Opernhausinterim

Rückbau ist keine Lösung

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14.1.2022, 17:58 Uhr
Das Landesamt für Denkmalschutz hält auch eine dauerhafte kulturelle Nutzung des Opernhausinterims für möglich.

Das Landesamt für Denkmalschutz hält auch eine dauerhafte kulturelle Nutzung des Opernhausinterims für möglich. © Oliver Acker, NZ

Es gibt keine Baugenehmigung, die einen Unterschied macht, ob das Gebäude zehn oder 30 Jahre genutzt werden soll. Das gilt auch für das Opernhausinterim in der Kongresshalle. Wer das Interim besucht, der ist genauso sicher wie in einem Neubau. Es gibt keine Baugenehmigung light.

Langfristige Nutzung

Dass das Landesamt für Denkmalschutz bei der Diskussion, ob die Kongresshalle überhaupt kulturell genutzt werden kann, bislang die Möglichkeit für einen Rückbau in den Vordergrund gestellt hat, ist nur natürlich, denn bislang gibt es allein konkrete Pläne für ein Opernhausinterim. Also eine kulturelle Nutzung während der Sanierung des Opernhauses am Richard-Wagner-Platz. Der Wunsch, dass ein 50 Millionen teurer Saal für die Oper nicht nur zehn Jahre, sondern auf Dauer genutzt werden soll, ist aber bei vielen Akteuren in der Stadt vorhanden.

Morbide Ausstrahlung

Einen solchen Bau in einigen Jahren abzureißen, um ein Nazi-Torso im rückgebauten Originalzustand und in seiner morbiden Ausstrahlung zeigen zu können, wäre ökonomischer, ökologischer und historischer Wahnsinn. Das wäre viel zu viel Respekt für ein Gebäude, das nur an den nationalsozialistischen Größenwahn erinnert und niemals fertiggestellt wurde.

Die weißen Flecken zeigen, wo der Aufführungssaal für die Oper an der Kongresshalle hinkommen könnte.

Die weißen Flecken zeigen, wo der Aufführungssaal für die Oper an der Kongresshalle hinkommen könnte. © Stadt Nürnberg, NNZ

Auch das Landesamt für Denkmalschutz schwebt nicht über allen Gebäuden und liegt mit seiner Einschätzung falsch, dass der Innenraum der Kongresshalle einen symbolischen Gehalt hat und auf die desaströsen Folgen des Nationalsozialismus verweist. Diese Interpretation ist eine Behauptung und hat mit historischen Fakten nicht zu tun. Tatsächlich ist die Kongresshalle eine aufgeräumte Baustelle. Sie hat wenig mit Erinnerungsarbeit zu tun, sondern mit Inszenierung.

Platzierung entscheidet

Die Platzierungsfrage des Interims für die Oper, ob Außen oder Innen, ist deshalb von großer Bedeutung, weil nur ein bis zwei von fünf möglichen Standorten eine Nutzung auf Dauer möglich machen. Kommt das Interim etwa in den Außenbereich des Doku-Zentrums, kann es keine weitere Nutzung auf Dauer geben. Für die Standorte im Süden und im Innenbereich der Kongresshalle wäre eine langfristige Nutzung möglich. Es muss in den nächsten Monaten von Fachleuten und vom Stadtrat geklärt werden, wo der Aufführungssaal der Oper hinkommt. Wie dann die tatsächliche Nutzung in zehn Jahren aussieht, das soll die nächste Generation entscheiden. Eine falsche Platzierung kann aber eine Dauernutzung unmöglich machen.

Dass das Landesdenkmalamt sich noch einmal zu Wort meldet und grundsätzlich der Möglichkeit einer Dauernutzung nicht im Weg steht, wenn es eine fundierte Diskussion gegeben hat, ist gut. Nur, zu lange sollte diese Diskussion nicht dauern, sonst ist das Operninterim bis 2025 nicht fertig. Über die langfristige Nutzung muss derzeit nicht entschieden werden. Aber die Wahl des Standorts muss passen, damit es eine Option gibt.​​​​​​​​​​​​​​

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