Oper: Ein dauerhaftes Interim?

Kongresshalle: Denkmalschutz denkt um

Nuernberg , 20.06.2016..Ressort: Politik Fotografie: Stefan Hippel..Chefredakteuere der Nürnberger Nachrichten , Michael Husarek , Portrait
Michael Husarek

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14.1.2022, 17:58 Uhr
Diese Standirte sind im Gespräch für ein Opernhausinterim. Die Debatte wird noch spannender, da nach dem Rückzug des Musiktheaters eine dauerhafte Nutzung möglich scheint.

Diese Standirte sind im Gespräch für ein Opernhausinterim. Die Debatte wird noch spannender, da nach dem Rückzug des Musiktheaters eine dauerhafte Nutzung möglich scheint. © Stadt Nürnberg, NNZ

Spannende Wende in der Debatte um das Opernhausinterim: Hieß es bislang, dass die außerhalb oder im Innenhof der Kongresshalle geplante Ausweichspielstätte wieder zurück gebaut werden müsse, kann sich Bayerns oberster Denkmalschützer auch eine Dauerlösung auf dem Reichsparteitagsgelände vorstellen.

„Ich schließe einen dauerhaften Bau nicht aus, aber ein Eingriff dieser Tragweite kann nur auf Grundlage einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion beschlossen werden“, stellt Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil klar. „Eine Entscheidung über ein 50 bis 100 Millionen Euro teures Bauvorhaben kann und will der Denkmalschutz nicht alleine treffen.“

Diese Aussage hat Pfeil gegenüber der Grünen-Landtagsabgeordneten Sabine Weigand getätigt. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt die Pressestelle des Denkmalschützers diese Position. Bislang sei zudem lediglich eine Stellungnahme zu einem Interim erbeten worden.

Dieser kaum verhohlenen Kritik an der Kommune schließt sich die Grünen-Abgeordnete Weigand, die dem Landesdenkmalrat angehört, an. „Mich ärgert, dass dem Denkmalschutz unterstellt wird, er wolle einen dauerhaften Neubau im Innenhof der Kongresshalle grundsätzlich verhindern. Mir gegenüber hat sich das Landesamt für Denkmalpflege für alle Lösungen offen gezeigt. Wenn die Stadt ein Interim einem bleibenden Bau vorzieht, muss sie dafür jetzt ihre Gründe darlegen.“

Erst kürzlich hatten die Denkmalschützer erklärt, dass gegen ein Interim unter bestimmten Vorrausetzungen keine Einwände erhoben würden, allerdings eben unter den Annahme, dass ein Rückbau angedacht sei. Offenbar hatte damals niemand die Frage gestellt, wie es sich denn mit einer dauerhaften Lösung verhalte. Angesichts der enormen Kosten von mehr als 100 Millionen Euro (darin sind auch Arbeiten in der Kongresshalle enthalten) und der Knappheit an Spielstätten in Nürnberg wäre eine kulturelle Nachnutzung eigentlich eine naheliegende Idee.

Die Schwabacher Abgeordnete und Denkmalexpertin Weigand hat deshalb bei den Denkmalpflegern nachgehakt. Denn auch aus grüner Sicht sollte es keine Click-and-Go-Konstruktion geben, die einen Abriss schon einplant. „Bauen für die Mülltonne ist keine gute Option in einer Zeit, in der wir mit Ressourcen sparsam umgehen und Graue Energie nicht verschwenden sollten“, schreibt Weigand in einer Pressemitteilung

„Wenn man schon in dieses hochbedeutende Denkmal eingreifen will, dann sollte das nachhaltig, mit Sensibilität und Bedacht geschehen – und idealerweise mit einem Masterplan, der über die nächsten paar Jahre hinausweist. Wie das perfekt funktionieren kann, hat das Erfolgsmodell Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände gezeigt. Für eine Entscheidung ist ein offener Prozess im öffentlichen Dialog notwendig. Denn hier sind weitaus mehr Belange betroffen als allein diejenigen der Baudenkmalpflege. Nürnberg trägt hier eine große Verantwortung.“

Sabine Weigand schlägt vor, zeitnah eine Expertenrunde einzuberufen, wie sie seinerzeit zum Thema Zeppelintribüne stattgefunden hat. Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege wird die denkmalpolitische Sprecherin das Thema in der nächsten Sitzung des Landesdenkmalrats zur Diskussion stellen.

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