sontowski- und die Alpha-Fläche. „Die beiden für die Lehramtsausbildung zentralen Standorte der Philosophischen Fakultät in Erlangen und in Nürnberg rücken somit deutlich näher zusammen, was Pendelzeiten halbiert und den Studienablauf spürbar verbessert. Die beiden Universitätsstädte Erlangen und Nürnberg werden dadurch noch besser verzahnt“, kommentierte Sibler die Ausschreibung.

Nachhaltiges Bauen als Ziel

Entscheidend für den Zuschlag, wer den Auftrag für einen Bestellbau bekommt, sind mehrere Kriterien. Das reicht vom Mietpreis über Nachhaltigkeitsstandards bis hin zu architektonischer Qualität und Außenraumgestaltung.

So soll beispielsweise ein stark mit Bäumen begrünter Außenbereich geschaffen werden. Für die Fassade ist ein Gestaltungswettbewerb geplant und beim Bewertungssystem "Nachhaltiges Bauen" wird der höchste Standard angestrebt. Die Investitionssumme dürfte bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag liegen. Was mit den alten Liegenschaften der Erziehungswissenschaften an der Regensburger Straße geschieht, ist noch offen. Nürnbergs OB Marcus König freut sich darüber, dass der Nürnberger Norden schon jetzt vom Bau der Stadt-Umland-Bahn profitiert.

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