Von „sehr gut“ bis hin zu Warnungen

Das sagen Pegnitzer Einzelhändler und Gastronomen zur temporären Fußgängerzone auf Probe

10.1.2022, 15:33 Uhr
Mit Blick auf Frühling und Sommer haben die Stadtratsfraktionen von Grünen und SPD mit Zukunft Pegnitz (ZP) einen Antrag auf probeweise Einführung einer Fußgängerzone jeweils ab Samstagnachmittag bis Sonntagnacht gestellt.

Mit Blick auf Frühling und Sommer haben die Stadtratsfraktionen von Grünen und SPD mit Zukunft Pegnitz (ZP) einen Antrag auf probeweise Einführung einer Fußgängerzone jeweils ab Samstagnachmittag bis Sonntagnacht gestellt. © Foto: Udo Fürst

Angetan von der Idee ist Foteini Batzaka. "Das ist sehr gut, dann können wir unsere acht Tische hinter dem Alten Rathaus gut bedienen. Und man kann sich frei in der Innenstadt bewegen", sagt sie. Bei einer Fußgängerzone könne sie sich vorstellen, noch weitere Tische draußen aufzustellen.

Die Wirtin sieht aber auch, dass Anwohner Bedenken haben könnten, wenn sie nicht in ihre Wohnungen kommen. Und für Abholer von bestelltem Essen oder den eigenen Lieferservice könnte es dann etwas komplizierter werden. Im Großen und Ganzen kann sie sich jedoch vorstellen, dass die temporäre Fußgängerzone – ebenso wie Veranstaltungen – Leben in die Stadt bringen.

Generell hält Thomas Koukal nicht viel von einer Fußgängerzone. Entweder haben die Einkäufer schwer zu tragen oder wollen nur schnell einen Imbiss holen, ist er überzeugt. "Je mehr Parkplätze vor der Tür, desto mehr Kunden. Das ist eine ganz einfache Rechnung", sagt der Einzelhändler. Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden lieber direkt vor dem Laden parken möchten.

Das Thema Fußgängerzone werde seit 25 Jahren, seitdem er seinen Laden hat, diskutiert. Zum aktuellen Antrag von Grünen und SPD im Pegnitzer Stadtrat hatte er mit einem der Parteimitglieder ein "gutes, aber angespanntes Gespräch". Er habe erklärt, dass es ihm an einem umfassenden Konzept fehlt. Denn wenn eine Fußgängerzone von Samstag 14 Uhr bis Sonntag 24 Uhr eingerichtet wird, brauche es konkrete Vorstellungen, wie diese umgesetzt werden soll. Außerdem müssten Betroffene – Händler, Gastronomen und Anwohner – in den Prozess eingebunden werden, damit nichts über ihre Köpfe hinweg entschieden werde.

Koukals Meinung nach sind noch viele Fragen ungeklärt: "Wie kommen die Anwohner von Rosengasse und Stadtgraben in ihre Häuser? Welches Rahmenprogramm wird geboten, um Leute anzulocken?" Das ist ein Teil davon.

"Uns tut die Einführung einer temporären Fußgängerzone nicht weh", sagt Margit Ponfick. Denn ihr Laden hat bereits geschlossen, wenn samstags ab 14 Uhr das Fahrverbot gelten soll. Auch jetzt gebe es bereits Fußgänger und Bummler, die in der Stadt unterwegs seien. Dass es mehr werden, kann sie sich kaum vorstellen. Auch kämen die Kunden zielgerichtet mit einem bestimmten Anliegen in die Innenstadt.

Die Idee, Konzerte und andere Veranstaltungen an die Hauptstraße und den Marktplatz zu holen, findet sie gut, weil ihrer Ansicht nach ausreichend Platz vorhanden wäre. Doch sie sieht auch den Nachteil für Abholer: "Viele Kunden sind lauffaul und würden am liebsten bis vor die Tür fahren", beschreibt sie ihre Erfahrungen mit Kunden und Essens-Abholern der Gastronomie.

Zweifel bei Gerhard Wagner

Ähnlich sieht das Gerhard Wagner. "Ob die Fußgängerzone für die Abholer und Lieferdienste positiv ist, bezweifle ich. Ich vermisse den Sinn hinter dem Vorstoß der beiden Parteien." Der stellvertretende Vorsitzende des Oberfränkischen Einzelhandelsverbandes und Pegnitzer Geschäftsmann hat in verschiedenen Städten, die ähnlich groß sind wie Pegnitz, bereits verschiedene Experimente beobachtet, die krachend gescheitert wären. "Wir müssen diese schlechten Erfahrungen nicht auch machen", warnt er. Der Verband schlägt vor, pro 10 000 Einwohnern einen verkehrsberuhigten Bereich mit maximal 100 Metern Länge zu haben. "Das haben wir mit dem Platz vor dem Rathaus schon erfüllt", erklärt Wagner. Selbst größere Städte hätten inzwischen Probleme mit der ausbleibenden, weil lauffaulen Kundschaft in den Fußgängerzonen.

Das Argument, dass mehr Gäste die Außengastronomie nutzen würden, wenn keine Autos vorbei fahren, gilt für ihn nicht. Er verweist auf die Lokale an der Bayreuther Bahnhofstraße: "Dort führen vier, fünf Fahrbahnen vorbei und die Leute essen trotzdem draußen." Er würde die Pegnitzer Innenstadt mit mehr Blumen aufhübschen und versuchen, sie mit Konzerten und Veranstaltungen zu beleben.

