Legendär: Für leuchtende Kinderaugen gesorgt

Darum kauft die Stadt Forchheim jetzt das Haus mit der Fuchsen-Krippe

14.1.2022, 10:13 Uhr
Vor der Pandemie war die Fuchsen-Krippe einer der beliebtesten Höhepunkte des Forchheimer Krippenweges – und ließ nicht nur Kinderherzen höher schlagen.
 

Vor der Pandemie war die Fuchsen-Krippe einer der beliebtesten Höhepunkte des Forchheimer Krippenweges – und ließ nicht nur Kinderherzen höher schlagen.   © Archivbild: Roland Huber

Es ist ein Abschied, der Wilfried Damrau (70) sichtlich schwer fällt. Schließlich hatten er und seine aus Forchheim stammende Frau Brigitte über Monate hinweg das Baudenkmal vor dem Verfall gerettet. „Als wir es vor zwölf Jahren kauften, sagte man uns sogar, wir dürften den Bagger anrücken lassen.“ Aus der baufälligen Ruine haben die Damraus im Laufe des Jahres 2009 ein Schmuckstück gemacht. Auch mit Hilfe des Sohnes Mike Damrau, der zuletzt dort das Büro seines Malerbetriebes „Die Stadtstreicher“ hatte und dessen Ehefrau. Rund 300.000 Euro und aberhunderte Stunden eigener Muskelkraft hat sie das Faible für alte Gemäuer gekostet. Eine Leidenschaft, die sie auch bei ihrem Wohnhaus in Igensdorf, einem 300 Jahre alten Bauernhof, ausgelebt haben.

Doch auf das Geld kam es Wilfried Damrau nie an. Hatte er doch seit dem Verkauf seiner Firma für Unternehmensberatung mit insgesamt 14 Angestellten genügend davon. Statt der Kapellenstraße 2 mit dem Presslufthammer zu Leibe zu rücken, hat man das Vermögen gut angelegt. Dabei ist das Gebäude deutlich größer als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auf rund 350 Quadratmeter schätzt Wilfried Damrau die Räumlichkeiten, die sich über ein Erdgeschoss, zwei Stockwerke und ein ausgebautes Dach erstrecken. „Dort könnte man auch wunderbar wohnen. Alles ist auf dem neuesten Stand.“

Bereits zum zweiten Mal hat die Stadt nun das historische Anwesen in der Kapellenstraße erworben.
 

Bereits zum zweiten Mal hat die Stadt nun das historische Anwesen in der Kapellenstraße erworben.   © Peter Roggenthin

Dass der Traum von der Kapellenstraße 2 nun ausgeträumt ist, hat mit einem schrecklichen Verkehrsunfall vor sechs Jahren zu tun. Damals entgingen die Damraus nur knapp dem Tode. In der Folge mussten sie das Fotografieren, er hinter der Kamera, sie als Muse davor, und mithin auch das Fotostudio aufgeben. „Dafür hatten wir alle Stockwerke genutzt.“ Ein Umzug nach Forchheim oder eine Vermietung der Wohnungen kam aber auch nicht infrage – also Verkauf. Über den Preis will keine der beiden Parteien etwas Genaues sagen. Nur soviel: „Wir hatten ein deutlich höheres Angebot als das der Stadt,“ so Wilfried Damrau. Ihm sei es wichtig gewesen, dass die Fuchsen-Krippe erhalten bleibt.

Ähnlich sieht es auch die Stadt. „Selbstverständlich soll die Fuchsenkrippe weiterhin jedes Jahr der Öffentlichkeit zur Besichtigung zur Verfügung gestellt werden (leider war in 2021 aufgrund der Hygienevorschriften in der Corona-Pandemie die Öffnung für Besucher nicht realisierbar!). Weitere Nutzungsmöglichkeiten für das Objekt werden derzeitig verwaltungsseitig geprüft,“ erklärt Pressesprecherin Britta Kurth.

