Wenn die Angemeldeten nicht kommen

Wie viel Corona-Impfstoff in der Region weggeworfen wird

Kerstin_Goetzke
Kerstin Goetzke

Nordbayerische Nachrichten Pegnitz/Auerbach

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23.1.2022, 15:27 Uhr
Im Impfzentrum in Sulzbach-Rosenberg wird bis 22 Uhr nachts gegen Covid 19 geimpft. Das macht es schwer, den verbleibenden Impfstoff kurzfristig zu verteilen. Dennoch wird dort wenig weggeworfen.

© Foto: Delf Dudlitz/BRK Im Impfzentrum in Sulzbach-Rosenberg wird bis 22 Uhr nachts gegen Covid 19 geimpft. Das macht es schwer, den verbleibenden Impfstoff kurzfristig zu verteilen. Dennoch wird dort wenig weggeworfen.

Doch gerade im Dezember musste viel Vakzin vernichtet werden, weil Bayern eine große Menge des Moderna-Impfstoffs erhalten hatte, der schon mehrere Wochen aufgetaut war und dementsprechend eine geringere Haltbarkeit hatte. "Er konnte leider nicht rechtzeitig verwendet werden", kommentiert Schaller das bayernweite Problem. Deshalb musste der Stoff über den Medizinmüll entsorgt werden.

Es sei schwierig, restlichen Impfstoff abends noch an andere Impfende zu verteilen, weil erst etwa eine halbe Stunde vor Feierabend absehbar ist, ob und wenn ja wie viel Vakzin übrigbleiben wird. "So kurzfristig kann niemand einspringen. Und weil die Impfkapazität mittlerweile größer ist als die Impfbereitschaft, lohnt es sich nicht mehr, Telefonketten zu organisieren, wie das noch vor einem Jahr war", erklärt er weiter. Damals gab es nur wenig Impfstoff, weshalb im Landkreis Amberg-Sulzbach auch kurzfristig priorisierte Personen angerufen wurden, um zum Impfen zu kommen. Mittlerweile bekomme man innerhalb kürzester Zeit einen Impftermin. Auch das Personal im Impfzentrum Sulzbach-Rosenberg und der -station Amberg sei zu 100 doppelt geimpft sowie zu 92 Prozent geboostert. "Rein rechnerisch fehlen in der Bevölkerung noch einige Booster-Impfungen, weil die zweite Spritze von vielen schon länger als drei Monate her ist", weiß Schaller. Deshalb empfiehlt er: "Nicht hadern, sondern zugreifen."

Es gibt auch Johnson & Johnson

Impfstoff von Biontech/Pfizer müsse derzeit kaum verworfen werden, weil es derzeit ohnehin weniger davon gebe. Deshalb wird dieser in der Regel für Personen unter 30 Jahren und Schwangere verwendet. "Ab und zu äußern die Leute vor Ort, dass sie trotzdem lieber Biontech als Moderna hätten. Dem können wir aber nur in Ausnahmefällen nachkommen", so der BRK-Kreisgeschäftsführer weiter. Auch Johnson & Johnson werde in geringen Mengen verwendet, wenn ein Impfling das wünsche. Vorteil sei daran, dass dieser Impfstoff länger haltbar ist, doch er müsse gesondert bestellt werden. Wie eine Bestellung generell abläuft, erklärt Schaller ebenfalls im Gespräch mit der Redaktion: "Das ist eigentlich einfach", sagt er. Er melde bei einer Apotheke den Bedarf an Impfdosen an und erhält ein paar Tage später die Bestellbestätigung. "Meistens bekommen wir weniger Biontech zugesagt. Eine Woche später erhalten wir den aufgetauten Impfstoff. Das hat schon immer gut funktioniert."

Bayreuth: Haltbarkeit als Grund

Gründe, warum Impfstoff im Land-kreis Bayreuth verworfen werden muss, kennt auch Karen Görner-Gütling vom Landratsamt Bayreuth: "Teilweise fallen Termine ohne Absage aus, das heißt die geplante Impfung findet nicht statt, weil der Impfling nicht erscheint; teilweise werden Termine auch sehr kurzfristig abgesagt, sodass es kaum möglich ist, diese neu zu vergeben." Aber auch die abgelaufene Haltbarkeit oder dass ein angebrochenes Vial am Tagesende nicht mehr komplett verimpft werden kann, ist ursächlich dafür, wenn Impfstoff weggeworfen wird. Auf die Frage, wie viel Impfstoff vernichtet werden muss, antwortet die Pressesprecherin des Landrats: "Der tägliche Verwurf wird mit Hilfe von Notfalllisten, in denen Impflinge, die kurzfristig aktiviert werden können, vermerkt sind, minimiert. Zum Ende des Impftages hin ist eine vorausschauende Planung wichtig."

Darüber hinaus gebe es einen überregionalen Austausch mit Impfzentren anderer Gebietskörperschaften und einen regionalen Austausch mit Haus- und Fachärzten. "Die kurzfristige Übernahme von Impfstoffen ist eine logistische Herausforderung. Zudem benötigen Hausärzte auch Vorlauf, um Impftermine zu koordinieren", so die Landkreissprecherin.

Insgesamt haben in Pegnitz mehr als 25 000 Menschen eine Corona-Impfung erhalten: Im Impfzentrum an der Sana Klinik sind 20 500 Personen geimpft worden, an der Impfstelle Wiesweiherhalle etwa 5000 Personen. Täglich werden dort etwa 165 Dosen gebraucht. Im BRK-Impfzentrum in Bayreuth sind es bis zu 365 Impfdosen. "Die Nachfrage nach Impfungen ist sehr wechselhaft, die Impfbereitschaft war zuletzt nachlassend", so Görner-Gütling.

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