Lkw-Fahrer überrollt Radler

Amtsgericht Neumarkt: "So ein Unfall kann leider uns allen passieren"

12.1.2022, 11:20 Uhr
Wegen eines Unfalls mit einem Radfahrer stand ein Lkw-Fahrer in Neumarkt vor Gericht.

Wegen eines Unfalls mit einem Radfahrer stand ein Lkw-Fahrer in Neumarkt vor Gericht. © Symbolbild / K. Schmitt via www.imago-images.de

Von einer eher geringen Schuld seines Mandanten sprach Rechtsanwalt Helmut Heckel, der vor dem Amtsgericht Neumarkt einen Lkw-Fahrer vertrat, der am 29. März letzten Jahres einen Radler erfasst und schwer verletzt hatte.

Es geschah um die Mittagszeit an der nach neuesten Erkenntnissen der Verkehrsführung umgestalteten Lammsbräukreuzung in Neumarkt, und es war nicht der erste Unfall an dieser Stelle bei Minimalgeschwindigkeit und mit sehr schlimmen Folgen.

Erinnerungen gelöscht

Der Laster war aus der Hochschulbaustelle am Residenzplatz gekommen, von der Abtsdorfer Gasse nach rechts und dann nach links in den Mühlstraße abgebogen, um sich dann zum Rechtsabbiegen in die Amberger Straße einzuordnen. Der Radler hatte aus Richtung Mädchenrealschule die Kreuzung angesteuert und wollte geradeaus weiter in die Altdorfer Straße. Beide hielten bei Rot an.

Doch konnte der Radfahrer nicht mehr mit Gewissheit sagen, wo er gestanden hatte, als die Ampel auf Grün umsprang. Hatte er sich an der Haltelinie des Radwegs befunden oder war er möglicherweise auf die Insel rechter Hand ausgewichen? Er wusste es nicht mehr. Der Schock des Unfalls hatte die Erinnerungen gelöscht. Denn als er unter den Laster geriet, wurde ein Unterschenkel vom rechen Vorderrad des Lkw überrollt und mehrfach gebrochen. Nur mit viel Glück entgingen Kopf und Oberkörper dem zweiten Reifenpaar des dreiachsigen Fahrzeugs.

Um den Verletzten gekümmert

Er habe den Radfahrer nicht bemerkt, versicherte der Lkw-Fahrer. Weder habe er ihn über den Monitor der Heckkamera noch über die Spiegel gesehen und auch das laute Warnsignal habe sich nicht bemerkbar gemacht.

Er habe nur einen leichten Ruck verspürt und dann im Spiegel ein Bein und Teile des Fahrrades gesehen. Sofort sei er in die Eisen gestiegen, aus dem Fahrzeug geklettert und zusammen mit einer zufällig vorbei kommenden Krankenschwester habe er sich um den Verletzten gekümmert, bis der Rettungsdienst kam.

Auf Krücken angewiesen

Die Beinverletzungen des 74 Jahre alten Rentners waren kompliziert. Noch heute ist er auf Krücken angewiesen. Nach dem Unfall wurde er bis zum 18. Mai im Klinikum Neumarkt behandelt und dann für weitere acht Wochen in einem Klinikum in Regensburg.

Der Angeklagte beteuerte mehrmals, wie leid ihm der Vorfall täte und er bat das Opfer um Entschuldigung. Das hätte er schon früher getan, sei aber wegen Corona nicht ins Krankenhaus gelassen worden.

Nicht im Blickfeld

Ein Zeuge, der mit seinem Pkw hinter dem Lkw an der Ampel gewartet hatte, konnte mit Sicherheit auch nur die letzten Sekunden vor dem Unfall schildern. Vorher habe er den Radler nicht im Blickfeld gehabt. Für die Minuten danach deckten sich seine Aussagen mit denen des Lastwagenfahrers und einer weiteren Zeugin, die ihre Aussage bei der Polizei gemacht hatte, aber nicht vor Gericht erschienen war.

Unmittelbar nach dem Unfall war der Gutachter Christoph Brunner gerufen worden. Er ließ eine Drohne aufsteigen und schilderte anhand von Luftaufnahmen, wie sich seiner Ansicht nach das Unglück zugetragen haben könnte. Auch ihm gelang es nicht, dem 55-Jährigen die alleinige Schuld nachzuweisen. Es könne sein, dass sich der Radler trotz aller am Laster vorhandenen Sicherheitseinrichtungen für kurze Zeit in einem toten Winkel bewegt habe.

Geldauflage von 1000 Euro

So ein Unfall könne leider uns allen passieren, räumte Richter Rainer Würth ein und beschloss in Abstimmung mit Thomas Leykam, dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 1000 Euro an die Bürgerstiftung Neumarkt einzustellen. Der ursprüngliche Strafbefehl über 30 Tagessätze zu je 50 Euro wurde kassiert. Die vergleichsweise niedrige Zahl der Tagessätze sagt aber auch schon aus, dass die Staatsanwaltschaft von keiner allzu großen Schuld des bislang unbescholtenen Angeklagten ausgegangen war.


Hier geht es zu allen aktuellen Polizeimeldungen.


Keine Kommentare