Bayerischer Sonderweg

Kein 2G-plus: Wirte im Kreis Forchheim begrüßen die Entscheidung

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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14.1.2022, 06:00 Uhr
Eine Kundin zeigt vor der Kaffeerösterei Bogatz ihren Impfnachweis vor. Es bleibt auch in Forchheim bei 2G in der Gastronomie.
 

Eine Kundin zeigt vor der Kaffeerösterei Bogatz ihren Impfnachweis vor. Es bleibt auch in Forchheim bei 2G in der Gastronomie.   © Philipp Rothenbacher

"Das ist die absolut richtige Entscheidung – großes Lob dafür an die Staatsregierung", sagt Georg Rittmayer, Geschäftsführer der gleichnamigen Brauerei und Brauereigaststätte in Hallerndorf. Das Familienunternehmen betreibt auch ein Landgasthof-Hotel in Willersdorf, zudem ist Rittmayer Präsident des Verbandes der Privaten Brauereien in Bayern.

Der Verzicht auf die 2G-plus-Regel (Zutritt nur für geimpfte oder genesene Gäste mit tagesaktuellem negativen Test) im Gastgewerbe ist aus Rittmayers Sicht auch notwendig, um den ohnehin coronagebeutelten Wirtshäusern und Hotels das Leben nicht noch schwerer zu machen. "2G-plus würde den Tod der Landgastronomie bedeuten", meint Rittmayer.

"Die Gäste bleiben auch jetzt bei 2G schon genug aus, viele sind abgeschreckt und verunsichert", sagt der Brauer-Chef. Und im Freistaat habe die Gastronomie – vor allem auf dem Land mit seinen vielen Traditionshäusern und Brauereigaststätten – "nochmal einen ganz anderen Stellenwert als in anderen Bundesländern".

Die Einschränkungen bei der Nachtgastronomie und die Sperrstunde um 22 Uhr kann Rittmayer durchaus nachvollziehen, den 2G-plus-Beschluss aus Berlin allerdings nicht so ganz: "Wir haben bei uns in der Gastronomie schon höchste Hygienestandards" – und dann schaue man sich wiederum überfüllte U-Bahnen, Busse, Züge oder Flugzeuge an, wo bekanntlich das weniger strikte 3G gilt.

Kluft zwischen streng und locker

Ähnlich "ambivalent" sieht Kathrin Grüner, Lokalinhaberin des "Lübbis" in der Forchheimer Apothekenstraße, die aktuell geltenden Regelungen: "Einerseits freue ich mich natürlich, dass die Maßnahmen für uns Gastronomen nicht weiter verschärft werden", sagt sie, "denn das zusätzliche Testen würde sicher viele der Geimpften und Geboosterten – und sehr sehr viele meiner Kunden sind schon geboostert – davon abhalten, ins Restaurant zu gehen".

Andererseits ist Grüner aber auch der Meinung, "dass da einiges nicht so richtig zusammenpasst" – zum Beispiel die strenge Regelung für geschlossene Veranstaltungen: 2G-plus und maximal zehn Personen gelten hier. "Das ist eigentlich in der Gastronomie momentan der Haupt-Absagegrund, wir haben gerade für den Januar im Lübbis wieder zig Stornierungen von Geburtstagsfeiern erhalten", berichtet Grüner. "Dabei ist 2G-plus nicht das Problem: Sie sagen ab wegen der begrenzten Personenzahl."

Das kann auch Constanze Bogatz, Chefin der Kaffeerösterei in der Hornschuchallee bestätigen. "In den Restaurants etlicher Kollegen wurden schon die ganzen Weihnachtsfeiern storniert, viele Gastronomen sind gerade extrem am Knabbern." 2G-plus, da ist sie sich sicher, hätte zur Folge gehabt, dass auch im Bogatz die meisten Tische leer bleiben würden. "Einen tagesaktuellen Test, nur um als bereits Geimpfter oder Genesener einen Kaffee trinken zu gehen? Ganz ehrlich, da bleibt man doch lieber gleich daheim", meint Bogatz. Immerhin sei die große Mehrheit ihrer Stammkunden inzwischen geboostert.

Durch 2G verzeichnet das Café zwar bedeutend weniger Kundschaft als zuvor (geschweige denn vor der Pandemie). "Aber trotzdem sind wir natürlich erleichtert, dass die Regeln bei uns nicht weiter verschärft werden", sagt Bogatz.

Die Gäste bleiben aus

Doch auch wenn Bayern den 2G-plus-Weg in der Gastronomie nicht mitgeht, bleibt die Lage bei den meisten Betrieben angespannt bis prekär. "Viele leben vom Ersparten, überleben nur noch dank ihrer Rücklagen oder, wenn es sie gibt, von Staatshilfen", erklärt Georg Rittmayer.

Und an etlichen Häusern hänge ja noch mehr als der bloße Verkauf von Speisen und Getränken: "Wir haben Gaststätten mit angeschlossenen Hotels, das sind Ausbildungsbetriebe. Das Personal ist da und man will es ja auch halten, aber die Kunden bleiben aus." Rittmayer berichtet von einem Kollegen, der ein Hotelgasthaus leitet, das vor Corona rund 70 Gäste zum Mittagstisch begrüßen konnte. "Und jetzt sind es an guten Tagen vielleicht noch zwölf bis 15."

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