Schulabschlussfeier mit Folgen

Junger Hasch-Konsument landet in Neumarkt vor Gericht

13.1.2022, 12:05 Uhr
Ein junger Mann stand wegen Drogenkonsums in Neumarkt vor Gericht.

Ein junger Mann stand wegen Drogenkonsums in Neumarkt vor Gericht. © Philip Hauck

„Haschu Haschisch in der Tasche, haschu immer was schu nasche“ lautete ein Nuschelreim aus der Zeit, als das Kiffen hierzulande allmählich aufkam. Wenn es nach den Plänen der neuen Bundesregierung geht, werden sich die Gerichte bald nicht mehr mit kleinen Mengen dieses Naschwerks und Marihuana beschäftigen müssen.

Aber noch ist auch der Besitz von wenigen Gramm des Krauts strafbar und wird in Bayern auch geahndet, wenn einschlägige Eintragungen im Bundeszentralregister vorliegen.

Abschlussprüfung in Mathe vergeigt

So war das bei einem jungen Mann der Fall, der am 30. Juli letzten Jahres kurz vor Mitternacht bei einer Schulabschlussfeier am Bögl-Weiher von der Polizei mit 1,6 Gramm Gras erwischt wurde. Es war ohnehin ein gebrauchter Tag für ihn, denn er hatte die Abschlussprüfung in Mathe vergeigt. Sein Anwalt Gunther Kellermann vermutete, dass der 18-Jährige aus Frust wieder zur Droge gegriffen hatte. Davon war er eigentlich weg. Eine Therapieauflage nach dem letzten Gastspiel vor dem Jugendgericht hatte er erfolgreich absolviert.

Der Angeklagte hatte es noch nie leicht im Leben, erzählte Natallja Welzel von der Jugendgerichtshilfe. Familiäre und psychische Probleme machten ihm zu schaffen. Deshalb regte sie auch an, ihn nach dem Jugendstrafrecht zu beurteilen.

Drei einschlägige Einträge

Das tat Staatsanwältin Anna Biberacher auch. Sie sprach von einer geringen Menge einer weichen Droge, weigerte sich aber, der Anregung Kellermanns zu folgen, das Verfahren einzustellen. Die drei einschlägigen Eintragungen im Bundeszentralregister ließen das nicht zu. Eigentlich sei sogar ein Arrest fällig, aber ausnahmsweise sollte es eine Geldauflage von 700 Euro auch tun, sowie die Verpflichtung, einen Kurs für junge Leute zu besuchen, die mit Drogen in Kontakt gekommen sind und sich ein Jahr lang jeden Monat einem Drogenscreening zu unterziehen.

Die Geldauflage sei, so Kellermann, zu hoch angesetzt, Drogentests überflüssig, weil sein Mandant den Führerschein machen wolle und dafür sowieso nachweisen müsse, dass er clean geblieben ist. Den „Fred“ genannten Kurs befürworte er.

400 Euro Geldauflage

Der neue Jugendrichter Gerrit Stadler ging mit der Geldauflage auf 400 Euro herunter. Profitieren wird davon das Pädagogische Zentrum Parsberg. Auch Stadler hält den Fred-Kurs für sinnvoll. Darüber hinaus müsse der junge Mann in den nächsten sechs Monaten drei Speichelproben abliefern. Eine längere Laufzeit und eine engmaschigere Überprüfung sei derzeit schwierig. Die Labors seien wegen Corona ausgelastet.

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