Rück- und Ausblick

Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger im Interview: Das sind die Pläne für 2022

9.1.2022, 10:00 Uhr
Richard Reisinger, Jahrgang 1964, stammt aus Sulzbach-Rosenberg. Nach dem Abitur 1983 wurde er Diplom-Finanzwirt (FH) und Beamter im gehobenen Dienst der bayerischen Finanzverwaltung. Zusätzlich zu seiner Berufstätigkeit absolvierte er ein Lehramtsstudium und war ab 1999 Gymnasiallehrer für die Fächer Englisch und Französisch am Herzog-Christian-August-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg. Für die Kommunalwahl im März 2008 wurde er von der CSU als Kandidat für das Amt des Landrats im Landkreis Amberg-Sulzbach aufgestellt und setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Armin Nentwig (SPD) durch. 2014 wurde er gegen zwei Mitbewerber wiedergewählt. Auch im März 2020 siegte der beliebte Politiker im ersten Wahlgang.

Richard Reisinger, Jahrgang 1964, stammt aus Sulzbach-Rosenberg. Nach dem Abitur 1983 wurde er Diplom-Finanzwirt (FH) und Beamter im gehobenen Dienst der bayerischen Finanzverwaltung. Zusätzlich zu seiner Berufstätigkeit absolvierte er ein Lehramtsstudium und war ab 1999 Gymnasiallehrer für die Fächer Englisch und Französisch am Herzog-Christian-August-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg. Für die Kommunalwahl im März 2008 wurde er von der CSU als Kandidat für das Amt des Landrats im Landkreis Amberg-Sulzbach aufgestellt und setzte sich in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Armin Nentwig (SPD) durch. 2014 wurde er gegen zwei Mitbewerber wiedergewählt. Auch im März 2020 siegte der beliebte Politiker im ersten Wahlgang. © Foto: Landratsamt

War die Corona-Pandemie das vorherrschende Thema im Landratsamt?

Reisinger: Die Pandemie war leider erneut das dominierende Thema im Frühjahr, Herbst und Winter. Lediglich im Sommer war uns eine kurze Rückkehr zu etwas mehr Normalität vergönnt. Unabhängig davon mussten natürlich auch alle anderen üblichen Aufgaben unseres Amtes bedient werden.

Wie sind Sie zufrieden mit der Organisation der Impfungen?

Reisinger: Mit der Organisation der Impfungen haben wir unseren BRK-Kreisverband beauftragt. Die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und BRK läuft reibungslos und professionell. Natürlich gab es hin und wieder technische Probleme, vor allem in der Anfangsphase. Bedenkt man aber, dass es sich dabei um eine Großaktion noch nie dagewesener Dimension handelt, müssten die meisten Bürgerinnen und Bürger schon zufrieden gewesen sein. Wir haben Impfungen stationär in den Impfzentren angeboten, mobil vor Ort und in den Senioren- und Behinderteneinrichtungen. Zudem wurde das Impfen in den Arztpraxen im Laufe des Jahres hochgefahren, wo es meiner Meinung ja auch letztendlich angesiedelt sein sollte.

Wie ist im Landkreis die Impfbereitschaft?

Reisinger: Dass ich im Sommer trotz Anratens vieler Stellen das Impfzentrum in Sulzbach-Rosenberg nicht geschlossen habe, hat sich wohl mehr als bewährt. Derzeit können wir zusammen mit der Stadt Amberg in unseren Impfzentren wöchentlich insgesamt über 7000 Impfungen anbieten. Bezüglich der Impfbereitschaft mussten wir am Anfang einen großen Ansturm bewältigen und einige mit Verweis auf die Priorisierung vertrösten. Dann kam eine Art Sommerloch, wo wir nachdrücklich für Impfungen geworben haben. Mit dem Einsetzen der Booster-Impfungen im Herbst stieg die Nachfrage erneut stark an, vor allem ab dem Zeitpunkt, wo es für Ungeimpfte zunehmend mehr Restriktionen gab.

