Altenbetreuung

Caritas setzt künftig auf ein "Investorenmodell"

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27.7.2022, 18:55 Uhr
Hoher Besuch beim 50-jährigen Jubiläum des Caritas-Seniorenheims in Berching.

© Caritas, NNZ Hoher Besuch beim 50-jährigen Jubiläum des Caritas-Seniorenheims in Berching.

50 Jahre Caritas-Seniorenheim St. Franziskus und 300 Jahre Kloster in Berching: Das haben rund 40 geladene Gäste aus Caritas, Kirche und Politik gemeinsam mit etwa 20 Senioren in der Altenhilfeeinrichtung gefeiert.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zelebrierte gemeinsam mit Caritas-Präses Dompropst Alfred Rottler und dem Hausgeistlichen Pius Schmidt den Festgottesdienst. Beim Festakt fand vor allem eine Podiumsdiskussion statt, welche die Redakteurin der Eichstätter Kirchenzeitung, Gabi Gess, moderierte.

Im Gottesdienst trugen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung die Fürbitten vor.

Im Gottesdienst trugen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung die Fürbitten vor. © Caritas, NNZ

Bischof Hanke sagte in seiner Predigt in Anlehnung an das Tagesevangelium von den ungleichen Schwestern Maria und Marta, die Kirche brauche beide: diejenigen, die anderen Menschen dienen wie Marta, und jene, die auf das Wort Gottes hören wie Maria.

Durch den Dienst Zeugnis geben

An die Bewohner des Caritas-Seniorenheims gewandt erklärte der Bischof: „Sie, liebe Seniorinnen und Senioren, vertreten heute Maria: Sie sind offen für das Gespräch mit dem Herrn und stehen somit ganz in der Tradition dieses Caritas-Seniorenheimes sowie seiner klösterlichen Geschichte“.

Für die Mitarbeiter kommt es nach den Worten Hankes wie für alle Caritas-Beschäftigten nicht nur darauf an, Not zu lindern, wie es viele Nichtregierungsorganisationen tun. Es sei vor allem wichtig, dass sie durch ihren Dienst Zeugnis geben, „dass das Reich Gottes als neue Wirklichkeit hier bereits ein Stück weit spürbar wird“.

Caritasdirektor Alfred Frank ging in seinem Grußwort zunächst auf das „düsterste Kapitel“ des Seniorenheimes Berching ein, als im Herbst 2020 innerhalb von drei Wochen 26 Bewohner verstarben, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt hatten. Er betonte aber auch, dass es der Einrichtung gelungen sei, trotz aller Engpässe die Versorgung aufrechtzuerhalten, „auch weil Caritas-Mitarbeitende aus anderen Seniorenheimen solidarisch waren und aushalfen“.

Beeindruckt zeigte sich Frank vor allem vom mit Spenden finanzierten Sinnesgarten des Seniorenheimes. Dieser sei vor allem für Menschen mit Demenz sowie psychischen Beeinträchtigungen besonders bedeutend.

Welchen Gestaltungsspielraum hat die Kreis- und Kommunalpolitik für das Angebot für alte Menschen? Das wollte Moderatorin Gabi Gess von Landrat Willibald Gailler wissen.

Gailler: Das Image muss geändert werden

Für diesen kommt es darauf an, eine gesunde Mischung aus ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten zu haben. Gailler erhofft sich zudem Impulse von der neu gegründeten Akademie für Gesundheitsberufe in Neumarkt. Es müsse vor allem das Image hin zu einem spannenden und interessanten Beruf geändert werden, so der Landrat.

Darauf angesprochen, ob die Caritas-Seniorenheime mit Blick auf Corona bald wieder mit Sorge auf den Herbst und Winter blicken müssten, meinte die für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiterin, Hedwig Kenkel: „Wir sind alle gut aufgestellt, was Schutz- und Hygienemaßnahmen betrifft.“

Doch Kenkel sorgt sich um die Personalsituation. Corona habe nicht nur viele Mitarbeitende selbst angesteckt, sondern viele auch ausgelaugt. Aus beiden Gründen könnten bei einer neuen Welle erneut Beschäftigte ausfallen, „und das macht mir große Sorgen“.

Impfquote noch gering

Vor dem Hintergrund, dass die Impfquote in der Bevölkerung nach wie vor niedrig sei, appellierten Kenkel sowie auch Caritasdirektor Alfred Frank an Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, dies zu tun.

Angesichts rückläufiger Kirchensteuermittel, die früher auch in hohem Maße Neubauten und Sanierungen von Caritas-Seniorenheimen zugutekamen, deutete Caritasdirektor Frank einen Strategiewandel hin zu einem „Investorenmodell“ an: „Ein Investor stellt einen Neubau hin und wir mieten und betreiben ihn. Aus eigener Kraft funktioniert das nicht mehr“, stellte Frank klar.

Für idealer hält Frank eine Lösung, wie es sie in Freystadt und Gaimersheim bereits gibt: Dort gehören die Seniorenheime der Kommune und die Caritas betreibt sie. „Das wäre optimal“, so der Caritasdirektor.

Einrichtungsleiter Gerhard Binder machte auf die gravierende Änderung beim Altersdurchschnitt mit der Zeit in seinem Haus aufmerksam: „Vor 50 Jahren lag dieser bei 72 Jahren, heute liegt er bei 90.“

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