Secondhandladen muss ausziehen

Hakuna Matata? - Der Karatu-Markt sucht neues Zuhause

14.1.2022, 18:20 Uhr
Ehrenamtliche Mitarbeiterin Ursula Balling (rechts) mit einer Kundin, die regelmäßig zum Stöbern in den Karatu-Markt kommt und dort immer wieder verborgene Schätze entdeckt.

Ehrenamtliche Mitarbeiterin Ursula Balling (rechts) mit einer Kundin, die regelmäßig zum Stöbern in den Karatu-Markt kommt und dort immer wieder verborgene Schätze entdeckt. © Antonia Kourtides

Seit etwas mehr als 20 Jahren verkauft der Karatu-Markt in der Oberen Brauhausstraße 2 in Altdorf gut erhaltene, abgegebene Waren gegen eine Spende weiter. Geschirr, Kinderspielzeug, Modeschmuck, Gesellschaftsspiele, es gibt viel zu stöbern in dem Secondhand-Laden. Wer fündig wird, tut dabei noch etwas Gutes. Denn die Einnahmen fließen in Projekte im 6300 Kilometer entfernten Karatu in Tansania. So soll es auch die kommenden Jahre weitergehen. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Seit Dezember suchen Margarete Kern und ihr Team eine neue Bleibe für das Geschäft. Denn Helga Strehl, die Besitzerin des Hauses, die zuvor in den Räumen mit ihrem Mann eine Apotheke führte und den Karatu-Markt mitbegründete, zieht aufgrund gesundheitlicher Probleme aus, nun soll das Gebäude verkauft werden. Für ihre Verdienste in der Partnerschaftsarbeit wurde sie 2013 mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. Derzeit übernimmt Kern zumindest für die Übergangsphase die Leitung des Ladens.

Doch um eine geeignete Immobilie für den Laden zu finden, bleibt wenig Zeit. Genauer gesagt bis Ende März, und bisher verläuft die Suche schwierig, wie Kern erzählt. „Sie muss mit dem Auto gut erreichbar sein, zentrumsnah und bezahlbar“, sagt sie. Bisher mussten sie nur eine geringe Miete, mit der vor allem die Nebenkosten gedeckt wurden, zahlen. Mit der Stadt sei man im Austausch. „Sie stehen uns zur Seite“, sagt Kern. Passende Immobilien hätten sie aber leider keine. Auch das Dekanat kann keine Räume dauerhaft bereitstellen. Das Dekanat zu fragen, „war das erste, was wir gemacht haben“.

240 000 Euro in zwölf Jahren

Die Verkaufserlöse des Karatu-Marktes werden monatlich als Spende verbucht und auf ein Konto des Dekanats Karatu überwiesen. Durch den ständigen Kontakt und engen Austausch mit den Verantwortlichen in Tansania können sie in Altdorf genau verfolgen, was mit dem Geld geschieht. Vorrangig kommt es dem Karatu-Hospital zugute. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit konnten dort über die Jahre schon viele Anschaffungen getätigt werden.

In den ersten zwölf Jahren des Secondhand-Ladens bekam das Krankenhaus so eine neue Telefonanlage, einen Kühlraum für Verstorbene, Operationsleuchten, neue Matratzen und einen Sterilisator. Auch ein Ärzte- und Schwesternhaus wurde dank Spendengeldern gebaut, die in dieser Zeit etwa 240 000 Euro umfassten. Die folgenden Jahre bauten sie zwei Kindergärten, bevor sie sich wieder dem Krankenhaus widmeten. Denn Heriel Zacharia, dessen Medizinstudium der Altdorfer Karatu-Markt mit insgesamt 30 000 Euro finanzierte, wurde Chefarzt im Karatu-Hospital. Damit die Partnerstadt Karatu auch weiterhin unterstützt werden kann, braucht der Secondhand-Laden eine neue Bleibe.

Gerade die Spenden aus der Wallensteinstadt sorgen für eine gute medizinische Versorgung im Karatu-Hospital in Tansania.

Gerade die Spenden aus der Wallensteinstadt sorgen für eine gute medizinische Versorgung im Karatu-Hospital in Tansania. © Archiv

Kern hofft auch auf die Hilfe der Altdorfer. „Es wäre toll, eine Person zu finden, die uns eine Räumlichkeit bereitstellt. Auch wenn es nur für den Übergang ist“, sagt sie, „dafür wären wir unglaublich dankbar“. Denn wenn sie bis Ende März keine neue Zuhause finden, müsste der Karatu-Laden zumindest vorübergehend schließen.

Eine Institution in Altdorf

Das wäre laut Kern nicht nur wegen der fehlenden Spenden an die Partnerstadt schade, sondern vor allem wegen der Nachhaltigkeit, die der Laden fördert und die heutzutage immer wichtiger werde. „Das wollen wir auch weiter ermöglichen“, erzählt Kern. Derzeit arbeiten im Laden sechs ehrenamtliche Mitarbeitende und eine Springkraft. Eine von ihnen ist Ursula Balling. Sie engagiert sich schon seit 2004 im Karatu-Markt und erzählt, dass für sie und die anderen Ehrenamtlichen eine wichtige Aufgabe wegfalle, falls der Laden schließen müsste. Es wäre auch schade, wenn die Altdorfer künftig keinen Ort mehr hätten, an dem sie gebrauchte Gegenstände aller Art abgeben könnten. „Wir sind in Altdorf eine Institution geworden“, bestätigt Kern. Sie hofft darauf, bis Ende März ein neues Zuhause für den Laden zu finden. Ziel sei es auch, dass das Geschäft dann wieder eigenständig arbeitet. Kern könne „Internes nicht dauerhaft regeln“, sie sei eigentlich zuständig für die Partnerschaft mit dem Karatu-Dekanat.