Stiller Protest auf dem Marktplatz

Gegen rechte Querdenker: Hilpoltsteins Rathaus leuchtet bunt

14.1.2022, 11:19 Uhr
Das Aktionsbündnis

Das Aktionsbündnis "Hip ist bunt" hat am Donnerstagabend auf dem Hilpoltsteiner Marktplatz mit 26 leeren Stühlen gegen die Corona-Spaziergänge. © Tobias Tschapka, NN

Zwischen 17 und 18 Uhr - eine Stunde vor dem „Spaziergang“ - standen 26 leere Stühle vor dem Hilpoltsteiner Rathaus. Dazwischen exakt 1,5 Meter Abstand, der jedoch nicht nur eine der Corona-Regeln symbolisieren soll, sondern vor allem Abstand zur rechten Unterwanderung fordert, mit denen die Spaziergänge inzwischen in Verbindung gebracht werden. „Abstand halten gegen Rechts“ stand auf Schildern, die auf den Stühlen platziert wurden. Gleichzeitig wurde das Rathaus in vielfarbiges Licht getaucht.

Parteiübergreifend

Gegen 16.30 Uhr trafen sich Vertreter aller Fraktionen aus dem Stadtrat, um ihre Aktion vorzubereiten. Aus ihnen allen setzt sich „Hip ist bunt“ zusammen, mit dem erklärten Ziel, sich parteiübergreifend für ein buntes und vielfältiges Hilpoltstein zu engagieren.

Und so trugen unter anderem Felix Erbe und André Thomas (Bündnis 90/die Grünen), Steffi Schmauser-Nutz und Alexander Deß (Freie Wähler), Christoph Raithel (CSU) und Bürgermeister Markus Mahl (SPD) gemeinsam Stühle hinüber zum Marktplatz, stellten sie auf, installierten das bunte Licht. Später kam noch Monika Stanzel (SPD) dazu, die die Schilder für die Stühle mitgebracht hatte. Langsam nahm die Protestaktion, die nach Auskunft der Organisatoren für sich sprechen sollte, Gestalt an.

„Es soll ein stiller Protest werden“, betonte Deß, laut dem keine Kundgebung und keine Ansprachen geplant waren. Man wolle sich auch gar nicht auf eventuelle Diskussionen mit Maßnahmengegnern einlassen. Daher war es geplant, schon kurz vor 18 Uhr die Stühle wieder abzubauen, dass es erst gar nicht zu Konfrontationen kommt.

„Wir wollen nichts eskalieren lassen, und wir wollen auch nicht mit vielen Leuten hier stehen“, betonte Bürgermeister Mahl. „Denn, je mehr Menschen vor Ort sind, desto größer ist die Gefahr einer Infektion, auch mit Masken und Abstand - zumal die Spaziergänger in der Regel ohne Maske unterwegs sind.“

Mahl betonte, dass es das gute Recht eines jeden sei, gegen Impfungen oder die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. „Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum sie ihre Aktion nicht anmelden - das ist für mich ein Beleg dafür, dass sie mit den gegebenen rechtsstaatlichen Möglichkeiten nicht umgehen wollen.“ Genau deshalb laute das Motto auch: „Abstand halten gegen Rechts“. Denn speziell auf einschlägig bekannten, dem rechten Spektrum zugehörigen Telegram-Kanälen, werde zu den Spaziergängen aufgerufen, die auf diese Weise von rechtsextremen Gruppierungen instrumentalisiert werden. „So werden die Teilnehmer, die vielleicht wirklich nur dem Impfen skeptisch gegenüberstehen, missbraucht, um rechte Agitation straßenfähig zu machen.“

Kein Wettlauf

Auch Mahls Parteikollegin, Stadt- und Kreisrätin Christine Rodarius, die sich vorab zu der Aktion geäußert hatte, schlug in dieselbe Kerbe: „Mit unserem Protest wollen wir nicht diejenigen Menschen angreifen, deren Unmut sich gegen die Corona-Politik richtet, sondern wir fordern diese auf, genau darauf zu achten, mit wem sie zusammen auf die Straße gehen“.

Im Übrigen habe man diese Form des „stillen Protests“ auch deshalb gewählt, um keine Spirale in Gang zu setzen, wer denn die meisten Demonstranten mobilisieren könne.

Kurz vor 18 Uhr erschienen die ersten „Spaziergänger“ auf dem Marktplatz. Die meisten „Hip ist bunt“-Mitglieder hielten sich abseits, um, wie geplant, Diskussionen aus dem Weg zu gehen, und ihre Installation für sich sprechen zu lassen. Diese wurde von den Neuankömmlingen neugierig betrachtet - oft verbunden mit Kopfschütteln. „Haben wir euch irgendetwas getan? Wir gehören doch alle zur Menschheitsfamilie, und wollen doch eigentlich alle das gleiche“, beklagte sich eine Frau, die sich offensichtlich angegriffen fühlte. Ein Mann erklärte, dass er bei den Spaziergängen noch nie „einen einzigen Rechtsradikalen“ gesehen habe.

Bürgermeister Mahl versuchte ihm zu erläutern, dass die Rechten heutzutage nicht mehr mit Fahnen herumrennen würden. Auf die von dem Mann geforderte Diskussion, was denn überhaupt „rechts“ sei, ließ sich Mahl dann aber nicht ein, und begann mit den anderen „Hip ist bunt“-Aktivisten, die Stühle wieder abzubauen. Ob es eine Wiederholung dieser Aktion gibt, stehe noch nicht fest. Geplant sei einiges, so Christine Rodarius. Die Initiative „Hip ist bunt“ werde mit den beiden Kirchengemeinden Kontakt aufnehmen, um eventuell ein gemeinsames Glockenläuten zu ermöglichen. Oder auch ein ökumenisches Friedensgebet auf dem Marktplatz. Für weitere Aktionen werde man versuchen, den Marktplatz sperren zu lassen.

Die Polizei, die schon seit Beginn der (angemeldeten) Aktion Präsenz zeigte, wies um 18 Uhr die Spaziergänger darauf hin, dass diese für ihre unangemeldete Aktion noch einen Versammlungsleiter benennen könnten. Daraufhin setzte sich die Gruppe in Bewegung.