Tatverdächtiger war Gast im Haus

Ehepaar in Mistelbach erstochen: Getöteter Vater war Kinderarzt in Nürnberg

MOTIV: Achim Bergmann, Mitarbeiterportrait..FOTO: Lena Wölki, gesp. 02/2019
Achim Bergmann

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10.1.2022, 15:18 Uhr
Vor der Eingangstür des Wohnhauses im oberfränkischen Mistelbach haben Anwohner Blumen und Kerzen hinterlegt. In der Nacht zum Sonntag wurden Vater und Mutter von vier Kindern im Keller des Hauses erstochen aufgefunden.

Vor der Eingangstür des Wohnhauses im oberfränkischen Mistelbach haben Anwohner Blumen und Kerzen hinterlegt. In der Nacht zum Sonntag wurden Vater und Mutter von vier Kindern im Keller des Hauses erstochen aufgefunden. © NEWS5 / Fricke, NEWS5

Rosen, bunte Kerzen und ein kleines Schild mit der Frage "Warum???" liegen vor der Eingangstür des Einfamilienhauses im beschaulichen Mistelbach. Das sieben Kilometer südwestlich von Bayreuth gelegene Örtchen zählt rund 1500 Einwohner. Mitten unter ihnen hat sich in der Nacht auf Sonntag eine schreckliche Bluttat ereignet.

Anwohner hatten kurz vor 1 Uhr Hilfeschreie aus dem Wohnhaus gehört und den Notruf gewählt. Die herbeigeeilten Einsatzkräfte fanden im Keller zwei leblose Körper - einen 51-jährigen Kinderarzt und seine 47-jährige Ehefrau, die ebenfalls als Ärztin in der Region tätig war. Beide wiesen Stichverletzungen auf. Ihre vier Kinder befanden sich zur Tatzeit ebenfalls im Haus, sie blieben unverletzt.

Verdächtiger war Übernachtungsgast

Ein Großaufgebot fahndete nach dem Verdächtigen, einem 18-Jährigen, der sich am Sonntag gegen 4 Uhr morgens in Bayreuth der Polizei stellte und im Stadtgebiet festgenommen wurde. Inzwischen steht fest: Er war mit der jugendlichen Tochter der Opfer zusammen. Er habe Kontakt zur ältesten Tochter des Paares gepflegt und sei deswegen als Übernachtungsgast im Haus der Familie gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Zu einem möglichen Motiv und genauen Hintergründen der Tat machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Im Einfamilienhaus übernahm die Spurensicherung der Kriminalpolizei Bayreuth die Tatortarbeit. Warum es zu einem derartigen Gewaltausbruch kam, ist weiterhin Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Der Nordbayerische Kurier berichtet von Nachbarn, die zuletzt Streit und Ärger in der Familie wegen des Freundes der Tochter bemerkt hätten.

Im Keller eines Hauses in Mistelbach im Landkreis Bayreuth fand die Polizei die leblosen Körper eines Ehepaares. Beide wiesen Stichverletzungen auf. 

Im Keller eines Hauses in Mistelbach im Landkreis Bayreuth fand die Polizei die leblosen Körper eines Ehepaares. Beide wiesen Stichverletzungen auf.  © Fricke/News5

Motiv und weitere Hintergründe der Tat sind aber bislang noch unklar. Nicht alle Kinder hätten das schreckliche Geschehen im Haus mitbekommen, das Jugendamt habe sie in seine Obhut genommen, so die Polizei. Die Spurensicherung habe etliche Gegenstände sichergestellt, unklar blieb bislang, ob sich auch die Tatwaffe darunter befinde.

Der Festgenommene wurde am frühen Montagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl gegen den 18-Jährigen, der unter dringendem Verdacht steht, das Ehepaar ermordet zu haben. Er befindet sich nun in einer Justizvollzugsanstalt.

Vater war Arzt in Nürnberg

Der getötete Vater war ein bekannter Kinderarzt in Bayreuth und Neudrossenfeld und praktizierte von 2004 bis 2008 in einer Nürnberger Klinik. Auch die Mutter war Ärztin, sie soll zuletzt in einer Klinik in Bayreuth gearbeitet haben.

Das Entsetzen über die Tat ist nicht nur in Mistelbach groß: Auf der Facebook-Seite der Kinderarzt-Praxis des Getöteten meldeten sich seit Sonntag zahlreiche Menschen aus der Region, um ihr Beileid auszudrücken. Erst ein Wochenende zuvor, am 2. Januar, hatte ein anderes Drama im Landkreis Bayreuth für Entsetzen gesorgt: Ein 63-jähriger Mann hatte sich in einem Wohnhaus verbarrikadiert und gedroht, sich umzubringen. Als die Polizei die Wohnung stürmte, fand sie zwei Leichen. Der Mann hatte seine 74-jährige Ehefrau und sich selbst erschossen.


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