Fundbüros geben Auskunft

Das sind die spektakulärsten und kuriosesten Fundstücke

13.1.2022, 09:07 Uhr
Geldbörsen landen regelmäßig in den Fundbüros der Kommunen. Den Findern stehen fünf Prozent Finderlohn zu, wenn sich darin bis zu 500 Euro befinden, wenn es um mehr Geld geht, gibt es noch drei Prozent Belohnung.

Geldbörsen landen regelmäßig in den Fundbüros der Kommunen. Den Findern stehen fünf Prozent Finderlohn zu, wenn sich darin bis zu 500 Euro befinden, wenn es um mehr Geld geht, gibt es noch drei Prozent Belohnung. © photophonie/stock.adobe.com

Kaum vorstellbar, was alles auf den Straßen, in Gaststätten, Behördenräumen und Veranstaltungssälen liegen bleibt: Geldbeutel, Jacken, Mützen, Schlüssel, Kredit- und EC-Karten, außerdem Handys, Schmuck und - ein neuer Trend - Hörgeräte.

Ehrliche Finder gehen mit den Fundstücken zur Polizei oder geben sie beim Fundamt ihrer Kommune ab, die sie dann einlagert, bis sich irgendwann einmal der Eigentümer meldet. Nicht von der Marktgemeinde eingelagert allerdings wurde der spektakulärste Fund, den das Feuchter Fundbüro je registriert hat: Geldbündel im Gesamtwert von 8000 Euro, die ein Feuchter Bürger vor einigen Jahren in der Nähe der Raiffeisenbank fand und umgehend zur örtlichen Polizei brachte. Die Scheine weckten natürlich das Interesse der Ermittler. Sie wurden von der Kripo genau unter die Lupe genommen, weil zunächst der Verdacht im Raum stand, dass es sich bei dem Geld um Blüten handeln könnte. Es stellte sich aber schnell heraus, dass sämtliche Scheine echt waren.

Die Polizei verständigte dann das Fundbüro in Feucht und teilte mit, dass der Fund zunächst im Tresor der Inspektion verwahrt wird. Der Finder hatte zu diesem Zeitpunkt einen Anspruch auf einen Finderlohn in Höhe von drei Prozent, also 240 Euro. Allerdings hat sich der Eigentümer des Geldes nie gemeldet, weder bei der Polizei noch beim Fundamt. Deshalb durfte sich der ehrliche Finder nach sechs Monaten darüber freuen, dass das gefundene Geld in sein Eigentum überging.

Top-Ten der Fundstücke

Damit die Öffentlichkeit auf dem Laufenden ist, was derzeit im Fundbüro zur Abholung bereit liegt, macht die Stadt Altdorf eine monatliche Zusammenstellung und veröffentlicht diese regelmäßig im Stadtblick. Bei den Top-Ten der Fundstücke stehen Fahrräder ganz obenan. Wobei die aufgefundenen Drahtesel eigentlich nicht die typischen Fundstücke sind, die der Eigentümer dringend zurückhaben will. Vielmehr werden in Altdorf wie in den Nachbarkommunen die meisten Fundfahrräder von ihren Eigentümern offenbar einfach entsorgt, indem man sie an den Bahnhöfen oder sonst wo stehen lässt. Mitarbeiter des Bauhofs sammeln sie dann ein.

Fahrräder, Handys und Schlüssel stehen auf der Altdorfer Fundstücke-Liste immer ganz oben, berichtet Axel Rupprecht vom Fundamt. Außergewöhnliches ist eher selten unter der Fundstücken, sieht man einmal von der Motorsäge ab, die vor einigen Monaten abgegeben wurde und für die sich dann lange Zeit kein Eigentümer meldete. Während über viele Jahre in erster Linie Räder und Schlüssel abgegeben wurden, beobachtet Rupprecht, dass in jüngerer Zeit immer mehr Hörgeräte im Fundamt landen. Denselben Trend sieht man in Feucht, wo Amrei Noä von der Pressestelle des Rathauses einen direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sieht: „Die älteren Leute ziehen ihre Masken ab und verlieren dabei ihr Hörgerät, ohne dass sie es sofort bemerken“, sagt Noä.

Schmuck und Schlüssel

Apropos bemerken: Unter den Fundstücken in den Fundämtern tauchen auch immer wieder Schmuckstücke auf, hauptsächlich Ketten, an denen der Verschluss offenbar schadhaft war, Ringe, die ihren Eigentümerinnen von den Fingern rutschten, und Ohrringe, die sich unbemerkt lösten. Schmuck ist allerdings weit weniger häufig unter den Fundstücken wie beispielsweise Schlüssel. „Unglaublich, wie viele Hausschlüssel, aber auch Autoschlüssel bei uns abgegeben werden“, sagt Jochen Tratz vom Burgthanner Fundamt. Sieben der jüngsten 16 Fundgegenstände im Fundbüro in Burgthann sind Schlüssel.

Die Burgthanner halten es wie ihre Nachbarn: Wenn sich nach sechs Monaten kein Eigentümer meldet und der Finder keinen Anspruch darauf erhebt, spenden sie die Fundstücke für karitative Zwecke oder entsorgen sie. Jeder Finder hat Anspruch auf einen Finderlohn. Der beträgt fünf Prozent des Wertes, den der Fundgegenstand hat. Ist das Fundstück allerdings mehr als 500 Euro wert, dann sinkt der Finderlohn auf drei Prozent. Bei Bargeld ist die Ermittlung der Belohnung einfach, bei Schmuck ist das schon schwieriger und vollends unmöglich wird es bei Schlüsseln oder EC-Karten. Hier ist der ehrliche Finder dann auf den guten Willen des Eigentümers angewiesen.

Gebiss ohne Eigentümer

Gesetzlich geregelt ist jedenfalls der Übergang des Eigentumsrechts auf den Finder, wenn sich der Eigentümer nach sechs Monaten nicht gemeldet hat - wie im Falle des 8000 Euro-Funds in Feucht, mit dem die Marktgemeinde den spektakulärsten Fall der vergangenen Jahre hatte. Und sie hat auch den kuriosesten Fundsachen-Fall: Amrei Noä erzählt von einem im Fundamt abgegebenen Gebiss, das bei den Mitarbeiterinnen im Amt für Erstaunen und Heiterkeit gleichermaßen sorgte. Ein Eigentümer hat sich niemals im Fundbüro gemeldet. „Der muss sich jetzt wohl anders durchs Leben beißen“, kommentiert Noä.