Die Kapellenstraße 2 als historisches Denkmal:

Wie man im „Häuserbuch Alt-Forchheim“ nachlesen kann, sind die Anfänge der alten Hausnummer 69 bis ins Jahr 1532 zurückzuverfolgen. Zwar nicht archivalisch, wie Reinhold Glas herausgefunden hat. Wohl aber durch eine Inschrift auf einem Sandstein-Quader im Kellergewölbe.

Dieses Archivfoto aus dem Jahre 1910 zeigt die Familie Fuchs vor (und in) ihrem Haus. Die Ursprünge des Anwesens reichen bis ins Jahr 1532 zurück.
 

Dieses Archivfoto aus dem Jahre 1910 zeigt die Familie Fuchs vor (und in) ihrem Haus. Die Ursprünge des Anwesens reichen bis ins Jahr 1532 zurück.   © Archiv Reinhold Glas

Damals liegt das Haus des Hans Stoltz noch „am Steinweg“, der über ein steinernes Pflaster das fürstbischöfliche Schloss mit der Martinskirche verbindet. Hier wohnen über die Jahrhunderte hinweg Stadtschreiber und Stadtrichter, Häcker (Weinbauer), Büttner (Fassmacher) und Schreiner.

1837 taucht erstmals die Familie Fuchs als Eigentümerin auf, deren Stammvater aus Neuses bei Ebermannstadt kommt. Bedeutendster Spross ist eben jener Vergoldermeister Georg Fuchs, dessen Kunstfertigkeit ihre Spuren auch in der Martinskirche und der Marienkapelle hinterlassen hat.

1994 kauft die Stadt erstmals das Anwesen. Über mehrere kurzfristige Eigentümer gelangt die Kapellenstraße 2 im Jahre 2009 an das Ehepaar Wilfried und Brigitte Damrau. Nun ist es wieder im städtischen Eigentum.

Eine kleine Geschichte der Fuchsen-Krippe:

Anfangs ist das mechanische Kleinod noch eine rein private Angelegenheit. Drei Jahre lang (1892-1894) tüfteln und werkeln der Vergoldermeister Georg Fuchs (1848-1909) und sein Sohn Heinrich Fuchs (1877-1932) an der weihnachtlichen Szenerie. Ein Räderwerk bewegt die Figuren, die Holz hacken, Wolle spinnen oder die Glocke läuten. Das andere bringt eine Walzenorgel in Schwung, die abwechselnd „Stille Nacht“ oder „Oh Sanctissima“ ertönen lässt.

Als Heinrich stirbt, trifft sein Bruder Karl Fuchs (1890-1981) eine folgenschwere Entscheidung. Der Stadtratssekretär modernisiert die unsichtbare Technik, indem er auf Elektrifizierung setzt. Und noch wichtiger: Er öffnet die bis dahin private Fuchsen-Krippe für die Öffentlichkeit. Bis 1970 dürfen sich vor allem die Kinder Forchheims am Anblick der Hirten und Handwerker ergötzen. Dann schließt die Attraktion auf zwölf Quadratmetern für fünf Jahre und eine erneute Modernisierung. Ab 1975 kümmert sich Schwiegersohn Andreas Fuchs (1932-1991) bis zu seinem Tod um den Familienschatz.

Dann verfällt das „Fuchsn-Krippela“ in einen erneuten, wenn auch nur kurzen Dornröschenschlaf. Martha Fuchs (1932-2015) überlässt 1994 der Stadt die Anlage als Leihgabe. Es entsteht ein Krippenweg durch Forchheim, zu dem auch die Fuchsen-Krippe gehört. Im Jahre 2012 wagen sich die Damraus an eine aufwendige Sanierung der vom Schimmel heimgesuchten Räume (für Krippe und das Aufsichtspersonal), die rund 3000 Euro verschlingt.

Was verbinden Sie mit der legendären Forchheimer Fuchsen-Krippe? Schicken Sie uns gerne Ihre schönsten Erinnerungen und/oder Fotos an die E-Mail-Adresse: redaktion-forchheim@pressenetz.de

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