Gaspreise steigen weiter

Teurer Winter

12.1.2022, 14:33 Uhr
Vielerorts haben die Gaspreise für Verbraucher im neuen Jahr deutlich angezogen. Besonders betroffen sind Kunden von Billiganbietern.

Vielerorts haben die Gaspreise für Verbraucher im neuen Jahr deutlich angezogen. Besonders betroffen sind Kunden von Billiganbietern. © FedotovAnatoly/stock.adobe.com

Seit Monaten steigen die Gaspreise an. Im November flatterten dann bei vielen Briefe mit Preiserhöhungen zum 1. Januar 2022 ins Haus. Bei Kunden von Billiganbietern wie „gas.de“ oder „immergrün“ gar eine Kündigung. Die müssen den Winter zwar nicht in der kalten Stube verbringen, aber je nach Wohnort mit deutlich höheren Preisen rechnen. Denn Grundversorger wie Gemeinde- und Stadtwerke sind gesetzlich verpflichtet, die Versorgung zu übernehmen. Manche von ihnen reagieren darauf mit Preiszuschlägen für Neukunden.

„Das ist nicht unser Weg“, sagt Raimund Vollbrecht, Geschäftsführer der Gemeindewerke Feucht, die auch für Schwarzenbruck zuständig sind. Dort gelten für Neu- und Bestandskunden die gleichen Tarife. Dennoch sind auch sie von den hohen Preisen betroffen. Vollbrecht nennt die Situation an den Energiemärkten einen „Ausnahmezustand“. Im Gegensatz zu den Billiganbietern sind die örtlichen Energieversorger aber besser auf Preisschwankungen vorbereitet. 

Billiganbieter und Grundversorger verfolgen unterschiedliche Strategien, wie sie das Gas der Kunden einkaufen. Erstere kaufen zu Marktpreisen ein. Wenn der Gaspreis niedrig ist, können sie billige Angebote machen. Laut Vollbrecht locken die Billiganbieter die Kunden auch mit Sonderbonuszahlungen. Im ersten Vertragsjahr sparen die meisten dann tatsächlich, aber bereits im darauf folgenden Jahr ziehen die Preise an und von dem gesparten Geld bleibt meist nichts übrig. „Wenn die Preise so dermaßen ansteigen, bricht das Kartenhaus zusammen“, erklärt Vollbrecht. Die Unternehmen werden zahlungsunfähig, kündigen günstige Verträge, erhöhen ihre Preise oder werden insolvent.  

Im Gegensatz dazu beschaffen die Gemeindewerke das Gas schon weit vorher. „Das Gas für 2022 beispielsweise kaufen wir seit 1,5 Jahren scheibchenweise“, sagt Vollbrecht. So werden Schwankungen abgefedert. Dabei wird aber mit der Anzahl der Bestandskunden kalkuliert. Kommen, wie in den vergangenen Monaten, viele Neukunden aufgrund von pleite gegangenen Billiganbietern dazu, müssen auch sie teuer nachkaufen. Für viele Grundversorger entsteht daraus die Konsequenz, Neukunden teurere Tarife anzubieten.

Feuchter Gemeinde Werke erhöhen die Gaspreise

In Feucht und Schwarzenbruck gibt es zwar einen einheitlichen Tarif für Bestands- und Neukunden, die Preise haben sich im neuen Jahr aber auch hier erhöht. Der Preis pro Kilowattstunde erhöht sich um 1,67 Cent von 6,17 auf 7,84 Cent im Tarif M. „Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 15 000 Kilowattstunden ergibt sich eine monatliche Mehrbelastung von circa 20 Euro“, sagt Vollbrecht. Gründe für den starken Anstieg gäbe es mehrere. Die Preise werden zum einen durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Derzeit wäre die Nachfrage sehr hoch, aber die Speicherbestände nicht ausreichend voll. „Das Wetter spielt uns in die Karten. Bei strengem Frost wäre die Nachfrage noch mehr gestiegen“, sagt Vollbrecht. Zum anderen kämen „die politischen Verlautbarungen rund um die Inbetriebnahme der North Stream-2 Pipeline“ dazu. So entstünde auf dem Markt Unsicherheit. Denn eine baldige Entlastung durch mehr Gaslieferung bliebe so aus. Dazu kommt der Anstieg der CO2-Steuer, die zu Neujahr erhöht wurde.