Von Personalmangel in der Pflege kann man oft hören oder lesen, sind die Amberg-Sulzbacher Krankenhäuser personell noch gut aufgestellt?

Reisinger: In den beiden Landkreiskrankenhäusern ist die personelle Besetzung erfreulicherweise sehr stabil und das über alle Berufsgruppen hinweg. In der Pflege können überwiegend vollbesetzte Stellenpläne ausgewiesen werden. Dies ist wohl eine signifikant andere Lage als sie in vielen anderen Krankenhäusern in Deutschland derzeit zu verzeichnen ist.

Was könnten die Gründe für die Treue des Pflegepersonals in den Kreiskrankenhäusern sein?

Reisinger: Ich denke, dass unterschiedliche Gründe eine Rolle spielen. Da ist zunächst die hohe persönliche Verbundenheit mit den beiden Häusern zu nennen. Viele Pflegende haben bereits die Ausbildung im Unternehmen absolviert und bleiben ihren Krankenhäusern bis zum Ruhestand treu. Dies ist gerade in der Pflege bei weitem keine Selbstverständlichkeit mehr und hat bestimmt auch mit der besonderen und positiven Arbeitsatmosphäre in unseren Landkreiskrankenhäusern zu tun. Ein weiterer Grund ist die eigene Berufsfachschule für Pflege. Das Kommunalunternehmen kann damit in der Pflege seinen eigenen Nachwuchs ausbilden und gibt nach der Ausbildung auch eine Übernahmegarantie. Nicht zuletzt hat vielleicht auch der Landkreis als Träger seinen Anteil daran.

Welche Möglichkeiten der Nachnutzung für das frühere Personalwohnheim neben der St. Johannes Klinik stehen im Raum?

Reisinger: Für das Gebäude wäre eine langfristige Lösung wünschenswert, die zum Standort St. Johannes Klinik passt und diesen bestenfalls konzeptionell ergänzt. Hierzu gibt es aktuell unterschiedliche Optionen, die aber noch nicht vollständig bewertet werden können. Die grundsätzliche Entscheidung, dass eine Nachfolgenutzung angegangen wird, ist aber bereits getroffen worden. Ich hoffe, Ende 2022 konkreter sein zu können!

Gab es für Sie im Sommer ein paar Urlaubstage zum Entspannen?

Reisinger: Es gab sie in der Tat, aber sie wurden immer wieder unterbrochen durch einschlägige Videokonferenzen zur Pandemie-Thematik. Nebenher lief ja auch bereits der Bundestagswahlkampf, was auch für mich mit gewissen Präsenzpflichten verbunden war. Dennoch konnte ich etwas mit meinem E-Bike unterwegs sein, im heimischen Wald walken und Freunde treffen. Weggefahren bin ich nicht, weil für einen Landrat, der von Amts wegen viel unterwegs ist, das ungestörte "Daheim-sein-dürfen" der exotischste und schönste Urlaub ist!

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit, die mangels großer Veranstaltungen nicht mehr so knapp sein dürfte wie vor Corona?

Reisinger: Dass Corona mehr Freizeit mangels Veranstaltungen bescheren würde, dachte ich am Anfang auch, und die ersten Wochen war es so. Dies kehrte sich dank oder wegen der Digitalisierung sehr schnell zum Gegenteil um. Plötzlich hagelte es von allen Seiten Videokonferenzen mit dem Schwerpunkt Pandemie, die oftmals mit wenigen Stunden Vorlauf angekündigt wurden. Auch viele Vereine und Verbände haben da sehr schnell umgestellt und ihre Hauptversammlungen virtuell ausgerichtet; selbst Neujahrsempfänge waren plötzlich auf dem Bildschirm. Das Arbeitspensum war sehr schnell wieder dasselbe, nur eben keine Festzüge, keine Vereinsabende, keine Konzerte, keine Bauerntheater, sondern im Büro oder zuhause alleine vor dem Bildschirm. Dafür brauchte es keine Krawatten und Anzüge, sondern umso mehr Geduld für oft stundenlange Videoformate.

