Retter in Not

Einsatz in luftiger Höhe: Die Aufgaben eines Pottensteiner "Bergwachtlers"

13.1.2022, 08:00 Uhr
Noch ein Schritt und es geht steil bergab. Thomas Eckert bei einer Luftrettungsübung. An einer Felskante stehend koordinierte er den Einsatz im Püttlachtal.

Noch ein Schritt und es geht steil bergab. Thomas Eckert bei einer Luftrettungsübung. An einer Felskante stehend koordinierte er den Einsatz im Püttlachtal. © Foto: Bergwacht (oh)

Seit über acht Jahren ist der 32-Jährige bei der Bergwacht in Pottenstein. Als Sportinteressierter wechselte der Kühlenfelser zu Anfang seines Betriebs- und Wirtschaftslehrestudiums sein Hobby und hörte mit dem Fußballspielen auf. Dafür rückte der Bergsport immer mehr in den Vordergrund. Der Drang, anderen Menschen beizustehen, stieg. Und so startete er die Ausbildung zum Bergwacht-Retter. Wenige Jahre danach übernahm er sogar die Leitung.

Der Anspruch an einen ehrenamtlichen "Bergwachtler" sei enorm. Eckert sitze zwar in Auerbach auf der Arbeit, sei jedoch jederzeit bereit, zu einem Einsatz zu eilen – und das nicht nur in Richtung Pottenstein.

"Ich bin auch in der Alarmierung der Amberger oder in Königstein dabei. Da würde ich dann genauso hinfahren. Vermutlich wäre ich sogar, aufgrund der geringen Entfernung, der erste dort." Seine Ausrüstung habe er immer dabei. Das spare Zeit und diese gewonnene Zeit kann Menschenleben retten, weiß Eckert aus Erfahrung. Natürlich muss er sich mit dem Arbeitgeber verständigen, ob er nach einer Alarmierung sofort aus dem Büro stürmen könne.

Arbeit geht manchmal vor

"Wenn ich Kundentermine habe oder ein wichtiges Meeting, dann kann ich nicht einfach weggehen", erklärt er. So richtig abschalten könne er dann aber nicht. "Ich habe das dann im Hinterkopf. Fehle ich gerade bei dem Einsatz? Diese Zweifel spielen immer mit rein." Doch er vertraue stets seinen Kollegen, die die gleiche professionelle Hilfe leisten können und es genauso gut machen.

Dann lasse er denen, die sich per Handy in der Bergwacht-Gruppe melden, den Vortritt. "So sehe ich auch, ob sich genügend für den Einsatz melden, das nimmt etwas den Druck."

Meistens sei genau das Gegenteil der Fall und es melden sich zu viele. Gerade in Zeiten von Corona gelten strikte Beschränkungen, auf die es zu achten gilt. Lediglich drei Bergwachtler durften beispielsweise zu Beginn der Pandemie zusammen zum Einsatzort – zwei weitere mussten im Umfeld warten und gegebenenfalls ablösen oder mit eingreifen, falls benötigt. "Manchmal braucht man klar die Manpower, aber oftmals ist es eher so, dass man gezielt, mit wenigen Rettern, am Einsatzort arbeiten muss." Für die Koordination ist die Einsatzleitung zuständig, die an 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag besetzt ist.

Kurzfristig Bescheid geben

Bei einer Alarmierung haben die Ehrenamtlichen dann zwei Minuten Zeit, sich bei der Integrierten Leitstelle per Funk zu melden. Alles müsse ganz schnell gehen, damit die Planung reibungslos funktioniere.

Bei einem Einsatz ginge es auch nicht darum, woher die Personen kommen, stellt Thomas Eckert im Gespräch klar. "Wir helfen natürlich nicht nur den Einheimischen. Das ist ganz klar. Wir helfen allen, die Hilfe benötigen", sagt Eckert. "An so etwas denken wir gar nicht. Die wichtigen Gedanken sind, was ist es für ein Einsatz? Was kommt auf uns zu? Gibt es schwer verletzte Personen?"

Wenn ein Abtransport am Boden nicht mehr möglich ist, dann unterstützen Hubschrauber mit einer Seilwinde die Hilfsaktionen (Bild rechts). Für so einen Rettungseinsatz darf man keine Höhenangst haben.

Wenn ein Abtransport am Boden nicht mehr möglich ist, dann unterstützen Hubschrauber mit einer Seilwinde die Hilfsaktionen (Bild rechts). Für so einen Rettungseinsatz darf man keine Höhenangst haben. © Foto: Bergwacht (oh)

Ein zusätzlicher Stressfaktor sei es, wenn die zu Rettenden nähere Bekannte sind. Es komme auf die Verletzungen an, wie groß der Druck und die Anspannung dann wachse.

"Wenn die Person schwere Verletzungen hat, dann ist das eine große Belastung für uns. Dafür haben wir geschultes Personal, die psychosoziale Notfallversorgung." Eine Art Notfallseelsorge, jedoch spezialisiert auf die Betreuung Betroffener sowie der Einsatzkräfte. Die Bergwacht in Pottenstein selbst hat aktuell keinen ausgebildeten Seelsorger, dafür gebe es Unterstützung aus den Bergwacht-Regionen Frankenjura und Fichtelgebirge. "Das machen wir regionsübergreifend." Dabei sind die sogenannten PSNV-E keine ausgebildeten Psychologen, erklärt Eckert. Auch hier greift das System der ehrenamtlichen Hilfe. So erhalten geeignete Bergwachtler und Bergwachtlerinnen eine Zusatzausbildung, um Einsatzkräfte während des Einsatzes zu betreuen. Oder auch zur Nachbearbeitung von belastenden Ereignissen beizusteuern.

Zurzeit ständen der Bergwacht 24 Ehrenamtliche zur Verfügung, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit sind, anderen Menschen zu helfen. "Es wäre schön, wenn wir mehr hätten, dann könnten wir die Last verteilen."

Zusätzlich gebe es noch zehn Anwärter, die zwar noch nicht alle Einsätze begleiten dürften, doch bald ihre Abschlussprüfungen ablegen und dann das Team verstärken.

Weitere Unterstützung sei gern gesehen. "Irgendwann kommt bestimmt auch bei mir der Zeitpunkt, dass die Familienplanung in den Vordergrund rückt und man kürzertreten muss." Gerade deshalb freue sich die gesamte Mannschaft, wenn sich weitere Interessierte aus der Region bei der Bergwacht melden.

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