Interview

Pegnitzer Kultur im zweiten Corona-Jahr: "Eine schwere Zeit für Veranstalter"

Michael Grüner

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8.1.2022, 16:00 Uhr
Ende Oktober 2021 war es endlich so weit. Nach der zweimaligen coronabedingten Verschiebung konnte in der Christian-Sammet-Halle die von seinen Fans lange erwartete Veranstaltung mit Günter Grünwald nachgeholt werden. Er war zum vierten Mal in Pegnitz beim Brettl.

Ende Oktober 2021 war es endlich so weit. Nach der zweimaligen coronabedingten Verschiebung konnte in der Christian-Sammet-Halle die von seinen Fans lange erwartete Veranstaltung mit Günter Grünwald nachgeholt werden. Er war zum vierten Mal in Pegnitz beim Brettl. © Foto: privat

Herr Lothes, Kultur in Pegnitz ist eng mit dem Brettl verbunden, oder darf man sagen, Kultur ist in Pegnitz das Brettl schlechthin?

Lothes: Keineswegs, das Pegnitzer Kulturleben ist breit aufgestellt, wobei ich versuche, als Kulturbeauftragter im Stadtrat auch die anderen Kulturanbieter und Künstler zu unterstützen.

Wir haben übrigens auch einen runden Tisch der Kulturschaffenden unter Federführung von Frau Steinmüller von der Stadt gegründet, der sich auch schon bald mal wieder treffen soll.

Corona hat im zweiten Jahr alle Ihre Planungen und das Programm über den Haufen geworfen. Welches Jahr war im Rückblick schlimmer? 2020 oder 2021?

Lothes: Ja, es ist eine schwere Zeit für Veranstalter, wobei wir beim Brettl ehrenamtlich aufgestellt sind und nicht davon leben müssen. Noch schlimmer trifft es aber viele Künstler, vor allem die, die davon leben müssen.

Die letzten zwei Jahre waren beide echt problematisch. Während wir 2020 noch mit dem Lockdown total ausgehebelt wurden, haben wir uns 2021 schon etwas darauf eingestellt und mit der Organisation vom "Marktplatzfest light" und dem "Schloßberg Openair" im Sommer doch noch ein paar Highlights anbieten können. Außerdem konnten wir wenigsten noch die Veranstaltungen mit Wolfgang Krebs und Günter Grünwald nachholen. Die Veranstaltung mit Sebastian Reich und seiner Amanda sowie mit Herbert und Schnipsi mussten jedoch nochmals verschoben werden.

Wie war die Besucherresonanz bei den VA, die Sie durchführen konnten?

Lothes: Sie war durchaus gut und immer auf die jeweils geltenden Regelungen angepasst.

Musste das Brettl Ausfallgagen leisten oder fanden Sie bei Absagen einvernehmliche Lösungen mit den Künstlern?

Lothes: Ich versuche stets, bei meinen Verträgen eine ausgeglichene Finanzierung hinzubekommen und Ausfallgagen zu vermeiden. Dadurch und durch das Verständnis der Künstler und ihrer Manager haben sich einvernehmliche Lösungen – meist durch Verschiebungen – ergeben.

Wie kommen Sie als Kulturveranstalter in solchen Zeiten klar? Haben Sie laufende Kosten?

Lothes: Die Kosten haben sich zwar erhöht, da wir oft eine Security einsetzen mussten und nicht so viele Zuschauer wie in den Vorjahren gekommen sind. Aber es ist auch so wie in den letzten Jahren gelungen, fast mit der Hälfte des Etats auszukommen.

Glauben Sie angesichts der derzeitigen Infektionszahlen und immer neuer Mutationen an ein "normales" Kulturjahr 2022?

Lothes: Die Normalität wird meines Erachtens so schnell nicht wieder einkehren. Wie gesagt, die Künstler und vor allem Newcomer werden weniger werden und das Publikum, vor allem das "reifere", ist vorsichtiger geworden und bleibt zum Teil weg.

Können Sie überhaupt schon Termine planen?

Lothes: Wir haben schon ein Halbjahresprogramm aufgestellt und werden versuchen, vor allem im Sommer wieder zusätzlich etwas anzubieten.

