Hilfsorganisation wird 40 Jahre alt

Nürnberger Verein unterstützt die Menschen im westafrikanischen Krisenstaat Mali

14.1.2022, 07:30 Uhr
Die LAG Mali-Hilfe unterstützt mit ihren Projekten schwerpunktmäßig Frauen. 

Die LAG Mali-Hilfe unterstützt mit ihren Projekten schwerpunktmäßig Frauen.  © LAG Mali-Hilfe

Ausgerechnet zum runden Jubiläum muss die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mali-Hilfe mit weniger Spendengeldern auskommen. Im Jahr 2021 bekam die Organisation 56 275 Euro an Spendengeldern, 2020 waren es noch 83 965 Euro. "Unsere bestehenden Projekte sind dadurch aber nicht gefährdet", sagt der Vorsitzende Stefan Schuster.
Seit 1982, also seit 40 Jahren, hilft der in Nürnberg gegründete Verein nun schon in dem westafrikanischen Land. Über die Gründe, warum die finanzielle Unterstützung zuletzt rückläufig war, kann Schuster nur spekulieren. Der SPD-Landtagsabgeordnete denkt, dass dies mit der Flutkatastrophe im Sommer zu tun haben könnte. Viele potenzielle Mali-Spender könnten sich angesichts der schlimmen Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dazu entschieden haben, diesmal lieber im eigenen Land zu helfen.

Keine guten Schlagzeilen

Außerdem kommen weiterhin keine guten Schlagzeilen aus dem Krisenstaat, das könnte auch viele abschrecken, denkt Schuster. Seit 2012 hat das Land drei Militärputsche erlebt.
Der Verein, der mit örtlichen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitet, leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Gudrun Kahl, die eine halbe Stelle als hauptamtliche Mitarbeiterin der Mali-Hilfe innehat, berichtet zum Beispiel von einem Kleinprojekt zur Unterstützung des Gemüseanbaus im Landkreis Yanfolila, das man im Mai gestartet habe.

Anbauphasen verlängern

Dank zweier neuer Schachtbrunnen und der dadurch gestiegenen Wasserkapazitäten könnten die einheimischen Frauen die Anbauphasen in ihren Gemüsegärten verlängern. "Das sichert die Ernährungssituation der Familien", sagt die Projektbeauftragte der Mali-Hilfe. Zudem schaffe der verbesserte Gartenbau Erträge und Rücklagen, die die Frauen in kritischen Erntejahren gut für den Zukauf von Grundnahrungsmitteln brauchen können.


Im Rahmen des Projekts in Yanfolila werden aber Kahl zufolge auch zwei Schulen in der Trinkwasserversorgung und mit sanitären Anlagen unterstützt. Die Mali-Hilfe engagiert sich zudem unter anderem mit Aufklärungskampagnen gegen Mädchenbeschneidung.
Ausgangspunkt der Initiativen seien immer die Problemlagen, die durch Malierinnen und Malier an den Verein herangetragen werden, berichten Schuster und Kahl. "Es ist eine interessante Aufgabe, man merkt, dass man den Menschen helfen kann", sagt Schuster, der schon seit 2005 dem Verein vorsteht. Damals waren die Voraussetzungen freilich noch andere: "Mali galt als demokratischer Vorzeigestaat", erinnert sich der SPD-Politiker.

Terroristische Banden

Das habe sich komplett gewandelt. "Mali hat nicht nur eine Krise, sondern eine multidimensionale Krisensituation", sagt Kahl und verweist auf die politisch instabile Situation, terroristische Banden, Kriminalität und Korruption sowie 400 000 Menschen, die aus Angst vor Übergriffen aus ihren Dörfern geflohen sind. "Die Frustration in der Bevölkerung ist hoch, weil es zwar eine massive Militärpräsenz gibt, aber Leute das Gefühl haben, das Militär ist nicht in der Lage, sie zu schützen", berichtet Kahl, die sich in der Regel einmal im Jahr im Land aufhält. Die Mali-Hilfe hat das Glück im Unglück, dass ihre Projekte rund 300 Kilometer von den Krisenherden im Norden des Landes entfernt sind.


Schuster ist jüngst für drei Jahre als Vereinschef wiedergewählt worden und schon jetzt der Vorsitzende mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der Mali-Hilfe. Gegründet hat sie im Jahr 1982 Berthold Kamm (1926 bis 2016), der ebenfalls für die Sozialdemokraten dem Landtag angehörte. Er entschied sich nach einer privaten Urlaubsreise dazu, dass dem Land geholfen werden müsse; bis 1996 leitete er die Vereinsgeschicke, zwischen 1996 und 2005 übernahm Karin Radermacher das Ruder.

Abschied vom Landtag

Der 62-jährige Schuster wird das Ehrenamt weiter ausführen und dafür ab 2023 auch mehr Zeit haben: Der frühere Feuerwehrmann tritt nach dann 21 Jahren im Landtag bei der nächsten Wahl nicht mehr an und beendet seine politische Laufbahn: "Ich habe seit meinem 15. Lebensjahr gearbeitet. Irgendwann ist die Zeit reif."
Informationen zur LAG Mali: www.lag-malihilfe.de; gespendet werden kann unter
VR Bank Metropolregion Nürnberg eG IBAN: DE65 7606 9559 0003 2590 05,
BIC: GENODEF1NEA