Welches waren Ihre persönlichen politischen und privaten Höhepunkte in 2021?

Reisinger: Es waren weniger einzelne große Höhepunkte als vielmehr so manch kleines Erfolgserlebnis im politischen als auch privaten Bereich, an dem ich mich erfreuen durfte. Will heißen, so ein richtiggehendes Highlight fällt mir spontan nicht ein.

Landrat Richard Reisinger hofft, dass bis Ende 2022 die Nachfolgenutzung für das ehemalige Personalwohnheim an der Auerbacher Sankt Johannes Klinik spruchreif wird. Es gebe mehrere Optionen, die künftge Nutzung sollte aber auch in das Gesamtkonzept der Klinik passen.

Landrat Richard Reisinger hofft, dass bis Ende 2022 die Nachfolgenutzung für das ehemalige Personalwohnheim an der Auerbacher Sankt Johannes Klinik spruchreif wird. Es gebe mehrere Optionen, die künftge Nutzung sollte aber auch in das Gesamtkonzept der Klinik passen. © Foto: Brigitte Grüner

Gibt es Entscheidungen/Maßnahmen etc., die Ihnen in 2021 besonders wichtig waren?

Reisinger: Da war zum einen, dass wir doch insgesamt mit unseren Impfaktionen und bei der Pandemiebekämpfung relativ erfolgreich unterwegs waren und sind. SchülerInnen und Lehrkräfte der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg durften ihre Container verlassen und in das neu sanierte Schulgebäude einziehen. Für den Neubau der dazugehörigen Turnhalle konnten wir Richtfest feiern. Dann durften wir im Kulturschloss Theuern unseren ersten Bauabschnitt mit der Eröffnung der Dauerausstellung zur Industriegeschichte in Anwesenheit von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eröffnen.

Was war in Amberg-Sulzbach sonst noch zukunftsweisend?

Reisinger: Wir haben den Markenbildungsprozess für den Landkreis abschließen können und präsentieren uns unter anderem mit einem neuen Logo.

Aufatmen bescherte uns im Landkreis, dass mit der neuen US-Regierung auch der geplante Truppenabzug aus Vilseck vom Tisch war. Die Schießlärmproblematik wird uns wohl auch weiterhin beschäftigen, aber sie gibt es ja auch unabhängig von unseren amerikanischen Verbündeten. Das St. Anna Krankenhaus reihte sich im bundesweiten Ranking erneut unter den besten Kliniken ein. Wir durften auch hin und wieder neue Radwege eröffnen und was vielen gar nicht so bewusst geworden ist: Seit dem 1. Januar 2021 sind die Stadt Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach im öffentlichen Personennahverkehr gemeinschaftlich vollwertiges Mitglied im Verkehrsverbund VGN.

Geht diese lange Liste noch weiter?

Reisinger: Ja, denn es wurden viele wichtige Dinge angestoßen oder erledigt. Unser Regionalmanagement wurde verlängert, wir sind der Gesundheitsregion Plus beigetreten, und haben mit Claudia Mai eine neue VHS-Leiterin. Kulinarischer Höhepunkt im Herbst waren die Schlemmerwochen im westlichen und nördlichen Landkreis. Persönlich habe ich mich auch gefreut, dass ich meinen Vorgängern im Amt, Dr. Hans Wagner und Armin Nentwig, jeweils feierlich den vom Kreistag beschlossenen Ehrentitel "Altlandrat" verleihen durfte.

Welche Ziele und Pläne haben Sie für 2022?

Reisinger: Neben vielen Bauvorhaben und Projektthemen geht es mir vor allem darum, unseren Landkreis gut und unbeschadet durch die Wellen der Pandemie zu bringen; und darum, dass wir trotz etwaiger kontroverser Einstellungen zur Pandemie unseren Grundzusammenhalt nicht verlieren.

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