Der Probephase der temporären Fußgängerzone würde er zustimmen. Ausgeweitet auf das komplette Wochenende oder sogar andere Werktage sollten die Zeiten aber nicht werden. Und auch zu viele Experimente seien nicht gut für die Kunden, weil sie dann nicht mehr wüssten, welche Regeln wann gelten. Das würde sie vertreiben.

Wagner, der in der Innenstadt aufgewachsen ist, sieht ein ganz anderes Problem, um das sich die Stadt kümmern sollte: Dauerparker. "Das ist ein sensibles Thema und ich bin deswegen schon länger im Gespräch mit dem Bürgermeister", sagt er. Die Lösung mit den Parkscheiben für Kunden sei in Ordnung, helfe aber nur, wenn diese auch regelmäßig kontrolliert werden.

Nicht in Pegnitz, sondern in Auerbach würde eine temporäre Fußgängerzone Sinn machen, findet Gastronom Daniel Akdemir: Für Pegnitz könne er sich das nicht vorstellen. "Da fehlt die Masse, die Innenstadt ist eh schon tot", meint er. In seiner zweiten Heimat Füssen gibt es eine Fußgängerzone. Diese rentiere sich, weil dort viele Sehenswürdigkeiten Touristen anlocken und diese wiederum für Leben in der schönen Altstadt sorgen, schätzt er. In Pegnitz sehe er das nicht.

Konzerten und anderen Veranstaltungen in der Pegnitzer Innenstadt steht er positiv gegenüber. Sie dürften aber nicht auf Kosten der Gastronomen stattfinden, diese müssten dann vielmehr entlastet werden.

Auch ohne temporäre Fußgängerzone überlege er derzeit, vor sein Grill-Restaurant unterhalb des Brunnens am Alten Rathaus – und damit am Anfang der angedachten Fußgängerzone – drei oder vier Tische auf einen Parkplatz zu stellen.

Mit den Worten "das ist nicht die Zeit, wo wirklich viel los ist in der Stadt", reagiert der Geschäftsmann Martin Wiesend auf die Idee einer zeitweisen Fußgängerzone. Zugleich schränkt der Eigner des Gesundheitheitszentrums ein: "Das macht nur dann einen Sinn, wenn sie es schaffen, Leute in die Stadt zu holen."

Grundsätzlich müsse geklärt wären, warum jemand in die Stadt laufen soll. So etwas gelinge nur mit Hilfe "attraktiver Angebote". Er selbst sei sehr wohl bereit, dazu einen eigenen Beitrag zu leisten.

In diesem Zusammenhang erinnerte Wiesend an seinen bereits vor Jahren geäußerten Vorschlag, Events wie den Bratwurstgipfel in die Innenstadt zu verlegen. Der Geschäftsmann bleibt jedoch Realist. "Es wird wohl kaum möglich sein, an jedem Wochenende ein Highlight als Veranstaltung in die Innenstadt zu holen."

Der Vorschlag einer autofreien Innenstadt allein reiche da aber nicht, das müsse von den Vorschlagenden noch mit konkreten Ideen "unterfüttert werden".

Als Veranstalter sei er sehr wohl bereit, Ausstellungseröffnungen und Vernissagen in genau diese Zeit einer gesperrten Innenstadt zu verlegen. Gleiches wäre nach Wiesends Einschätzung auch für den seit Jahren laufenden Gesundheitstag möglich.

Nach kurzem Überlegen fügte er hinzu: "Ich bin im Moment im Gespräch mit einer hochinteressanten und hochtalentierten Künstlerin." Diese mache Body-Painting. Nach seiner Darstellung setze diese Künstlerin auf Wunsch auch Projekte um und sei somit auch als Wochenend-Attraktion für die Innenstadt vorstellbar.

Eingebettet werden müssten all diese Ideen und Vorschlage jedoch in jedem Fall in ein Gesamtkonzept.

"Todesstoß" für Einzelhändler?

Zu einer ganz anderen Einschätzung kommt Annette Löhr als Geschäftsfrau und Innenstadt-Anliegerin. "Von einer solchen Fußgänger-Zone halte ich gar nichts." Die eigenen, oft langjährigen Kunden kämen meist mit dem Auto in die Stadt, um etwas zu erledigen.

Ihre Beobachtung: "Beim benachbarten Thai-Imbiss oder auch der Eisdiele ist auch am Wochenende viel Verkehr mit dem Auto." Löhr ist sich sicher: "Da läuft keiner von einem öffentlichen Parkplatz rein."

Und genau so sei auch das Einkaufsverhalten eines großen Teils der Bevölkerung. "Bei Rewe und Deichmann wollen auch alle bis direkt vors Geschäft fahren."

Wer tatsächlich eine temporäre oder dauerhaft abgesperrte Innenstadt wolle, versetze den nach wie vor verbliebenen Einzelhändlern "den Todesstoß", befürchtet sie.

"Schon seit zehn Jahren"

Klaus Hermann fordert als Händler "schon seit zehn Jahren" eine Fußgängerzone. Und erntete dafür im Händlerarbeitskreis heftigen Widerspruch. "Die wollten mich dafür lynchen (lacht).

Seine konkreten Vorschläge zur Verbesserung der Attraktivität? "Oh je". Das fange bereits beim Rathaus selbst an. "Wenn Fremde vor dem verschlossenen Rathaus stehen, wissen sie nicht, dass nebenan eine Dame in der Tourist-Info erste Anfragen beantworten kann."

Freimütig bekennt der Händler Hermann zur Gestaltung der Innenstadt: "Ich bin eigentlich mit allem zufrieden." Aufpassen müsse man nur bei der Neugestaltung des K + P-Geländes, dass nicht alle Pendler-Parkplätze wegfallen. Da sind also wohl noch viele Gespräche zwischen Stadt und Betroffenen nötig.

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