Auch wenn das mit der verkehrsberuhigten Innenstadt an den Wochenenden klappt, werden wir uns das eine oder andere Angebot einfallen lassen. Es wurden da auch schon einige vielversprechende Gespräche geführt.

Was steht schon fest?

Lothes: Konkret haben wir die Nachholtermine am 8. April mit Herbert und Schnipsi in der Gymnasium-Turnhalle und am Muttertag, 8. Mai, Sebastian Reich in der Christian-Sammet-Halle sowie im Juni Stefan Otto eingeplant. Die für Februar geplante Addnfahrer-Veranstaltung musste leider schon abgesagt werden.

Was wünschen Sie sich als Veranstalter für 2022?

Lothes: Dass langsam wieder Normalität einkehrt, dass nicht so viele Künstler, aber auch Veranstalter aufgeben müssen und dass das kulturelle Leben einigermaßen weitergeht.

Es werden große Hoffnungen in eine neue Eisarena gesetzt, die während des Jahres auch Raum für Kultur bieten soll. Sind das für Sie ganz neue Perspektiven oder kommen Sie auch mit dem vorhandenen Raumangebot in der Stadt ganz gut klar?

Lothes: Ich setzte große Hoffnungen auf die neue Kulturstätte, auch mit dem Hintergrund, dass die Besucherzahl in der Christian-Sammet-Halle inzwischen wegen den geltenden Brandschutzregelungen auf zirka 600 Besucher beschränkt wurde und damit größere Veranstaltungen wie bisher mit um die 1000 Besuchern nicht mehr möglich und damit auch nicht mehr finanzierbar sind.

Insgesamt 31 Jahre steht der Pegnitzer Stadtrat Karl Lothes dem Pegnitzer Brettl vor, das er seinerzeit praktisch zeitgleich mit seiner Berufung zum Kulturreferenten des Stadtrats übernahm. Ein Amt, das der SPD-Stadt- und Kreisrat Lothes selber als Verpflichtung sieht, alle Pegnitzer Kulturinitiativen zu unterstützen.

Insgesamt 31 Jahre steht der Pegnitzer Stadtrat Karl Lothes dem Pegnitzer Brettl vor, das er seinerzeit praktisch zeitgleich mit seiner Berufung zum Kulturreferenten des Stadtrats übernahm. Ein Amt, das der SPD-Stadt- und Kreisrat Lothes selber als Verpflichtung sieht, alle Pegnitzer Kulturinitiativen zu unterstützen. © Foto: privat

Neue Arena, neue Events. Das Angebot könnte umfangreicher werden. Sehen Sie auf kultureller Ebene möglicherweise eine gewisse Konkurrenz für das angestammte Brettl-Programm?

Lothes: Das Brettl hat noch nie Konkurrenz zu fürchten gehabt. Im Gegenteil. Es war immer schon unser Anliegen, das Kulturangebot für Pegnitz und die Region zu ergänzen und zu bereichern. Wir hoffen, dass wir mit dem Brettl-Team gut mit den Verantwortlichen der neuen Arena zusammenarbeiten werden und mit von uns unterstützten Veranstaltungen auch die dortigen Events ergänzen werden.

Eine Größenordnung von mehr als 1400 Besuchern wäre auf jedem Fall eine Chance für die Kultur in der gesamten Region. Eine Zusammenarbeit wurde jedenfalls unsererseits schon angeboten.

Sie machen das Brettl jetzt seit 26 Jahren, wenn wir richtig gerechnet haben?

Lothes: Fast richtig. Ich betreue das Brettl jetzt schon seit mehr als 31 Jahren und ich bin froh und glücklich, dass ich im letzten Jahr ein kleines Team gefunden habe, das mich hervorragend unterstützt. Deshalb habe ich auch größtenteils von uns als Team gesprochen.

Wer gehört dazu?

Lothes: Jessica Marcus, die sehr vielseitig ist und unter anderem auch schon Hygienekonzepte geschrieben hat. Dann Christoph Wonde, der mit seinem Knowhow die technische Leitung übernommen hat, und Markus Seuffert, der nicht nur den Vorverkauf betreut. In unseren gemeinsamen Beratungen haben wir eine neue Brettl-Ära begonnen.

So konnten wir als Team schon gleich die Highlights vom letzten Sommer gemeinsam schultern. Alleine hätte ich das nicht schaffen können.

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