Klares Zeichen für Menschenrechte

Freibier für WM-Boykott: Nürnberger Bar hat genug - Aktion zum Deutschland-Spiel

Tobi Lang
Tobi Lang

Redakteur

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27.11.2022, 09:29 Uhr
Kostenloses Bier geht immer - genau auf diese Karte setzt ein Nürnberger Café jetzt, um den WM-Boykott zu forcieren. 

© Michael Matejka, NN Kostenloses Bier geht immer - genau auf diese Karte setzt ein Nürnberger Café jetzt, um den WM-Boykott zu forcieren. 

In diesen Tagen ist Boris Braun nicht nur Bierbeauftragter beim "Wanderer", einem beliebten Café im Schatten der Kaiserburg. Er ist auch so etwas wie der Protest-Beauftragte, denn: Die Nürnberger Institution ist die gastronomische Speerspitze beim Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Die Liste der Vorwürfe an den Wüstenstaat und die Fifa ist lang. Korruption, Verstöße gegen die Menschenrechte, eine untragbare Kommerzialisierung des Sportes.

Nicht nur Braun vom "Wanderer" hat genug. Unter anderem gemeinsam mit dem Fanprojekt Nürnberg, einem Zusammenschluss von Club-Anhängern, ruft das Café zum Boykott der WM auf. Und greift dabei zu durchaus drastischen Maßnahmen. Am kommenden Sonntag beispielsweise, wenn die DFB-Elf gegen Spanien ums fußballerische Überleben kämpft, will der "Wanderer" Freibier ausschenken - für alle, die sich das Spiel eben nicht ansehen.

Kostenloses Bier bei Spanien-Spiel

"Das ist korrekt", bestätigt Braun auf Nachfrage unserer Redaktion. Ab 20 Uhr werde es das extra produzierte BoycottQatar-Bier von Orca Brau, einer kleinen Brauerei aus Nürnberg, kostenlos geben. "So lange der Vorrat reicht", grenzt Braun ein. Spenden seien natürlich erwünscht, erst einmal gibt es das Getränk aber bedingungslos. Das Geld, das bei der Aktion zusammenkommt, geht an die Weihnachtsspendenaktion der Nordkurve, wird also für soziale Zwecke verwendet.

"Es haben sich bereits Teile der aktiven Fanszene des FCN angekündigt", sagt Braun. "Mal schauen, wie viele es werden, wir sind gespannt." Überhaupt haben mehrere Vereine, Organisationen und Unternehmen jede Menge zur WM geplant. Unter dem Motto "Kein Bock auf Qatar 2022" gibt es ein komplettes Alternativprogramm - dazu gehören Filmvorführungen, Debattenrunden und ein Kickerturnier.

Protest-Bier ist begehrt - aber nur in Kneipen erhältlich

Bereits frühzeitig hat auch Orca Brau positioniert. "Wir sind ja eine Brauerei und keine Gastronomie oder dergleichen", sagt Felix vom Endt, der Mann hinter dem Unternehmen. "Wir haben gar nicht die Möglichkeit die WM zu zeigen, würden es aber auch nicht tun." Trotzdem ist der Brauerei etwas eingefallen, einen Beitrag zu leisten - eben jenes Protest-Bier.

Das ist begehrt, erklärt Braun vom "Wanderer". Aus ganz Deutschland wollten sich Menschen eine Flasche des Boykott-Biers sichern. "Flaschen gibt es aber nur noch vor Ort beziehungsweise in den beteiligten Kneipen", sagt der Gastronom. Zahlreich Interessenten habe er per Mail absagen müssen. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Protestaktion schon ein voller Erfolg.