25-jähriger Mann muss sich verantworten

Messerangriff auf Taxifahrer am Bahnhof Forchheim: Täter steht vor Gericht

14.1.2022, 13:23 Uhr
Gerichtssaal

Gerichtssaal © colourbox

Es sind filmreife Szenen, die sich Ende Juli 2021 auf dem Bahnhofsplatz in Forchheim abspielen. Ein junger Mann mit einem Messer stürmt auf einen Taxifahrer los. Dabei erleidet dieser mehrere Stich- und Schnittverletzungen. Allerdings kann er den Angreifer überwältigen, der sich nun vor dem Landgericht Bamberg verantworten muss. Es geht um versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung; und um die Frage, warum es zu der blutigen Attacke gekommen ist.

Sich den Falschen als Opfer ausgesucht

Sein T-Shirt hat er sich „wie ein Beduine“ um den Kopf geschlungen. Nur seine Augen sind zu sehen. So schilderte es eine Zeugin, die auch gehört hat, wie er unverständliche Worte mit sich selbst gesprochen hat. In der rechten Hand hat der 25-jährige Iraner, nennen wir ihn Shayan, ein Klappmesser. Damit stürmt er um kurz vor 23 Uhr auf einen Taxifahrer los, der gerade von einer Tour zurückgekommen ist. Wie es das Schicksal will, hat sich Shayan allerdings den ganz Falschen ausgesucht.

Denn ein leichtes Opfer, das sich so einfach aufschlitzen lässt, ist der Taxifahrer nicht. Nach eigener Aussage war er Mitglied einer berüchtigten Spezialeinheit der irakischen Armee. Es kostet ihn erstaunlich wenig Mühe, den Angriff abzuwehren, auch wenn er dabei einige Stich- und Schnittverletzungen an den Händen, Armen und am Oberkörper davonträgt. „Er hat mich erwischt, einmal da und einmal da.“

"Der Junge war besoffen und dumm. Mit mir macht er sowas nicht"

Lebensgefährlich sind diese Wunden der zehn Zentimeter langen Klinge nicht, das bestätigte der Rechtsmediziner Gunter Raffelsbauer von der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch geblutet haben sie nicht allzu stark. Unversehens ist es Shayan, der im Liegen Kopfstöße und Faustschläge einstecken muss. Eine Zeugin hört so etwas wie „arabische Klagegesänge. Er hat ganz schlimm rumgeheult.“ Der Taxifahrer hat sein Gegenüber fest im Griff, bis die von Nachbarn herbeigerufenen Polizeibeamten den Messer-Mann festnehmen können. „Der Junge war besoffen und dumm,“ so der Taxifahrer. „Mit mir macht er sowas nicht.“ Vom Gerangel auf dem Boden tragen beide auch noch einige Schürfwunden davon.

Warum es zu dem Messerangriff kam, darüber rätselten der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt und seine Beisitzer lange Zeit. Um einen versuchten Raub handelte es sich jedenfalls nicht, hatte Shayan doch überraschenderweise 1000 Euro im Geldbeutel. Allerdings zeichnete sich im Laufe des ersten Verhandlungstages eine von den an dem Kampf Beteiligten nicht zur Sprache gebrachte Möglichkeit ab. Denn Shayan hat eine Schwester, die im Landkreis Forchheim lebt und mit einem iranischen Landsmann verheiratet ist. Offenbar verdächtigte er den Taxifahrer, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben. Darauf deuten seine im Getümmel gerufenen Worte hin: „Wieso hast Du das mit meiner Schwester gemacht?“ Dann wäre es ein geplanter Racheakt, um die sogenannte Ehre der Familie zu retten. Immerhin schrie der Taxifahrer in Rage den ebenfalls entlarvenden Satz zurück: „Wir sind hier in Deutschland und nicht im Iran.“

„Ich wollte niemanden angreifen und schon gar nicht töten“

Wenn man diese auch von Oberstaatsanwalt Michael Hoffmann in Erwägung gezogene Möglichkeit zugrunde legt, dann passen plötzlich viele lose Enden zusammen. Zum einen die Frage, was Shayan, der eigentlich in Kassel lebt, am Bahnhofsplatz in Forchheim zu tun hatte. Zum anderen, warum er ein Messer zur Hand hatte, das er angeblich in einem Flüchtlingslager in Gießen gefunden und danach wochenlang im Rucksack vergessen haben will. Die Klinge habe er nur zufällig dabei gehabt. „Ich wollte niemanden angreifen und schon gar nicht töten.“ Und dann zuletzt noch, wieso er im Laufe des Abends ziemlich viel Bier und Wein getrunken hatte. Vielleicht ja, um sich Mut anzutrinken.

Shayan selbst konnte oder wollte sich an den Vorfall jedenfalls nicht erinnern. Dabei hatte es zwei Stunden vor dem Angriff bereits ein Vorspiel gegeben. Als der junge Mann und zwei Bekannte mit der Bierflasche in der Hand zum Taxifahrer kommen, um von ihm irgendwohin gefahren zu werden, da lehnt der es ab, Shayan einsteigen zu lassen. Ob es nur darum geht, dass er sein Fahrzeug von dem Betrunkenen nicht vollkotzen lassen will, bleibt ungewiss.

Die Lage eskaliert

Auf jeden Fall eskaliert die Lage. Shayan stellt sich dem abfahrbereiten Wagen in den Weg, wirft seinen Rucksack auf die Motorhaube und fuchtelt mit dem Messer herum. „Es war wie ein Kinderspiel,“ so der Taxifahrer. „In der linken Hand hatte er eine Wodkaflasche, die er sich mehrmals gegen den Kopf schlug.“ Erst einer seiner Bekannten kann Shayan beruhigen und zur Bushaltestelle hinüberschieben. Später wird er noch einmal zum Messer greifen.

Am 21. Januar werden noch weitere Zeugen gehört, unter anderem die Schwester von Shayan, die hoffentlich mehr zum Motiv sagen kann. Außerdem wird der psychiatrische Sachverständige Dr. Thomas Wenske aus Erlangen klären, ob Shayan zur Tatzeit voll schuldfähig war. Mit einem Urteil ist im Laufe des Tages zu rechnen.