Viele Betriebe im Januar komplett geschlossen

Umsatzrückgang bis zu 80 Prozent: Gastronomen in der Fränkischen Schweiz haben zu kämpfen

14.1.2022, 07:57 Uhr
Das Gasthaus Sponsel in Kirchehrenbach hat durchgehend geöffnet, Corona hin oder her.
 

Das Gasthaus Sponsel in Kirchehrenbach hat durchgehend geöffnet, Corona hin oder her.   © Edgar Pfrogner, NN

Viele Gaststätten in der Fränkischen Schweiz haben traditionell im Januar Urlaub. Mike Schmitt aus Pretzfeld hat seinen Gasthof in Pretzfeld schon länger geschlossen. Schon als die Regel 3G-plus kam, merkte der Chef von Nikl-Bräu deutliche Umsatzeinbußen.

„Wir wollten neben dem Kellergeschäft eigentlich den Gasthof an drei Tagen aufmachen, aber die Hälfte der Gäste blieben weg“, so Schmitt, der aktuell nur an den Samstagen geöffnet hat, an denen Brauseminare stattfinden. Anders würde es sich nicht lohnen, Personal zu organisieren und frische Waren einzukaufen.

"Seit gut acht Wochen katastrophales Wetter"

„Dazu kommt, dass wir als Ausflugsziel seit gut acht Wochen ein katastrophales Wetter haben“, so Schmitt, der sonst viele Wanderer und Gäste des Wildparks Hundshaupten bei sich begrüßt. Schmitt beliefert 12 Gaststätten mit Bier, alle Kollegen haben enorme Umsatzeinbußen, deshalb rechnet er nicht damit, dass der Betrieb sich in Innenräumen bis März normalisiert und hofft auf die neue Kellersaison. Bis zum Start am Pretzfelder Keller soll die Küche umgebaut werden, damit das Team die Speisen besser vorbereiten kann und die Gäste nicht so lange warten müssen.

„Wenn das Wetter schön ist, machen wir im April auf“, so der Brauer. Wer werktags in der Fränkischen Schweiz essen gehen will, muss sich sehr genau über die aktuellen Öffnungszeiten informieren, viele Gasthöfe haben nur am Wochenende geöffnet. Eine Ausnahme: Das Wirtshaus Sponsel in Kirchehrenbach hat jeden Tag geöffnet. „Wenn ich häufig zu mache, brauche ich mich nicht beschweren, wenn weniger Umsatz gemacht wird“, ist Alexander Sponsels Credo.

Hauptaugenmerk auf dem normalen Betrieb im Wirtshaus

Sein Wirtshaus ist auch im Winter durchgehend geöffnet. Auch die Brennereiführungen mit Menü und Verkostung laufen weiter. „Aus Platzgründen haben wir das schon immer in kleinen Gruppen gemacht, also ändert sich daran nichts“, so Sponsel, der auch Speisen „to go“ anbietet, sein Hauptaugenmerk aber auf dem normalen Betrieb im Wirtshaus liegen hat.

Ein Namensvetter hat sein Haus auch noch regulär geöffnet: Günter Sponsel aus Oberfellendorf. Dienstag und Mittwoch ist Ruhetag, sonst hat der Gasthof geöffnet. Sponsel will seinen Gästen Verlässlichkeit bieten. „Wenn man zu oft zumacht, sind die Gäste verunsichert und wenn man dann rumtelefonieren muss, wer überhaupt noch offen hat, verliert man schnell die Lust“, so Günter Sponsel, der Kollegen gut verstehen kann, die lieber für einige Wochen schließen. Als Familienbetrieb habe er es etwas leichter als die Betriebe, die viele Angestellte haben.

Rund um den ersten Advent, als Omikron aufkam, kamen weniger Gäste, aber seitdem habe sich die Lage normalisiert. „Im Winter ist es immer ruhiger und wenn man im Sommer viel gearbeitet hat, freut man sich auch mal über einen ruhigeren Januar, dass man einen Schritt langsamer machen kann“, sieht Sponsel es positiv. „Die Situation ist, wie sie ist. Nicht ideal, aber ich will nicht jammern.“

Zu 100 Prozent in Kurzarbeit

Der Gasthof zur Post in Egloffstein hat im Januar und Februar komplett geschlossen. Das Team ist zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Die Entscheidung war schon gefallen, bevor 2G-plus auf Bundesebene verkündet worden war. In den vergangenen Monaten verzeichnete der Gasthof – im Vergleich zum Jahr der Wiedereröffnung 2019 – einen Umsatzrückgang von 80 Prozent. „Wir haben viele Gäste, die nicht in das 2G-Muster passen“, sagt Jessica Nebel, eine der sieben Angestellten: „Es ist ein tolles Team, das uns hoffentlich auch nach dem dritten Mal Kurzarbeit treu bleibt und diesen Wahnsinn mit uns durchsteht.“ Im März wollen sie wieder starten und hoffen darauf, dass es keine neuen Regeln gibt, die zu weiteren Einschränkungen für die Gastro führen.

„Die Leidenschaft geht verloren“, so Nebel, die Tochter der ehemaligen Inhaberin Erika Heid, die Auflagen und Dokumentationspflicht in der Gastro seit Kindesbeinen kennt und weiß: „Die Gastro ist eh keine Branche, in der man die fetten Gewinne macht.“ Besonders ärgert sie, dass sie immer noch auf die Überbrückungshilfen von Januar bis Mai 2021 warten, darunter neben den Fixkosten auch Zuschüsse für Investitionen in Lüfter, die wegen der Coronapandemie extra angeschafft worden sind. Das Team der Post hofft auf gutes Wetter im Frühjahr, damit die Wanderer auch vor Ostern schon fleißig in die Fränkische Schweiz kommen.

2 Kommentare